Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Nach fünf Spielen unter Lazar Spasić habe ich ein Interview mit Brian Fobbs geführt. Ein Punkt, den Fobbs dabei besonders hervorgehoben hat, war die klare Kommunikation des Trainers. Spasić hat mit den Spielern intensiv über ihre Rollen gesprochen und deutlich gemacht, was er von jedem Einzelnen erwartet (hier nochmal zum Nachlesen: „Wir teilen den Ball mehr und haben Spaß“ – Brian Fobbs über den bisherigen Saisonverlauf).

Die Oldenburger konnten in dieser Phase einen guten Lauf entwickeln. Kurz vor dem TOP FOUR standen unter Spasić lediglich drei Niederlagen aus elf Spielen zu Buche oder positiver formuliert: acht Siege aus elf Spielen.

Beginn einer negativen Serie

Ein Blick auf das Spiel gegen Ulm relativiert diese Bilanz jedoch etwas, zumindest auf den ersten Blick. Die Partie ging deutlich mit 72:101 verloren. Allerdings fehlten mit James Woodard, Miachale Kyser, Filip Stanic und Dakarai Tucker gleich mehrere wichtige Spieler, sodass sich die klare Niederlage gut erklären lässt.

Doch leider markierte dieses Spiel auch ein Stück weit den Beginn einer schwierigen Phase für die Oldenburger. Im BBL-Pokal-Halbfinale kehrten zwar Woodard und Kyser zurück, allerdings verletzte sich Woodard in dieser Partie erneut, während auch Kyser nicht bei 100 Prozent wirkte.

Nach der Länderspielpause stand Kyser wieder zur Verfügung, doch Woodard fehlt seitdem weiterhin. Betrachtet man die Bilanz der Baskets seit dem Ulm-Spiel inklusive des Pokal-Halbfinals, fällt diese mit lediglich zwei Siegen aus neun Spielen ernüchternd aus.

Wie wichtig ist James Woodard?

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Auffällig ist dabei vor allem, dass sowohl Stanic als auch Woodard seitdem kein Spiel mehr bestritten haben. Zwei Spieler, deren Einfluss auf das Spiel der Oldenburger vermutlich unterschätzt wird.

Gerade auf den Guard-Positionen macht sich das Fehlen von Woodard deutlich bemerkbar. Mit seinen 45,9 Prozent von der Dreierlinie sowie seiner Unterstützung im Ballvortrag hatte er großen Anteil am anfänglichen Erfolg unter Spasić.

Auch in der Offensive hinterlässt er eine spürbare Lücke. Durch seine starke Wurfquote muss er eng verteidigt werden, was Räume öffnet. Sowohl seine Gefahr von außen als auch sein Zug zum Korb sorgen dafür, dass sich Lücken in der Defensive ergeben, die seine Mitspieler für freie Würfe nutzen können.

Ein Blick auf seine Bewertung bei 3stepbasket zeigt, dass Woodard dort zurecht mit dem Stempel „very good“ eingestuft wird. In den neun Spielen unter Spasić kommt er auf ein starkes Net Rating von +8 (Offensivrating: 119,1; Defensivrating: 111,1). Zwar erzielt er im Schnitt „nur“ 7,2 Punkte, doch vor allem durch seinen konstant starken Wurf sorgt er für Räume und kreiert offene Abschlüsse für seine Mitspieler.

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Auch beim Rebounding macht sich sein Fehlen bemerkbar. Für einen Guard sind 3,1 Rebounds pro Spiel ein starker Wert, der dem Team aktuell fehlt.

Diese Lücke konnten Kyle Lofton und Tucker bislang nicht schließen. Beide sind von Verletzungen zurückgekehrt und haben noch Schwierigkeiten, ihren Rhythmus zu finden. In den letzten sieben Ligaspielen weisen sie die schwächsten Net Ratings im Team auf. Lofton kommt auf –17,1 (Offensivrating: 102,6; Defensivrating: 119,7), Tucker sogar mit –22,2 (Offensivrating: 105,6; Defensivrating: 127,8). Mit beiden auf dem Feld stockt aktuell häufig die Offensive, während die Defensive – insbesondere mit Tucker – anfällig wirkt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Rollenverteilung innerhalb des Teams. Brian Fobbs betonte im Interview, dass Spasić die Rollen klar definiert hat. Die entscheidende Frage ist nun, wie sich diese Rollen durch Woodards Verletzung sowie die Rückkehr von Lofton und Tucker verändert haben. Besteht weiterhin diese klare Struktur oder ist sie aktuell ins Wanken geraten?

Was gibt Filip Stanic dem Oldenburger Spiel

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Schaut man auf die Center-Position, wird das Fehlen von Stanic deutlich spürbar. Besonders im Rebounding, insbesondere beim defensiven Rebound, hinterlässt er eine große Lücke. In den sieben Spielen unter Spasić kommt das Team mit ihm auf dem Feld auf eine Defensiv-Reboundquote von 72,4 Prozent.

Dabei ist es wichtig, nicht nur auf die reinen Rebound-Zahlen zu schauen. Seine Präsenz unter dem Korb und sein konsequentes Ausboxen helfen auch seinen Mitspielern, den Rebound zu sichern. Zum Vergleich: Die Defensiv-Reboundquote der Baskets in den letzten sieben Ligaspielen liegt bei lediglich 59,4 Prozent.

Mit Stanic würde das Team also deutlich mehr Stabilität im Rebounding erhalten und dem Gegner weniger zweite Wurfchancen ermöglichen. Aktuell haben vor allem Kyser, Tomislav Zubčić und Seth Hinrichs Schwierigkeiten im Rebounding und beim Ausboxen.

Auch ein Blick auf die Advanced Stats unterstreicht seinen defensiven Einfluss. Sein Offensivrating liegt bei 111,8, während er defensiv mit einem starken Wert von 105,8 überzeugt.

Ausblick

Es bleibt zu hoffen, dass beide Spieler schnellstmöglich wieder ins Spielgeschehen eingreifen können und dem Team ihre Stärken zurückgeben. Im besten Fall gelingt es ihnen, den negativen Trend der Oldenburger zu stoppen und die Mannschaft zurück in die Erfolgsspur zu führen.

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