Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Dieses Jahr bietet das Top Four einiges an Tradition. Bamberg, München und Berlin bringen gemeinsam 22 Pokalsiege mit, während Oldenburg mit drei Finalteilnahmen glänzt, darunter der Pokalerfolg der EWE Baskets im Jahr 2015. Die Tradition wird besonders deutlich, wenn man betrachtet, wie oft bereits Finals stattfanden, in denen zwei der vier Mannschaften aufeinandertrafen. So spielten Alba Berlin und die EWE Baskets Oldenburg 2020 im Finale gegeneinander, das Berlin am Ende für sich entschied. Im zweiten Halbfinale treffen FC Bayern Basketball und die BMA 365 Bamberg Baskets aufeinander. Diese beiden Teams standen sich 2017 im Pokalfinale gegenüber, das die Bamberger in einem packenden Spiel knapp mit 74 zu 71 für sich entschieden und damit den Pokal gewannen.

In der Tabelle sind alle Finalduelle aufgelistet, in denen zwei der vier Mannschaften aus dem diesjährigen Top Four aufeinandertrafen:

JahrSiegerFinalist
2023FC Bayern München BasketballEWE Baskets Oldenburg
2021FC Bayern München BasketballAlba Berlin
2020Alba BerlinEWE Baskets Oldenburg
2019Brose Bamberg BasketsAlba Berlin
2018FC Bayern München BasketballAlba Berlin
2017Brose Bamberg BasketsFC Bayern München Basketball
2016Alba BerlinFC Bayern München Basketball
2015EWE Baskets OldenburgBrose Bamberg Baskets
2006Alba BerlinGHP Bamberg

In diesem Artikel analysiere ich die Statistiken der letzten zehn Spiele der vier TOP FOUR Teilnehmer in der BBL. Der Fokus liegt dabei auf dem Offensiv- und Defensivrating, der Wurfquote sowie den Rebounds.

Die Auswahl von zehn Spielen habe ich bewusst getroffen, um einen möglichst aktuellen Eindruck von der Form der Teams zu erhalten. Im Fall von Oldenburg konzentriere ich mich dadurch ausschließlich auf die Spiele unter Trainer Lazar Spasić und bei den Bayern unter Svetislav Pešić .

Anschließend folgt ein detaillierter Bericht zu jedem Team. Dabei wird jeweils der bisherige Saisonverlauf beschrieben, der Starspieler hervorgehoben, die aktuelle Form analysiert und ein Ausblick auf das TOP FOUR-Wochenende gegeben.

Offensiv Rating

Ein Blick auf das Offensivrating zeigt, dass am Wochenende in München die vier offensivstärksten Teams der vergangenen zehn Spiele aufeinandertreffen. Mit einem Offensivrating von 122,4 liegt Oldenburg knapp vor FC Bayern München mit 120,7. Dahinter folgt Alba Berlin mit 116,7, dicht gefolgt von den Bamberg Baskets. Gerade bei den EWE Baskets Oldenburg wird deutlich, wie gut das neu implementierte System unter Lazar Spasić funktioniert und welches Offensivpotenzial die Mannschaft dadurch freisetzen konnte. Die Abläufe wirken klarer, die Entscheidungsfindung schneller und die Effizienz ist spürbar gestiegen.

Auch die FC Bayern München haben sich unter Svetislav Pešić noch einmal gesteigert und ihr bereits unter Gordon Herbert starkes Offensivrating von 116 weiter verbessert.

Interessant ist zudem, dass beide Teams wieder vermehrt auf Post-up-Situationen setzen, um gezielt Missmatches auszunutzen und so Vorteile in der Eins-gegen-eins-Situation zu kreieren.

Beim TOP FOUR sind somit vier ausgesprochen offensivstarke Mannschaften vertreten. Das verspricht für die Zuschauer ein echtes Spektakel.

Die Wurfquoten

Ein Blick auf die Wurfquoten der vier Teams zeigt deutliche Unterschiede. Vor allem von der Dreierlinie stechen die EWE Baskets Oldenburg heraus, die starke 44,2 Prozent ihrer Würfe von außen verwandeln.

Das liegt zum einen an treffsicheren Schützen wie Chris Clemons und James Woodard, zum anderen aber auch an der Spielweise. Viele Würfe entstehen aus guter Ballbewegung oder durch konsequentes Ausnutzen von Vorteilen im Low-Post, wodurch häufig freie Dreier kreiert werden.

Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Im Zweipunktebereich ergibt sich hingegen ein anderes Bild. Hier ist der FC Bayern München die klar beste Mannschaft, nicht nur unter den TOP FOUR Teilnehmern, sondern ligaweit. Besonders dominant präsentieren sich die Münchener in der Zone. Über die letzten zehn Spiele verwerten sie dort starke 66,7 Prozent ihrer Abschlüsse bei durchschnittlich 26,7 Versuchen pro Partie.

Die Defensive

Ähnlich wie bei der Zweierquote dominiert der FC Bayern München auch in dieser Statistik das Feld. Mit einem überragenden Defensivrating von 94,8 sind die Münchener ligaweit Spitzenreiter.

Seit dem Trainerwechsel hat Svetislav Pešić die Mannschaft defensiv deutlich stabilisiert, sodass kaum ein Gegner ein konstantes Mittel findet, um zu scoren. Besonders in der Zone agieren die Münchener äußerst konsequent und lassen dort lediglich eine Wurfquote von 56,6 Prozent zu.

Rebounds

Von allen TOP FOUR Teilnehmern dominiert Alba Berlin die Kategorie der Offensivrebounds. Die Berliner sichern sich knapp 39 Prozent aller möglichen zweiten Chancen. Diese Stärke kommt nicht von ungefähr, denn Berlin setzt konsequent auf das sogenannte „Tagging up“.

Dabei suchen die Offensivspieler unmittelbar nach einem Wurf den körperlichen Kontakt zu ihrem direkten Gegenspieler, um sich Vorteile beim Rebound zu verschaffen und gleichzeitig den gegnerischen Fastbreak frühzeitig zu unterbinden. Dieses Prinzip spiegelt sich deutlich in der Offensiv-Rebound-Quote wider, in der Alba klar auf Platz eins liegt.

In der defensiven Reboundstatistik steht Berlin hingegen auf Rang zwei. Spitzenreiter ist der FC Bayern München mit starken 72 Prozent. Die Münchener geben damit im Schnitt nur jeden vierten möglichen Rebound in der eigenen Defensive ab.

BMA365 Bamberg Baskets

Vor der Saison hatten viele Experten die Bamberg Baskets eher im unteren Tabellendrittel gesehen, teilweise sogar mit Tendenz in Richtung Abstieg. Auch bei der Veröffentlichung der Liga-Etats sorgte Bamberg für Aufsehen, denn der Klub belegte überraschend den letzten Platz. Entgegen aller Prognosen spielt die Mannschaft jedoch eine starke erste Saisonhälfte.

Aktuell stehen die Bamberger bei einer Bilanz von 12 Siegen und 9 Niederlagen und belegen damit einen Play-In-Platz. Zudem hat sich das Team für das Halbfinale des BBL-Pokals qualifiziert. Die Kaderzusammenstellung ist Anton Gavel und seinem Trainerteam unter diesen Voraussetzungen hervorragend gelungen. Gavel selbst bringt reichlich Pokalerfahrung mit. Als Spieler gewann er den BBL-Pokal dreimal, alle Titel holte er mit dem Verein, den er nun als Trainer betreut.

Ibi Watson ist der klare Fixpunkt der Mannschaft. Mit 16,7 Punkten, 4,4 Rebounds und 2,8 Assists pro Spiel zeigt er eine starke Allround-Leistung. Auch sein Net Rating von +11,7 unterstreicht seine Bedeutung für das Team und ist zugleich der Bestwert im Kader. Vor allem offensiv prägt er gemeinsam mit Marcus Demonia das Spiel der Bamberger.

Auch die aktuelle Form spricht für Bamberg. Vier Siege aus den letzten fünf Partien belegen den positiven Trend unter Gavel. Darunter waren Erfolge gegen direkte Playoff-Konkurrenten wie MHP Riesen Ludwigsburg, Rostock Seawolves und Würzburg Baskets. Lediglich gegen Alba Berlin setzte es eine knappe Niederlage.

Die Chancen auf ein mögliches Finale erscheinen gegen den haushohen Favoriten aus München zwar gering. Doch wenn ein Team in dieser Saison die Erwartungen deutlich übertrifft, dann sind es die Bamberger mit dem kleinsten Etat der Liga. Warum also nicht auch im Pokal für die nächste Überraschung sorgen?

FC Bayern München Basketball

In der Bundesliga verläuft die Saison für die FC Bayern München bislang nahezu makellos. Mit 19 Siegen und nur zwei Niederlagen stehen die Münchener souverän an der Tabellenspitze. Dennoch waren sie nach Oldenburg erst das zweite Team, das in dieser Spielzeit den Trainer wechselte.

Ausschlaggebend war die Entwicklung in der EuroLeague, wo sich ein anderes Bild zeigte und die Mannschaft ihren eigenen Ansprüchen deutlich hinterherlief. Weltmeistertrainer Gordon Herbert musste den Verein daher kurz vor Weihnachten vorzeitig verlassen. Eine Serie von sieben Auswärtsspielen in Folge sowie mehrere Partien, in denen Herbert krankheitsbedingt fehlte, spielten dabei ebenfalls eine Rolle.

Als neuer Cheftrainer wurde anschließend der in der Bundesliga bestens bekannte Svetislav Pešić vorgestellt. Unter seiner Leitung stabilisierte sich das Team auch international wieder, sodass die Münchener inzwischen zumindest wieder eine realistische Chance auf die Play-Ins in der EuroLeague haben.

Der Starspieler ist schnell ausgemacht. Andreas Obst spielt eine überragende Saison. Besonders in der EuroLeague unterstreicht der Publikumsliebling seine Bedeutung für das Team. In den letzten neun Spielen erzielte er im Schnitt 21,2 Punkte bei einer starken Dreierquote von 45,6 Prozent.

Auch die aktuelle Form spricht für die Münchener. Vier Siege aus den vergangenen fünf Spielen zeigen, dass das Team rechtzeitig zum TOP FOUR in Fahrt kommt. Lediglich gegen Ratiopharm Ulm setzte es eine überraschende Heimniederlage.

In eigener Halle gehen die Münchener als klarer Favorit in das Pokalwochenende. Zudem dürfte die Halbfinalniederlage aus dem Vorjahr gegen den Syntainics MBC zusätzliche Motivation liefern. Vieles spricht für den FC Bayern. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, ob die Münchener dem Druck standhalten und im Traditionsduell gegen die Bamberg Baskets den Einzug ins Finale schaffen.

Alba Berlin

Für Pedro Calles und Alba Berlin verläuft die Saison bislang äußerst erfolgreich. Zwar verlor das Team zum Auftakt zwei der ersten drei Spiele, zudem wechselte nach diesen Partien der damalige Topscorer Boggie Ellis zum neuen EuroLeague-Teilnehmer Dubai Basketball.

Nach diesem holprigen Beginn ging es für die Berliner jedoch stetig bergauf. Die Mannschaft fand immer besser zusammen und steht mittlerweile mit 15 Siegen und 6 Niederlagen auf dem zweiten Tabellenplatz.

Auch mit dem Abschneiden in der Basketball Champions League können die Berliner zufrieden sein. Mit fünf Siegen und nur einer Niederlage gelang souverän der Einzug in die Round of 16. Dort stehen sie aktuell bei drei Siegen und einer Niederlage und sind auf Kurs in Richtung K.o.-Phase.

Bei den Berlinern spielt Jack Kayil eine herausragende Saison. Mit gerade einmal 20 Jahren zeigt er bereits, wie wichtig er in entscheidenden Momenten sein kann, und hat seinem Team mehrfach Spiele gesichert. Auch sein Net Rating von +11 unterstreicht seinen Wert für die Mannschaft.

Die Formkurve zeigt ebenfalls nach oben. Trotz einiger Verletzungsprobleme in den vergangenen Wochen holte Berlin vier Siege aus den letzten fünf Spielen. Lediglich gegen die Hamburg Towers setzte es eine Niederlage, wobei auch dort mehrere Leistungsträger fehlten.

Entscheidend wird sein, wie viele der verletzten Spieler rechtzeitig zurückkehren und in welcher Verfassung sie sich präsentieren. Sind alle Leistungsträger an Bord, ist der Einzug ins Finale absolut realistisch. Dort würde ein Duell egal gegen wen viel Tradition und Rivalität bieten. Zunächst aber muss Berlin die Hürde Oldenburg nehmen, gegen die man zum Jahresbeginn knapp verloren hatte.

EWE Baskets Oldenburg

Die ersten beiden Monate der Saison waren für die Fans der EWE Baskets Oldenburg ein echtes Auf und Ab der Gefühle. Im Pokal feierte die Mannschaft Erfolge und sicherte sich souverän den Einzug ins TOP FOUR. In der Liga hingegen gab es zunächst nur wenig Grund zur Freude.

Für ein historisches Highlight sorgte Chris Clemons, der im Spiel gegen die Gladiators Trier 52 Punkte erzielte und damit den Vereinsrekord von Tyron McCoy einstellte. Dieser Auftritt blieb zugleich der einzige Ligasieg unter Trainer Predrag Krunić.

Nach einer Bilanz von einem Sieg und acht Niederlagen kam es am 7. Dezember 2025 zur Trennung von Krunić. Co-Trainer Lazar Spasić übernahm daraufhin das Team. Seit dem Trainerwechsel präsentieren sich die Baskets deutlich stabiler. Mit acht Siegen und drei Niederlagen sind sie wieder auf Kurs in Richtung Play-In-Plätze.

Unter Spasić blühen mehrere Spieler auf. Besonders hervorzuheben ist erneut Chris Clemons, der zu Saisonbeginn noch Anlaufschwierigkeiten hatte, inzwischen jedoch immer besser in Fahrt kommt. In den letzten zehn Spielen liegt sein Offensivrating bei herausragenden 125,2. Zudem verwandelte er in dieser Saison bereits zwei Gamewinner, einen gegen Vechta zum Einzug ins TOP FOUR und einen weiteren gegen den Halbfinalgegner Alba Berlin.

Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Mit Blick auf die aktuelle Form ist Oldenburg allerdings das einzige Team der TOP FOUR Teilnehmer, das zwei Niederlagen aus den letzten fünf Spielen hinnehmen musste. Zudem hatten auch die Oldenburger zuletzt mit Verletzungen zu kämpfen. Im Spiel gegen Ratiopharm Ulm fehlten gleich vier Leistungsträger, drei davon verletzungsbedingt. James Woodard war aus erfreulichem Anlass nicht dabei, da er Vater wurde.

Entscheidend wird daher sein, dass die verletzten Spieler rechtzeitig zurückkehren. Gerade auf der Centerposition ist der Kader sonst sehr dünn besetzt. Sind alle Leistungsträger an Bord, ist ein zweiter Saisonsieg gegen Berlin durchaus realistisch. Ein weiterer Schlüssel dürfte der Dreipunktewurf sein. Fällt dieser hochprozentig, stehen die Chancen gut, ins Finale einzuziehen.

Ausblick

Das TOP FOUR verspricht hochklassigen Offensivbasketball. Betrachtet man die Offensivratings aller vier Mannschaften, dürfen sich die Zuschauer auf ansehnliche und punktreiche Partien freuen.

Im ersten Halbfinale sind die Rollen klar verteilt. Die Bamberg Baskets gehen als Underdog ins Duell mit dem klaren Titelfavoriten, dem FC Bayern München, und wollen für eine Überraschung sorgen.

Im zweiten Halbfinale dürfte es deutlich enger zugehen. Wenn sowohl die EWE Baskets Oldenburg als auch Alba Berlin personell aus dem Vollen schöpfen können, ist ein intensives und umkämpftes Spiel zu erwarten.

Am Sonntag spielt es dann keine Rolle mehr, wer ins Finale einzieht. Tradition ist in jedem Fall garantiert, und zugleich wird eine neue Geschichte geschrieben.

Quelle für alle Statistiken ist 3Stepsbasket.com

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