1. Vorstellung und Idee

Zuerst möchte ich erklären, warum ich diesen Blog gestartet habe. Dabei möchte ich vor allem Torben Rosenbohm erwähnen, der mit seinem Blog über die EWE Baskets Oldenburg seit September 2022 einen großen Mehrwert geschaffen hat. Er berichtete stets fundiert über die Baskets, sprach auch kritische Themen offen an und lieferte tiefgehende Analysen. Besonders seine Interviews waren immer spannend und bereichernd, um die Spieler und das Umfeld der EWE Baskets besser kennenzulernen.

Mit Torbens Wechsel in die Position des PR-Managers bei den EWE Baskets endete leider auch sein Blog – und genau diese entstandene Lücke möchte ich nun mit meinen Beiträgen ein Stück weit schließen. Mein Ziel ist es, wieder eine unabhängige, von außen kommende Perspektive auf die Mannschaft zu bieten und die Spiele der Donnervögel ausführlich zu analysieren.

Der Blog soll sich dabei vor allem auf zwei Schwerpunkte konzentrieren: zum einen auf den Rückblick der vergangenen Partien und zum anderen auf die Vorschau des jeweils nächsten Gegners. Außerdem möchte ich regelmäßig taktische Aspekte des Spiels aufgreifen. Ich plane, mit einfachen Systemen zu beginnen und diese im Laufe der Zeit Schritt für Schritt zu vertiefen.

In welchem Umfang und in welcher Häufigkeit neue Artikel erscheinen werden, wird sich noch zeigen – aber ich bin offen für Feedback, Anregungen und Ideen. Nur gemeinsam kann ein Blog entstehen, der Leserinnen und Leser begeistert und den Basketball in Oldenburg, insbesondere die EWE Baskets, noch ein Stück näherbringt.

Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

2. Spieltag und aktuelle Ereignisse

Große Enttäuschung an der Ostsee

Vor der Partie gegen Rostock standen gleich mehrere spannende Fragen im Raum:

Wird Dakarai Tucker nach seiner Verletzung wieder ins Aufgebot zurückkehren, und wie präsentiert sich der Kader insgesamt – gab es Veränderungen?

Wie wird Chris Clemons auftreten, nachdem er zuletzt mit seiner 52-Punkte-Gala für Aufsehen sorgte?

Und schließlich: Kann die Defensive der Oldenburger an Stabilität gewinnen und gegen Rostock überzeugen?

Vor Spielbeginn gab es eine erfreuliche Nachricht: Tucker kehrte nach seiner Verletzungspause zurück. Im Vergleich zur Partie gegen Trier rückte er für Fugett ins Aufgebot – und bereits in seinen ersten Minuten zeigte er, warum er für die kommenden Spiele eine so wichtige Rolle einnehmen kann.

Das erste Viertel endete mit 25:21 aus Rostocker Sicht – und schon in diesen Minuten wurde deutlich, woran die Oldenburger arbeiten müssen: an ihrer Verteidigung. Durch das konsequente Hedgen öffneten sich immer wieder Lücken, die Rostock zu einfachen Punkten in der Zone oder zu freien Würfen aus der Ecke nutzten. Auch im zweiten Viertel fand die Oldenburger Defensive keinen Zugriff. Rostock erzielte 28 Punkte, und so stand zur Halbzeit einmal mehr ein bekanntes Bild: Der Gegner hatte bereits über 50 Punkte auf dem Konto. Offensiv haperte es zudem bei den einfachen Würfen aus der Distanz und durch einige vermeidbare Ballverluste. Trotzdem blieben die EWE Baskets mit nur zehn Punkten Rückstand zur Pause (53:43) noch in Reichweite.

Nach dem Seitenwechsel gestaltete sich die Partie zunächst ausgeglichen. Mit einigen Steals kämpfte sich Oldenburg zwischenzeitlich auf vier Punkte heran (66:62). Doch kurz vor der Viertelpause sorgte Rostocks starker Schwartz (26 Punkte, 9 Rebounds, 5/9 Dreier) mit einem „And-One“ und einem anschließenden Dreier von Kolenda (18 Punkte, 4/8 Dreier) wieder für klare Verhältnisse. Im Schlussabschnitt gelang es den Oldenburgern nicht mehr, den Rückstand zu verkürzen. Stattdessen baute Rostock den Vorsprung weiter aus, gewann das Viertel mit 22:15 und damit das Spiel insgesamt deutlich mit 94:77.

Zusammenfassend fehlte es den Oldenburgern an beiden Enden des Feldes. Zwar erwischte Clemons mit 24 Punkten offensiv einen guten Tag, doch sein Distanzwurf wollte diesmal nicht fallen – nur einer seiner sechs Dreierversuche fand das Ziel (16,7 %). Insgesamt präsentierten sich die Baskets von der Dreierlinie schwach und trafen lediglich 25 % ihrer Würfe (7/28). So kamen die Huntestädter am Ende auf 77 Punkte und mussten die Partie vor allem aufgrund einer defensiv schwachen ersten Halbzeit deutlich abgeben.

Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Die Verteidigung

Im Spiel wurde nur selten vom ursprünglichen Defensivplan abgewichen, sodass kaum alternative Verteidigungsformen ausprobiert wurden. Oldenburg hielt konsequent am Doppeln des ballführenden Spielers fest – eine Strategie, die die Rostocker über 40 Minuten hinweg konsequent ausnutzten, um zu einfachen Punkten in der Zone oder freien Dreiern zu kommen. Dabei stellt sich die Frage, ob Oldenburg überhaupt das passende Personal hat, um eine Hedge-Defense über die gesamte Spielzeit effektiv umzusetzen. Sowohl Filip Stanic als auch Michale Kyser sind solide Verteidiger, doch fehlt ihnen die notwendige Geschwindigkeit, um nach dem Doppeln rechtzeitig in die Zone zurückzukehren und die gegnerischen Center effektiv zu verteidigen. Zudem verliert das Team durch das Herausziehen der Center häufig die Rebound-Kontrolle, da diese keine gute Position unter dem Korb einnehmen können. Auffällig war außerdem, dass Clemons im Eins-gegen-eins mehrfach attackiert und zu leicht geschlagen wurde, was zu einfachen Punkten in der Zone führte. Hier wäre es interessant, in Zukunft unterschiedliche Verteidiger gegen den gegnerischen Point Guard einzusetzen, um Clemons in der Defensive etwas zu entlasten und besser zu verstecken.

Eral Penn

Eral Penn zeigte in diesem Spiel eine klare Leistungssteigerung. Nach einem schwierigen Saisonstart nutzte er seine rund 16 Minuten Einsatzzeit effektiv: 3 von 4 Dreiern, 5 Rebounds und ein Plus/Minus-Wert von +12 unterstreichen seinen positiven Einfluss. Auch emotional war er ein Faktor – als einer der wenigen Spieler versuchte er, seine Mitspieler mitzureißen und gegen die Niederlage anzukämpfen.

3. Vorschau auf das nächste Spiel

Die Fakten

Der nächste Gegner der EWE Baskets sind die MHP Riesen Ludwigsburg. Gespielt wird am Samstag, den 8. November, um 18:30 Uhr in der MHPArena in Ludwigsburg.

Die letzten fünf Spiele der Ludwigsburger:

GegnerWettbewerbDatumErgebnis
Syntainics MBCBBL02.11.202593:82 (W)
ratiopharm UlmBBL26.10.202590:81 (W)
MLP Academics HeidelbergBBL-Pokal19.10.202573:82 (L)
NINERS ChemnitzBBL10.10.202588:111 (L)
Fitness First Würzburg BasketsBBL05.10.202579:84 (L)

Das Duell der Zwillinge

Ein besonderes Highlight erwartet die Fans am kommenden Samstag in der MHPArena: das Bruderduell zwischen Nicho und Brandon Tischler. Die Zwillinge liefern sich auch statistisch ein Kopf-an-Kopf-Rennen – beide holen im Schnitt 5 Rebounds, beim Scoring liegt Brandon mit 6,8 Punkten nur knapp vor Nicho, der auf 5,3 Zähler kommt. Man darf gespannt sein, welcher der beiden Brüder am Samstag das bessere Ende für sich und sein Team haben wird.

Über Ludwigsburg

Lange Zeit war Ludwigsburg für seine kompromisslose Defensive bekannt und galt in der Liga als äußerst unangenehmer Gegner. Doch in dieser Saison hat sich das Bild etwas gewandelt. In der Sommerpause verpflichteten die MHP Riesen den schwedischen Nationaltrainer Mikko Riipinen, mit dem in Ludwigsburg eine neue Ära begonnen hat. Unter seiner Leitung liegt der Fokus nun deutlich stärker auf der Offensive.

Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Mit einem Offensive Rating von 116,4 – also 116,4 erzielten Punkten pro 100 Angriffe – stellt Ludwigsburg aktuell die drittbeste Offensive der Liga. Gleich vier Spieler punkten im Schnitt zweistellig: Elijah Hughes, Stefan Smith, Traveon Buchanan und Yorman Polas Bartolo. Besonders herausragend ist dabei Smith, der durchschnittlich 17,8 Punkte erzielt und von außen mit starken 42,1 Prozent bei rund fünf Versuchen pro Spiel trifft.

Im Vergleich zu den erfolgreichen Defensivjahren zeigt sich allerdings die andere Seite der Medaille: Das Defensive Rating liegt bei 116,5, was den viertschlechtesten Wert der Liga bedeutet. Damit ergibt sich ein Net Rating von -0,1 – ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angriff und Verteidigung.

Am vergangenen Spieltag gelang den Ludwigsburgern jedoch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Mit einem 93:82-Sieg beim zuvor ungeschlagenen Tabellenführer MBC aus Weißenfels setzten sie ein Ausrufezeichen. Buchanan avancierte mit 32 Punkten zum überragenden Akteur der Partie. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Defensive zunehmend an Stabilität gewinnt – ein Trend, den das Team nun bestätigen will.

Was muss Oldenburg besser machen?

Individuell haben bereits viele Spieler ihr Potenzial unter Beweis gestellt, doch jetzt muss es auch im Zusammenspiel als Team funktionieren. Besonders in der Defensive besteht weiterhin großer Verbesserungsbedarf: Mit einem Defensive Rating von 117,6 stellen die Baskets derzeit die drittschlechteste Verteidigung der Liga – ein Wert, der sich in den kommenden Spielen dringend verbessern muss. Am Samstag in Ludwigsburg bietet sich nun die Chance, genau das unter Beweis zu stellen und mit mehr defensiver Geschlossenheit einen kleinen Schritt in die richtige Richtung zu machen.

Die Daten zum Net-Rating sind von 3Stepbasket.com.

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