Als am Sonntag um 18:30 Uhr der letzte Wurf von Alba Berlin-Spieler Jack Kayil sein Ziel verfehlte und die BMA365 Bamberg Baskets damit Pokalsieger 2026 wurden, befanden sich noch zahlreiche Oldenburger Fans in der Halle und spendeten Applaus.

Obwohl die eigene Mannschaft nach der Niederlage am Vortag an diesem Sonntag nicht mehr im Einsatz war, sah man viele Fans mit dem Logo der EWE Baskets Oldenburg auf Pullovern oder T-Shirts durch die Halle laufen.

Die Stimmung war zwar etwas getrübt, dennoch hatte man das Gefühl, dass die Anhänger stolz auf ihr Team waren, schließlich stand man nach dem schwierigen Saisonstart überhaupt in München beim TOP FOUR.

Auf der anderen Seite der Arena herrschte jedoch nicht nur klatschender Applaus, sondern pure Ekstase. Mit der Schlusssirene krönten sich die BMA365 Bamberg Baskets völlig überraschend zum Pokalsieger, und die rote Ecke der Halle verwandelte sich in ein lautstark jubelndes Fahnenmeer.

Mit dem geringsten Etat der Liga gelang der Mannschaft um Anton Gavel der große Coup. Im Halbfinale schaltete Bamberg den Ligaprimus FC Bayern Basketball aus, im Finale folgte der nächste Paukenschlag gegen Alba Berlin, das Team mit dem zweithöchsten Etat der Liga.

Halbfinale 1:FC Bayern Basketball gegen BMA365 Bamberg Baskets

Das erste Halbfinale war kaum an Spannung zu überbieten. Es ging ständig hin und her, keine Mannschaft konnte sich entscheidend absetzen. Genau das spielte den BMA365 Bamberg Baskets in die Karten, denn für sie war es wichtig, die Partie möglichst lange offen zu halten.

Kurz vor Schluss führte das Team von Anton Gavel sogar mit sechs Punkten, kassierte jedoch noch zwei Dreier von Andreas Obst und Nenad Dimitrijevic, sodass es in die Verlängerung ging. Zunächst schien das Momentum nun auf Seiten des FC Bayern Basketball zu liegen, doch es entwickelte sich ein Offensivspektakel von der Dreipunktlinie.

In sieben aufeinanderfolgenden Angriffen fielen sieben Dreier, mit einem Treffer mehr auf Bamberger Seite. So entschieden die Franken die Partie für sich und zogen überraschend ins Finale ein.

Halbfinale 2: Alba Berlin gegen EWE Baskets Oldenburg

Für die Oldenburger begann die Partie zunächst vielversprechend, früh lag man mit vier Punkten in Führung. Doch es sollte die einzige Führung im gesamten Spiel bleiben, denn anschließend drehte Alba Berlin auf und stellte bis zum Ende des ersten Viertels auf plus elf.

Vor allem beim Rebound offenbarten die EWE Baskets Oldenburg große Probleme. Zwar stand Michale Kyser nach seiner Verletzung wieder im Kader, wirkte jedoch noch nicht bei hundert Prozent. Auch Filip Stanic war nicht fit, sodass es schwer war, gegen die reboundstarken Berliner dagegenzuhalten. Ein Blick auf die Statistik unterstreicht das deutlich, Berlin sicherte sich 52 Rebounds, Oldenburg lediglich 24.

Gerade defensiv schmerzte das, denn häufig holten sich die Berliner den Offensivrebound und spielten den Ball anschließend an die Dreipunktlinie, wo offene und meist erfolgreiche Würfe genommen wurden. Wirklich spannend wurde es nur noch einmal kurz vor Ende des zweiten Viertels. Kyle Lofton hatte an der Freiwurflinie die Chance auszugleichen, vergab jedoch beide Versuche, sinnbildlich für einen Abend, an dem einige Würfe einfach nicht fallen wollten.

Im letzten Viertel versuchten die Oldenburger mit einer Zonenverteidigung, die Berliner zu Fehlern zu zwingen. Das gelang phasenweise, fünf Ballverluste wurden erzwungen. Offensiv konnte man daraus jedoch kein Kapital schlagen. So gewann Berlin am Ende deutlich und verdient mit 92 zu 72.

Finale: BMA 365 Bamberg Baskets gegen Alba Berlin

Das Finale entwickelte sich ebenso spannend wie das erste Halbfinale am Vortag. Von Beginn an zeigten die Berliner ihre Reboundstärke, die sie bereits tags zuvor demonstriert hatten. Besonders Justin Bean sammelte sechs Offensivrebounds und sorgte damit für zahlreiche Second-Chance-Points.

Im Vergleich zu den EWE Baskets Oldenburg ließen die BMA365 Bamberg Baskets jedoch nicht nach und blieben stets in Schlagdistanz. Als zum Ende hin auch die Dreipunktewürfe der Bamberger fielen, entwickelte sich ein packender Schlagabtausch, bei dem die Franken knapp die Oberhand behielten.

Sieben Sekunden vor Schluss erzielte der später zum MVP des TOP FOUR gekürte DeMarcus Demonia den entscheidenden Wurf zum Sieg. Den letzten Angriff der Berliner verteidigten die Bamberger konsequent, sodass Jack Kayil nur noch einen stark bedrängten Wurf abgeben konnte, der daneben ging und in der Bamberger Ecke des SAP Garden für pure Euphorie sorgte.

Mit zwei denkbar knappen Spielen krönten sich die Bamberger zum Pokalsieger und sorgten damit im zweiten Jahr in Folge für einen Überraschungssieg beim TOP FOUR.

Was bleibt für Oldenburg von diesem Wochenende?

Die EWE Baskets Oldenburg können stolz darauf sein, es bis ins TOP FOUR nach München geschafft zu haben. Aus dem Spiel nehmen sie die Erfahrung eines Do or Die Spiels vor großer Kulisse mit, ein Faktor, der im weiteren Saisonverlauf noch entscheidend werden kann.

Gerade wenn es zum Ende der Spielzeit um die Teilnahme an den Play Ins oder den Playoffs geht, dürfte diese Erfahrung wertvoll sein. Auch in möglichen Play In Partien kann ein solcher Auftritt helfen, mit Drucksituationen besser umzugehen.

Darüber hinaus hat die Veranstaltung insgesamt große Freude bereitet und Lust auf mehr gemacht. Das sollte zusätzliche Motivation für die kommende Saison sein, erneut den Einzug ins TOP FOUR anzupeilen.

Ausblick

Für die EWE Baskets Oldenburg heißt es nun, den Fokus vollständig auf die entscheidende Saisonphase zu richten und das TOP FOUR rasch abzuhaken. In einer so engen Tabelle wie in dieser Spielzeit ist weiterhin vieles möglich, selbst ein direkter Playoff-Platz bleibt in Reichweite.

Ein Vorteil für Oldenburg: Gegen fast alle direkten Konkurrenten im Rennen um die Playoff- und Play-In-Plätze stehen die direkten Duelle noch aus. Gegen Niners Chemnitz und die MHP RIESEN Ludwigsburg konnte man den direkten Vergleich bereits für sich entscheiden, lediglich gegen ratiopharm Ulm ging dieser verloren.

Jetzt gilt es, mit voller Motivation in den Saisonendspurt zu starten. Zum Auftakt steht ein Doppelspieltag an: Am Freitag, den 6. März, empfängt Oldenburg die Telekom Baskets Bonn in der großen EWE Arena mit dem klaren Ziel, wieder auf einen Play-In-Platz zu klettern. Nur zwei Tage später, am Sonntag, den 8. März, folgt das Derby gegen RASTA Vechta.

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