Seit dem Trainerwechsel steht die Oldenburger Mannschaft bei 4:1. In den Spielen zuvor schaffte das fast gleiche Team nur einen Sieg aus neun Partien. Welche Veränderungen haben sich seitdem ergeben und wie haben sich die Statistiken entwickelt? Dies wird in diesem Artikel genauer untersucht.

Die Defensive

Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Eine wichtige Statistik zur Bewertung der Defensive ist das Defensiv-Rating. Es zeigt, wie viele Punkte das gegnerische Team pro 100 Ballbesitze erzielt. In dem unten gezeigten Diagramm sind die Werte auf die einzelnen Spieler bezogen. Besonders auffällig ist, dass Brian Fobbs stark von dem Systemwechsel unter Lazar Spasić profitiert. Unter Pedrag Krunić setzte das Team häufig auf starkes „Hedging“ beim Pick and Roll, also das Doppeln des Aufbauspielers. Das führte dazu, dass die Oldenburger leicht Punkte kassierten, da oft ein Gegenspieler frei stand.

Spasić wählte einen anderen Ansatz: In der Verteidigung wird oft geswitched oder flach verteidigt, was Spielern wie Fobbs entgegenkommt, die ihre Stärke im 1-gegen-1 haben. In der alten Defensive war es für Spieler wie Fobbs und Chris Clemons oft schwierig, rechtzeitig zu helfen und offene Gegenspieler zu decken. So entstanden regelmäßig freie Dreier aus der Ecke oder einfache Punkte am Korb, da auch Michale Kyser nicht immer schnell genug zurück in die Zone kam, um den Center zu verteidigen.

Der Systemwechsel erlaubt es Fobbs, seine individuellen Stärken besser einzubringen und gleichzeitig die Defensive insgesamt stabiler zu gestalten. Unter Krunić war das Risiko von einfachen Korblegern und offenen Würfen hoch, unter Spasić laufen die Abläufe kontrollierter, der Druck auf die Gegner steigt und die individuellen Stärken der Spieler werden besser genutzt.

Ein Blick auf die Zahlen bestätigt diesen Trend: Fobbs’ Defensiv-Rating verbesserte sich von 119,4 auf 94,5. Auch bei Clemons zeigen die Werte, dass ihm die neue Verteidigungsform entgegenkommt: Sein Rating sank von 115,4 auf 102,7. Bei allen Spielern ist ein klarer Trend nach unten zu erkennen, lediglich bei James Woodard fällt die Veränderung mit 112,4 auf 110,3 nur minimal aus.

Datengrundlage:.3stepsbasket.com

Die Offensive

Das Offensiv-Rating ist das Gegenstück zum Defensiv-Rating und zeigt, wie viele Punkte das eigene Team pro 100 Ballbesitze erzielt. Auch in der Offensive ist seit dem Trainerwechsel ein klarer Trend zu erkennen. Unter Spasić haben sich einige Abläufe deutlich verändert: Während die Angriffe unter Krunić noch oft im Eins-gegen-Eins endeten, wird nun mehr Ballbewegung gespielt. Häufig versucht das Team, in die Zone zu ziehen; wenn der direkte Weg zum Korb versperrt ist, wird der freie Mitspieler gesucht, der dann selbst in die Zone zieht oder von außen den Wurf nimmt.

Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Ein weiteres Mittel ist das Ausnutzen von Mismatches im Post. Dabei stellt sich ein Spieler am Rand der Zone mit dem Rücken zum Korb und Gegner auf und versucht, den Gegner zu überwinden. Kommt das Doppeln, wird der Pass weitergespielt oder der eigene Abschluss per Jump-Shot oder Korbleger gesucht. Besonders Spieler wie Zubčić profitieren davon, da er auf der Position vier relativ groß ist und so oft einen Größenvorteil gegenüber dem Gegenspieler hat.

Auch Nicho Tischler profitiert deutlich von den offensiven Veränderungen. Seit dem Trainerwechsel erzielt er im Schnitt 16,4 Punkte pro Spiel und hat den größten Sprung im Offensiv-Rating: Sein Wert stieg von 97,6 auf 125,5. Aber auch Spieler wie Clemons, Fobbs und Woodard profitieren vom neuen System, alle drei konnten ihr Offensiv-Rating deutlich steigern.

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Das Team

Ein Blick auf die Offensiv und Defensiv Ratings der Liga in den letzten fünf Spielen zeigt sofort, dass Oldenburg einen deutlichen Sprung gemacht hat. Im Offensiv Rating teilen sich die Oldenburger mit dem FC Bayern Basketball den ersten Platz mit einem Wert von 122,3. Auch im Defensiv Rating geht es in die richtige Richtung: Die EWE Baskets liegen hier ligaweit auf dem sechsten Platz.

Vergleicht man zusätzlich das Net Rating, also die Differenz aus Offensiv und Defensiv Rating, steht Oldenburg mit +17,6 auf dem dritten Platz hinter Berlin und München.

Brian Fobbs

Einen Spieler aus dem Team möchte ich besonders hervorheben: Fobbs. Während er unter Trainer Krunić noch durchschnittlich knapp 33 Minuten pro Spiel auf dem Feld stand, ist seine Einsatzzeit inzwischen auf 26 Minuten gesunken. Diese nutzt er jedoch deutlich effektiver.

In den letzten fünf Spielen kommt Fobbs auf einen Plus/Minus-Wert von +10. Dieser Wert zeigt, dass das Team mit ihm auf dem Feld im Schnitt 10 Punkte mehr erzielt. Unter Krunić lag dieser Wert noch bei –6.

Auch sein Net Rating, also die Differenz aus Offensiv- und Defensivrating, hat sich stark verbessert. Während es vor dem Trainerwechsel noch bei –11,6 lag, steht es in den letzten fünf Spielen bei +23,2.

Trotz der geringeren Spielzeit erzielt Fobbs weiterhin 14,4 Punkte pro Spiel, was in etwa dem gleichen Schnitt wie vor dem Trainerwechsel entspricht. Betrachtet man jedoch den True Shooting Percentage (TS%), wird deutlich, dass seine Offensive erheblich effizienter geworden ist.

Zur Erklärung dieses Wertes:
Die Formel lautet 100 × erzielte Punkte / Wurfversuche. Geht man davon aus, dass 2 Punkte pro Wurfversuch eine hervorragende Quote darstellen, müsste ein Spieler bei 5 Wurfversuchen 10 Punkte erzielen, um als sehr effizient zu gelten. Erzielt er hingegen nur 6 Punkte aus 5 Wurfversuchen, erreicht er 60 % TS.

Fobbs’ TS% lag vor dem Trainerwechsel bei 53,0 % und steigerte sich in den letzten Spielen auf 67,1 %, was seine deutlich verbesserte offensive Effizienz unterstreicht.

Ausblick

Bei diesen Werten muss man berücksichtigen, dass in den fünf Spielen drei Gegner aus dem unteren Drittel der Liga waren. Gleichzeitig trat Oldenburg aber auch gegen die beiden stärksten Teams dieser Periode an und konnte im Net Rating bestehen. Nach weiteren fünf Spielen werden die Statistiken erneut unter die Lupe genommen und miteinander verglichen, um den Effekt des Trainerwechsels noch klarer zu bewerten.

Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Quelle für alles Statistiken ist 3stepsbasket.com.

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