
In dem Interview erzählt Brian Fobbs, wie der Saisonbeginn für das Team und für ihn persönlich war und wie es sich anfühlte, von den Fans ausgebuht zu werden. Er spricht außerdem über die Veränderungen durch den Trainerwechsel, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Zudem berichtet er, was es für einen Spieler bedeutet, in der Starting Five zu stehen. Abschließend erklärt er, welches Ziel das Team für die Saison hat und welches persönliche Ziel er verfolgt.
Frage: Wie gefällt dir Oldenburg bisher nach 4 Monaten? Hast du schon ein Lieblingscafé oder etwas Ähnliches?
Fobbs: Bis jetzt gefällt mir Oldenburg. Das Einzige ist, dass viele Fahrradfahrer unterwegs sind. Hier sind überall sehr viele Fahrräder unterwegs und das zu jeder Tageszeit und sogar nachts. Manchmal wird es dadurch ziemlich voll, aber das ist okay. Ich muss mich einfach daran gewöhnen. Mein Lieblingsort ist eine Pizza-/Pasta-Bar in der Nähe der Trainingshalle. Ich gehe so oft dorthin, dass sie meine Bestellung schon kennen. Auch die Leute dort kennen mich mittlerweile und wissen, dass ich im Basketballteam spiele. Ich würde sagen, das ist mein Lieblingsplatz.
Frage: Meine nächste Frage bezieht sich auf den Saisonstart. Ich vermute, der Beginn war sehr herausfordernd, mit vielen Höhen und Tiefen. In der Liga blieben die Erfolge zunächst aus, während ihr im Pokal einige wichtige Siege feiern konntet. Wie hast du diese ersten zwei Monate erlebt?
Fobbs: Die ersten zwei Monate waren eine sehr harte Phase. Es war extrem schwierig. Zu einem Zeitpunkt, wie du schon gesagt hast, fühlten sich selbst die Siege im Pokal nicht wirklich wie Erfolge an. Es gab nicht das Gefühl, als würden wir viel erreichen, weil wir in den BBL-Spielen ständig verloren haben. Natürlich waren die Pokalsiege wichtig und haben uns bis ins TOP FOUR im Februar gebracht. Aber trotzdem hat etwas gefehlt, und ich glaube, das hat uns auch beeinflusst. Wir sind mit 0:4 gestartet, dann haben wir Trier geschlagen, ein Spiel, in dem Chris [Clemons] über 50 Punkte hatte, das war unser erster Sieg in der BBL. Danach haben wir wieder mehrere Spiele verloren, noch bevor der neue Trainer kam. Es war schwer, Teil dieser Phase zu sein. Aber wir sind drangeblieben und haben jeden Tag hart gearbeitet, das ist einfach unsere Mentalität. Wir mussten an uns selbst glauben, und am Ende haben wir es geschafft, den Umschwung hinzubekommen.
Frage: Du hast gesagt, dass es eine harte Zeit war für euch war. Ich hatte den Eindruck, dass es auch für die Fans nicht einfach war. Besonders ein Spiel ist mir im Gedächtnis geblieben, bei dem die Fans gebuht haben. Wie hast du das damals erlebt?
Fobbs: Wie gesagt, es war eine wirklich schwierige Phase, in der wir waren. Ja, irgendwann haben die Fans gepfiffen. Ich weiß gar nicht mehr genau, welches Spiel es war, es war auf jeden Fall ein Heimspiel, und sie haben nach der Halbzeit gepfiffen. Und wir hatten es verdient. Wir hatten es wirklich verdient. Das ist wahrscheinlich nicht die Antwort, die du von mir erwartet hast. Aber wir hatten es verdient. Es war schwer zu sagen, dass die Fans immer zu uns halten, uns anfeuern und unterstützen sollen, wenn wir selbst wirklich schlecht gespielt haben und einfach nichts reißen konnten. Wie sollen wir von den Fans, also den Leuten, die uns unterstützen, erwarten, dass sie uns helfen oder antreiben, wenn wir ihnen selbst nichts gegeben haben, wofür sie sich anspornen könnten? Also ja, wir hatten es verdient, das war hart.
Frage: Das führt mich zur nächsten Frage. Lazar Spasić wurde der neue Headcoach. Unter seiner Leitung hattet ihr drei schwierige Auswärtsspiele, bei denen die Fans euch voll unterstützt und zahlreich begleitet haben. Wie hast du diese Atmosphäre erlebt?
Fobbs: Es war anders. Diese Auswärtsspiele fühlten sich wie Heimspiele an, weil wir so gut gespielt haben. Die gegnerischen Fans hatten nicht viel zu feiern, weil wir stark in der Defensive waren. Wir haben den Ball geworfen und richtig gut getroffen. Wenn wir gepunktet haben, fühlte es sich wie ein Heimspiel an. Es war verrückt. Und das erste Spiel, das wir gewonnen haben, war gegen Braunschweig. Ich glaube, es war das erste Auswärtsspiel und unter dem neuen Coach. Als wir in die Halle kamen, sahen wir einen Bereich, der komplett gelb war, und das war sehr schön. Das hat uns motiviert, weil die Fans trotzdem zu uns gehalten haben, trotz des Ausbuhens und trotz des Trainerwechsels.

Frage: Du hast den Trainerwechsel angesprochen. Nach fünf Spielen unter Lazar Spasić habe ich einen Artikel (Der Trainerwechsel in Zahlen) geschrieben, in dem ich die Statistiken unter Pedrag Krunić mit denen unter Spasić verglichen habe. Dabei wurden unter anderem das Offensiv- und das Defensiv-Rating betrachtet. Wenn man sich das Defensiv-Rating anschaut, haben sich alle Spieler verbessert. Was hat sich für dich in der Defensive verändert?
Fobbs: Von Anfang an war Spasić ehrlich zu mir. Wir hatten ein kleines Gespräch und er sagte mir, dass ich mehr verdiene – von mir selbst, von ihm und meinen Mitspielern. Ich bin einfach ein zu guter Spieler, um mich nur mit Punkten zufriedenzugeben, ich muss mehr leisten. Er hat mir auch gesagt, dass ich ein sehr guter Verteidiger bin und der beste der Liga werden kann, wenn ich Willen zeige und aggressiv spiele. Ich habe das schon von vielen Trainern gehört, aber in diesem Moment war es besonders wichtig. Wir hatten gerade Spiele verloren, es gab einen Trainerwechsel und er war vorher Assistant Coach. Dass ausgerechnet er mir das gesagt hat, war anders und ich habe auf ihn gehört. Ich habe mein Spiel so weit gesteigert, wie ich konnte. Das war der Wendepunkt.
Frage: Wenn man sich die Statistiken anschaut, haben sich alle Spieler im Defensiv-Rating verbessert. Unter Krunić habt ihr viel gehedged, jetzt switcht ihr mehr oder verteidigt flacher. Wie fühlt es sich an, mitten in der Saison auf ein neues Defensivsystem umzustellen?
Fobbs: Am Anfang war der Wechsel irgendwie ungewohnt. Unter Krunić sind wir immer bei einer Sache geblieben, Hedging, Hedging, Hedging. Jetzt spielen wir eher eine flachere Defensive. Wie du gesagt hast, switchen wir mehr und verteidigen häufiger Eins gegen Eins. Ich glaube, wir haben die Spieler dafür. Nicho [Tischler] ist ein sehr guter Verteidiger, genauso wie Tuck [Dakarai Tucker]. Michale [Kyser] schützt natürlich stark den Ring. Filip [Stanic] ist mit seinem Hedge und seiner On-Ball-Defense, zum Beispiel bei Blocks, ebenfalls sehr wichtig. Deshalb war es gar nicht so schwer, unsere Defense umzustellen. Wir haben die Köpfe dafür und auch die physischen Voraussetzungen, um es umzusetzen. Am Ende läuft alles auf den Willen hinaus. Man muss es einfach wollen und den Einsatz bringen. Früher hat uns genau dieser Einsatz oft gefehlt. Unsere Offense war im Grunde unsere Defense. Wenn der Ball nicht gefallen ist oder wir ihn nicht gut bewegt haben, wirkte sich das direkt auf die Defense aus. Jetzt ist es andersherum. Unsere Defense bestimmt, wie unsere Offense aussieht. Das ist besser so, und wir haben jetzt immer diese defensive Einstellung. Ja, es ist definitiv besser.
Frage: Euer Trainer Spasić betont in Interviews sehr oft, dass alles bei der Defensive beginnt. Liegt der Fokus im Training daher eher auf der Defensive, auf der Offensive oder ist es ausgewogen?
Fobbs: Im Moment ist es eine Mischung aus beidem, Defense und Offense. Ich kann nicht sagen, dass alles nur von der Defense abhängt, aber sie kommt definitiv zuerst. Mit guter Defense bleibst du immer im Spiel, egal ob die Würfe fallen oder nicht. Wir sind nicht perfekt, wir werden Würfe vergeben, keiner von uns ist Steph Curry, aber unsere Defense hält uns im Spiel. Klar, manchmal treffen wir alles, dann ist die Defense nicht mehr so entscheidend. Aber grundsätzlich bleibt sie der Schlüssel.

Frage: Meine nächste Frage geht etwas mehr in Richtung Offensive. Hier sieht es ähnlich aus wie in der Defense. Das Offensiv-Rating aller Spieler ist besser geworden. Zu Beginn der Saison hatte ich den Eindruck, dass es dir eher schwerfiel, den Ball zu bringen. In den neuen Systemen wirkst du jetzt deutlich komfortabler, wenn du den Ball führst?
Fobbs: Ursprünglich bin ich Shooting Guard, also spiele ich meistens abseits des Balls. In der Highschool habe ich ein bisschen Point Guard gespielt, aber das war damals nicht so effektiv. Seitdem war es nicht mehr meine Rolle, den Ball zu bringen, deshalb war es am Anfang neu für mich. Mit dem neuen Trainer musste ich lernen, Point Guard zu spielen, den Ball zu bewegen und Chris helfen, den Ball zu bringen. Ich habe daran gearbeitet und arbeite immer noch daran. Wichtig ist vor allem, dass ich den Ball gut bewegen kann. Dadurch läuft das Team besser, wir teilen den Ball mehr und haben Spaß. Ich glaube, das ist der Hauptgrund, warum auch Nichos Zahlen seit dem Trainerwechsel so stark gestiegen sind.
Frage: Du hast die Ballbewegung schon angesprochen. Ich habe das Gefühl, dass sie euch in den letzten Wochen viele offene Würfe geschaffen hat, besonders von der Dreierlinie. Wie spielt ihr diese offenen Würfe heraus?
Fobbs: Die Ballbewegung hilft uns total, vor allem wenn sie schnell und zügig ist. Weniger Dribblings, mehr in die Zone ziehen und den Ball wieder rausspielen, das sorgt für die offenen Würfe. Dazu kommt, dass wir mit Selbstvertrauen werfen, und das hilft, dass die Würfe so gut fallen. Nicho und ich arbeiten im Training viel daran, in die Zone zu ziehen und den Ball rauszupassen.
Frage: Mir ist noch aufgefallen, dass deine Minuten pro Spiel seit dem Trainerwechsel gesunken sind, deine Statistiken aber deutlich besser geworden sind. Besonders auffällig ist dein Net-Rating, das vor dem Trainerwechsel bei minus 11,6 lag und nach fünf Spielen bei plus 23,2 steht. In einem Interview Anfang Oktober hast du noch gesagt, dass du es liebst, viele Minuten zu spielen. Wie gehst du mit den wenigen Minuten um und mit deiner Rolle von der Bank?
Fobbs: An der Highschool, am College und in meinen ersten zwei Jahren in Europa habe ich immer gestartet und etwa 29 bis 33 Minuten pro Spiel gespielt. In Bonn kam ich dann zum ersten Mal von der Bank und spielte nur 25 bis 26 Minuten. Das war am Anfang ungewohnt, natürlich wollte ich starten. Danach ging es nach Italien, dort stand ich wieder in der Starting Five. In Oldenburg war es vor dem Trainerwechsel ähnlich, ich spielte rund 36 Minuten pro Spiel. Nach dem Trainerwechsel sagte Lazar Spasić zu mir, dass ich weniger Minuten spiele und von der Bank komme, außerdem sollte ich Point Guard spielen, um Chris zu entlasten. Ich wusste, dass das Team sich schwer tut, also musste ich etwas opfern – weniger Minuten, von der Bank, harte Defense und Point Guard spielen. Der Trainer hat mir gesagt, dass mir das Energie gibt und ich so besser spielen kann. Um ehrlich zu sein, war das eine gute Idee.
Frage: Wie wichtig ist es für einen Spieler, in der Starting Five zu stehen? Oder ist es vielleicht wichtiger, das Spiel auf dem Feld zu beenden?
Fobbs: Früher hätte ich gesagt, es ist wichtig, in der Starting Five zu stehen. Heute denke ich, es ist wichtiger, das Spiel zu beenden. Starten fühlt sich gut an, aber die entscheidenden Momente passieren, wenn die besten Spieler auf dem Feld sind. Spasić hat mir am Anfang gesagt, er will nicht, dass ich starte, sondern dass ich das Spiel beende. Das war für mich sehr wichtig. Zusammengefasst geht es definitiv darum, das Spiel zu beenden.

Frage: Damit komme ich zu meiner letzten Frage. Was ist das Ziel des Teams in dieser Saison und hast du ein persönliches Ziel?
Fobbs: Zum Teamziel, es ist verrückt. Vor einem Monat waren wir noch Tabellenletzter und haben uns darauf konzentriert, nicht abzusteigen. Jetzt stehen wir schon in der Nähe der Play-Ins oder Playoffs. Es zeigt, wie schnell sich alles ändern kann. Unser Ziel ist klar, die Playoffs zu erreichen. Wir dürfen uns aber nicht auf den Erfolgen ausruhen. Ich habe meinen Teamkollegen gesagt, dass wir uns daran erinnern müssen, wo wir herkamen. Wir wissen, wie sich das Tabellenende anfühlt, und das ist kein schönes Gefühl. Zum Beispiel kommt jetzt Heidelberg. Die werden mit viel Energie spielen, ihre Heimfans werden sie antreiben. Wir dürfen nicht denken, dass sie uns einfach gewinnen lassen. Wir arbeiten hart im Training und wollen die Playoffs schaffen. Für mich persönlich geht es darum, mein Spiel zu machen und der beste Verteidiger der Liga zu werden.