Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Am Dienstag habe ich mich mit Seth Hinrichs zu einem netten Gespräch getroffen. Wir haben über seine bisherige Zeit in Oldenburg gesprochen, in der Lazar Spasić bereits sein vierter Trainer ist. Außerdem ging es kurz um das Post-Up-Game und die Ziele der Mannschaft. Zum Abschluss haben wir noch einen kurzen Blick auf seine Zukunft geworfen.

Frage: Meine Einstiegsfrage ist eine einfache. Hast du eine Lieblingsband?

Hinrichs: Eine Lieblingsband … das ist schwer zu sagen. Das wechselt immer mal wieder. Im Moment gibt es aber ein paar Bands, die ich wirklich gern höre. Eine davon heißt Needtobreathe. Die höre ich ziemlich oft, besonders vor Spielen. Eine andere ist Maverick City Music. Die mag ich auch sehr. Das sind wahrscheinlich gerade meine beiden Favoriten, obwohl es noch ein paar andere gibt, die immer mal wieder dazukommen oder in den Hintergrund rücken. Aber ja, ich würde sagen, diese beiden.

Frage: Was für ein Musikstil ist das?

Hinrichs: Needtobreathe ist so etwas wie christlicher Rock, würde ich sagen. Und Maverick City Music gehört eher zur zeitgenössischen christlichen Musik – das ist wahrscheinlich die passende Kategorie. Also im Grunde Gospel und christliche Musik.

Frage: Okay, dann kommen wir zu ein paar Basketballfragen. Du bist jetzt seit etwa eineinhalb Jahren hier, und seitdem hat sich einiges verändert. Ich würde gerne ein wenig über die Trainerwechsel zu sprechen kommen. Deine erste Saison hast du unter Pedro Calles angefangen, dann kam der Wechsel zu Mladen Drijenčić. Diese Saison dann der Start mit Predrag Krunić und hier dann ebenfalls ein Wechsel zu Lazar Spasić. Wie schwierig ist es für euch als Team, wenn der Trainer mitten in der Saison oder gleich zu Beginn der Saison wechselt?

Hinrichs: Vor der letzten Saison ist mir ein Trainerwechsel in zehn Jahren nur einmal passiert, deshalb war das für mich zunächst ungewohnt. Letztes Jahr hatten wir allerdings eine gute Mannschaft, was die Umstellung etwas leichter gemacht hat.

Insgesamt hatte ich innerhalb von etwa 13 Monaten vier verschiedene Headcoaches. Das bedeutet natürlich immer wieder neue Ansätze und Philosophien, vor allem in der Defensive. Das Playbook hat sich dabei gar nicht so stark verändert.

Für mich persönlich war es durch meine Erfahrung vielleicht etwas leichter als gedacht. Aber als Team ist so ein Wechsel immer schwierig, weil sich alle Spieler gleichzeitig auf den neuen Stil einstellen müssen. Manche brauchen dafür länger als andere. Kurz gesagt: Einfach ist es definitiv nicht.

Frage: Wie fühlt es sich an, wenn man hört, dass der Headcoach entlassen wurde und ein neuer Trainer kommt? Ich nehme an, man baut ja auch eine persönliche Beziehung zu dieser Person auf. Wie schwierig ist es, so eine Nachricht zu bekommen?

Hinrichs: Ja, ich würde sagen, das ist sehr schwierig. Als Pedro letztes Jahr entlassen wurde, war das wirklich hart. Ich kenne ihn schon seit vielen Jahren. Wir sind auch außerhalb des Basketballs befreundet, und sogar unsere Familien kennen sich. Deshalb war das besonders schwer, weil er nicht nur mein Trainer war, sondern auch mein Freund.

Als Predrag entlassen wurde, war das ebenfalls schwierig. Ich habe ihn richtig kennengelernt, als er im Mai gekommen ist. Vorher hatte ich schon gegen ihn in der Liga gespielt, aber erst da haben wir wirklich zusammengearbeitet. Ich finde, wir haben schnell eine gute Beziehung aufgebaut, und ich mochte ihn sehr. Ich hatte auch das Gefühl, dass ihm nicht nur die Spieler auf dem Feld wichtig sind, sondern auch die Menschen dahinter.

Was daran besonders wehgetan hat, war zum einen, dass er seinen Job verloren hat, und zum anderen, dass wir als Team nicht gut genug gespielt haben, damit er ihn behalten kann. Predrag ist ein wirklich guter Mensch, und ich habe sehr gern mit ihm gearbeitet. Deshalb war auch das sehr schwer.

Frage: Du hast erwähnt, dass der Saisonstart schwierig war und die Siege ausgeblieben sind. Was hat sich seit dem Wechsel von Predrag zu Lazar verändert?

Hinrichs: Oft ändert sich bei einem Trainerwechsel gar nicht so viel in der Offensive, sondern eher in der Defensive. Unter Lazar haben wir defensiv einige Dinge angepasst, die besser zu unserem Kader passen. Außerdem gibt es nach so einem Wechsel immer eine Art Reaktionsphase im Team. Zum Glück haben wir danach als Mannschaft deutlich besser gespielt.

Wir haben viel Talent im Team, und Lazar hat es geschafft, stärker auf die individuellen Stärken der Spieler einzugehen und einige unserer Schwächen anzupassen. Als vorheriger Assistenztrainer kannte er das Team ja bereits sehr gut. Das Potenzial war schon vorher da. Es ging letztlich darum, dass alles besser zusammenpasst.

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Frage: Mir ist auch aufgefallen, dass ihr häufiger über das Post-Up-Spiel kommt. Ist das ein Stil, der dir persönlich gefällt?

Hinrichs: Ja, in den letzten Jahren habe ich angefangen, öfter im Post zu spielen, vor allem bei Missmatches. Dabei geht es mir nicht unbedingt darum, selbst zu scoren, sondern Vorteile zu schaffen, damit Mitspieler freie Würfe bekommen.

Manche würden sagen, das ist etwas „Old School“, aber im Basketball gibt es immer wieder Trends. Viele Teams verteidigen diese Spielweise nicht mehr so häufig, deshalb kann sie ein Vorteil sein. In bestimmten Situationen haben wir das gut genutzt und damit auch Spiele gewonnen.

Frage: Vor ein paar Wochen habe ich einen Artikel über Zubčić und dich geschrieben, in dem es um die „unsichtbare Arbeit“ im Team ging. Wie siehst du dich selber in diese Rolle?

Hinrichs: Das ist tatsächlich etwas, worauf ich stolz bin. Mein Spiel ist nicht unbedingt spektakulär oder auf viele Punkte ausgelegt. Ich sehe meine Aufgabe eher darin, meine Mitspieler besser zu machen. Ein Trainer aus meiner College-Zeit hat einmal gesagt: „See a need, fill a need“ – also: Wenn dem Team etwas fehlt, versuche diese Lücke zu füllen.

Genau das versuche ich zu tun. Zubčić ist ebenfalls ein sehr erfahrener und talentierter Spieler, und wenn wir mit solchen Dingen zum Teamerfolg beitragen können, ist das für mich das Wichtigste. In diesem Stadium meiner Karriere geht es mir vor allem darum, dass das Team erfolgreich ist, Spiele gewinnt und seine Ziele erreicht.

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Frage: Wie schätzt du aktuell eure Chancen auf die Postseason ein? Sind die Playoffs so ein Ziel?

Hinrichs: Im Moment stehen wir, glaube ich, auf Platz zehn, also wird es sicher nicht einfach. Als Lazar übernommen hat, standen wir bei 1:8. Seitdem haben wir aber einen Weg gefunden, Spiele zu gewinnen. Das müssen wir bis zum Saisonende weiter schaffen.

Wir haben auf jeden Fall das Talent und die Qualität, um in der Tabelle noch zu klettern. Es sind noch etwa zwei Monate Zeit. Es gibt Dinge, die wir verbessern müssen, aber ich bin optimistisch, dass wir die Playoffs erreichen und vielleicht sogar unter die Top sechs kommen können.

Frage: Du hast schon über deine Erfahrung gesprochen, elf Saisons als Profi. Wie viel Einfluss kannst du mit dieser Erfahrung im Spiel oder im Training nehmen?

Hinrichs: Jeder Trainer hat seine eigene Spielidee und sein System. Für mich geht es vor allem darum, das zu verstehen und auf dem Feld dafür zu sorgen, dass alle Spieler auf derselben Linie sind. Im Training und in Videoanalysen arbeiten wir an Details, und im Spiel versuche ich vor allem zu kommunizieren und meine Mitspieler zu organisieren.

Wir haben viele erfahrene Spieler im Team – viele von uns sind über 30 und haben schon viel gesehen. Da versucht man einfach, Dinge anzusprechen, die vielleicht sonst niemand sieht, und so zum Team beizutragen.

Frage: Also eher eine Art mentaler Anführer als ein Taktikexperte?

Hinrichs: Ja, ein Stück weit schon. Die Spieler auf diesem Niveau wissen, wie Basketball funktioniert. Man sollte sie nicht mit zu vielen Informationen überladen. Wenn ich etwas sehe, spreche ich es an, aber am Ende gibt der Trainer die Richtung vor. Meine Aufgabe ist es vor allem, mit Energie zu spielen und dem Team zu helfen.

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Frage: Kannst du dir vorstellen, nach deiner Karriere selbst Trainer zu werden?

Hinrichs: Ja, grundsätzlich schon. In all den Jahren habe ich viele verschiedene Systeme und Spielweisen kennengelernt. Ich glaube, ich könnte gerade aus mentaler und taktischer Sicht einiges weitergeben.

Gleichzeitig ist der Trainerberuf nicht unbedingt der sicherste Job. Nach meiner aktiven Karriere würde ich vielleicht auch etwas Stabileres für meine Familie in Betracht ziehen. Mal sehen, was passiert.

Frage: Aber zuerst noch ein paar Jahre als Spieler?

Hinrichs: Auf jeden Fall. Ich fühle mich noch gut und bin größtenteils gesund. Ein paar Saisons werden es hoffentlich noch.

Frage: Wann beginnen Spieler eigentlich über die nächste Saison nachzudenken?

Hirnichs: Früher habe ich erst nach der Saison darüber nachgedacht. Mit zunehmendem Alter passiert das etwas früher. Auch weil die Familie Planungssicherheit möchte. Trotzdem versuche ich, mich während der Saison hauptsächlich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

Letztes Jahr wusste ich schon früh, dass ich bleibe, das war entspannt. Dieses Jahr ist noch alles offen. Wir würden gerne hier nach Oldenburg zurückkommen, aber das wird sich in den nächsten Monaten klären. Im Moment konzentriere ich mich einfach darauf, die Saison stark zu beenden und mit dem Team so weit wie möglich zu kommen.

Abschluss: Ich glaube, das ist ein gutes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview.

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