
Die ratiopharm-Ulm-Legende Per Günther begann nach dem Ende seiner Spielerkarriere als TV-Experte und Podcaster zu arbeiten. In seinem Podcast „Abteilung Europameister“ spricht er ab und zu über das Playoffspiel Oldenburg gegen Ulm in den Playoffs 2017, wo die Oldenburger einen 27 Punkte Rückstand aufgeholt haben und mit einem Buzzerbeater Dreier von Rickey Pauling die Verlängerung und den anschließenden Sieg holten. Neben diesem Ereignis diskutiert er gemeinsam mit Benni Zander und/oder Basti Ullrich über verschiedenste Themen rund um den Basketball.
Ein wiederkehrendes Thema im Podcast sind Trainerwechsel. In diesem Zusammenhang hat Per Günther die sogenannte „Affe-mit-Hut-Theorie“ aufgestellt. Diese besagt, dass ein Trainerwechsel bei einem Team in den ersten drei Spielen nahezu immer einen positiven Effekt zeigt. Dieser Effekt sei quasi garantiert – die entscheidende Frage sei jedoch, ob der neue Trainer tatsächlich gut ist oder ob der kurzfristige Erfolg lediglich daraus resultiert, dass die Spieler für kurze Zeit wieder motivierter sind. In den ersten drei Spielen lasse sich dies nicht eindeutig beurteilen. Überspitzt formuliert könnte man daher auch einen Affen mit Hut an die Seitenlinie stellen und würde für drei Spiele einen positiven Effekt sehen (Quelle: Abteilung Europameister, Folge „Affe mit Hut Reloaded mit Marie Gülich“ vom 2. April 2025).
Um zu überprüfen, ob ein Trainerwechsel auch eine langfristige Wirkung entfaltet, reicht es folglich nicht aus, nur die ersten drei Spiele zu betrachten. Im Artikel „Der Trainerwechsel in Zahlen“ (Der Trainerwechsel in Zahlen) wurden bereits die ersten fünf Spiele nach dem Trainerwechsel der EWE Baskets Oldenburg analysiert, wobei sich ein klarer Trend abzeichnete. Um zu untersuchen, ob sich dieser Trend fortsetzt, werden in diesem Artikel nun die ersten zehn Partien unter Trainer Spasić genauer betrachtet.
Die Offensive

In den ersten fünf Spielen unter Trainer Spasić zeigte sich bereits ein klarer Trend. Die Offensive funktionierte unter ihm deutlich besser und das Offensivrating aller Spieler verbesserte sich, bei einigen sogar signifikant. Allerdings war die Datenbasis zu diesem Zeitpunkt noch begrenzt. Zudem fanden drei der fünf Partien gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel statt.
Aus diesem Grund sind in der unten dargestellten Grafik die Offensivratings der letzten zehn Spiele abgebildet. Hier wird deutlich, dass der Trainerwechsel sowie die damit einhergehenden Systemumstellungen nachhaltig wirken. In der Offensive wird der Ball wesentlich besser bewegt, wodurch gezielt Mismatches generiert werden.
Ein weiteres zentrales Element der Oldenburger Offensive ist das Post-up-Spiel. Häufig ist der erste Spielzug einer Partie ein Post-up über Nicho Tischler. Der Post-up hat in den vergangenen Jahren insgesamt an Bedeutung verloren und nur noch wenige Teams setzen regelmäßig auf diese Option. Ein Blick auf die Statistiken zeigt jedoch, dass insbesondere der FC Bayern Basketball und die EWE Baskets Oldenburg diesen Spielzug wieder erfolgreich in ihre Systeme integriert haben.
Sowohl die Münchener als auch die Oldenburger gehören zu den Teams mit den meisten Post-up-Aktionen und gleichzeitig zu den Mannschaften mit der besten Offensive in den letzten zehn Partien. Die untenstehende Grafik verdeutlicht somit, dass die Systemanpassungen den Spielern nachhaltig geholfen haben und alle Akteure in diesem Zeitraum eine Leistungssteigerung verzeichnen konnten.

Die Defensive
Auch defensiv bestätigt sich der unter Spasić eingeschlagene Trend. Über die zehn Spiele unter seiner Leitung zeigt das Defensivrating des Teams eine kontinuierliche Verbesserung. Besonders auffällig ist diese Entwicklung bei den Guards. Fobbs und Clemons profitieren deutlich von den defensiven Anpassungen, insbesondere vom geringeren Fokus auf Hedge-Verteidigung und dem verstärkten Einsatz von Switches sowie Eins-gegen-eins-Situationen.

Unter Krunić hatten beide Spieler in der Defensive klare Probleme. Fobbs wies ein Defensivrating von 119,4 auf und lag damit deutlich über dem Teamwert von 115,8. Clemons bewegte sich mit 115,4 ebenfalls nur auf dem Niveau des Team-Defensivratings. Unter Spasić liegen beide Guards nun klar unter dem aktuellen Teamwert von 108,6. Fobbs kommt auf ein Defensivrating von 101,4, Clemons auf 105,1.
Die Daten deuten damit auf eine nachhaltige strukturelle Verbesserung hin und nicht lediglich auf einen kurzfristigen Effekt des Trainerwechsels. Beide Guards, zuvor defensive Schwachstellen, gehören inzwischen zu den stabilsten Verteidigern im Kader.

Chris Clemons
Im ersten Artikel zum Trainerwechsel wurde bereits Brian Fobbs hervorgehoben, der auch weiterhin deutlich verbesserte Werte aufweist und den positiven Trend unter Spasic bestätigt. In diesem Artikel soll daher ein weiterer Guard der EWE Baskets Oldenburg genauer betrachtet werden, nämlich Chris Clemons. Auch anhand seiner Zahlen wird deutlich, wie viel besser er in die Saison gefunden hat.
Wie bereits dargestellt, hat sich sein Defensivrating signifikant verbessert. Gleichzeitig konnte er auch sein Offensivrating steigern. Zwar erzielt Clemons unter Spasić mit 16,6 Punkten pro Spiel leicht weniger Punkte als noch unter Krunić, und auch seine Assistzahlen sind weitgehend konstant geblieben. In den ersten neun Spielen kommt er auf 4,4 Assists pro Partie, welches fast exakt derselbe Wert wie in den darauffolgenden zehn Spielen mit 4,7 ist.
Dennoch stellt sich die zentrale Frage, weshalb die Offensive mit Clemons auf dem Feld unter Spasić so deutlich effizienter ist. Während sein Offensivrating zuvor bei 108,7 lag, erreicht es nun einen Wert von 125,2. Die individuelle Boxscore-Produktion erklärt diesen Sprung nicht vollständig, was darauf hindeutet, dass Clemons stärker in funktionierende offensive Strukturen eingebunden ist und einen größeren Einfluss auf die Effizienz des gesamten Lineups ausübt.

Ein Blick auf die Usage Rate von Clemons liefert hierfür eine zentrale Erklärung. Während er unter Krunić noch eine Usage Rate von 29,5 Prozent aufwies, ist dieser Wert unter Spasić auf 25 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist sein True-Shooting-Prozentsatz deutlich gestiegen, von 58,2 Prozent auf 62,9 Prozent. Clemons hat also weniger offensive Aktionen, agiert dabei jedoch leicht effizienter.
Unter Krunić lief ein großer Teil der Offensive über Clemons. Häufig schloss er Angriffe am Ende in Isolation ab. Diese Isolationssituationen gibt es zwar auch unter Spasić weiterhin, sie treten jedoch deutlich seltener auf. Durch das schnellere Ballmovement gelangt der Ball häufiger in die Hände anderer Mitspieler, die ebenfalls zu guten Abschlüssen kommen und scoren können.
Zusätzlich erhält Clemons deutlich mehr Unterstützung im Spielaufbau durch Fobbs und Woodard. Dadurch kann er in einigen Angriffen eher als Shooting Guard agieren und verstärkt Off-Ball-Aktionen übernehmen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Clemons im neuen System deutlich besser performt, insbesondere im Hinblick auf sein Offensivrating. Die reduzierte Usage, das vermehrte Off-Ball-Spiel und die stärkere Einbindung seiner Mitspieler steigern nicht nur seine eigene Effizienz, sondern stärken zugleich die gesamte Offensive des Teams.
(Mehr zu Clemons Rolle könnt ihr im kürzlich veröffentlichten Interview mit Spasić nachlesen: „In unserem System haben wir auf alles eine Antwort‘‘ – Lazar Spasić über seine Basketball DNA )
Die Liga
An der Spitze steht erwartungsgemäß der FC Bayern Basketball mit einem Offensivrating von 125,4. Direkt dahinter folgen jedoch bereits die Oldenburger mit einem ebenfalls herausragenden Wert von 125,0. Mit etwas Abstand schließen die Gladiators Trier an, die auf 119,2 kommen.
Ein Blick auf die Defensive zeigt hingegen ein anderes Bild. Hier rangiert Oldenburg im Mittelfeld der Liga auf Platz neun. Das dürfte Trainer Spasic weniger zufriedenstellen, denn sein Ansatz sieht vor, dass alles aus einer stabilen Defensive heraus entsteht. Trotz der klar erkennbaren offensiven Entwicklung besteht also weiterhin deutliches Potenzial, die Verteidigung zu verbessern.

Ausblick
Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass es sich nicht nur um einen kurzfristigen Effekt handelt, sondern um einen klaren Trend. Unter Headcoach Lazar Spasić spielt das Team offensiv deutlich variabler und verbessert, auch die Defensive wirkt stabiler und effektiver. Ob Gegner sich langfristig auf dieses System einstellen können und Mittel gegen bestimmte Spielweisen, wie zum Beispiel das Post-up-Game, finden, wird in einer weiteren Analyse in fünf BBL-Spiele untersucht.

Quelle für die Statistiken: 3stepbaskets.com