
Vor gut zwei Wochen habe ich mich mit Franjo Borchers auf einen kleinen Spaziergang getroffen und dabei über seine Trainerausbildung gesprochen. Außerdem haben wir uns über die vergangenen zweieinhalb Jahre als Assistant Coach bei den Baskets unterhalten, in denen er unter vier verschiedenen Trainern gearbeitet hat. Es ging auch um seine eigene Trainerphilosophie und abschließend um den Nachwuchs sowie dessen Integration in den Profibereich.
Frage: Was sind deine Hobbys neben dem Basketball?
Borchers: Ich bin generell sehr sportbegeistert. Mit 21 habe ich angefangen, Golf zu spielen. Durch meine Arbeit bei den Baskets ist das allerdings etwas weniger geworden. Seit ich 2018 im Jugendbereich angefangen habe, nimmt der Job viel Zeit ein. Im Grunde von morgens bis abends. Im Sommer schaffe ich es aber trotzdem ab und zu auf den Golfplatz, zuletzt auch wieder etwas häufiger, wenn das Wetter mitspielt.
Außerdem habe ich einen Hund. Den würde ich auch ein Stück weit als Hobby bezeichnen, weil man viel Zeit mit ihm verbringt und draußen unterwegs ist.
Und ganz neu habe ich angefangen, Padel zu spielen. Das sind im Moment die sportlichen Dinge, die ich neben dem Basketball mache.
Frage: Du bist Mitte Oktober 2023 Assistant Coach geworden, hast davor aber die Trainerausbildung bei den Baskets durchlaufen. Worum geht es dabei genau?
Borchers: Das Programm ist wirklich spannend. Die Baskets waren bei dieser Art von Trainerausbildung Vorreiter. Trainer wie Christian Held haben hier in Oldenburg ihre Ausbildung gemacht. Das Konzept überzeugte auch die BBL, die daraufhin ein eigenes Nachwuchstrainer-Programm startete.
Jedes Jahr werden sechs Nachwuchstrainer ausgewählt, die zuvor schon auf höherem Niveau mit Basketball zu tun hatten. Entweder als Trainer oder ehemalige Spieler. Ich habe dafür ein Stipendium bekommen, und das Programm lief über drei Jahre. Während ich bei den Baskets angestellt war, wurde die Ausbildung von der BBL organisiert.
Es gab verschiedene Mentoren, etwa den Individualtrainer Stefan Weissenböck aus Bamberg oder Thomas Päch von Alba Berlin. Alle sechs Monate fanden zehntägige Seminare mit Trainern, Lehrern aus Schulen oder Sportpsychologen statt. Pro Halbjahr konnte man zwei Module wählen, mit denen man sich dann intensiver beschäftigt hat und das jeweils mit einem eigenen Mentor an der Seite.
Frage: Also ein bisschen wie ein Studium.
Borchers: Genau, im Grunde war es wie ein Studium. Für angehende Trainer ist das eine tolle Gelegenheit, viel zu lernen. Es gab Seminare, Hospitationen und Mentoren, die einen eng begleiteten.
Ich war zum Beispiel zehn Tage bei der U16-Nationalmannschaft und bin zur EM mitgefahren, wo wir kleinere Aufgaben wie Gegner-Scouting übernommen haben. Außerdem hospitierte ich zehn Tage bei ALBA Berlin und schaute mir das Jugendprogramm an. Zusätzlich war ich etwa vier bis fünf Tage bei Aíto [García Reneses].
Die Seminare fanden meist in Berlin oder München statt und waren sehr intensiv. Der Austausch mit anderen Trainern war dabei besonders wertvoll, da immer mehrere Jahrgänge zusammenkamen. Insgesamt waren es drei sehr spannende Jahre.
Frage: Und danach bist du dann hier in den Nachwuchsbereich gegangen, richtig?
Borchers: Genau. Das Programm lief von 2018 bis 2021 und war eng mit dem Standort Oldenburg verbunden. In dieser Zeit arbeitete ich im Nachwuchsbereich – zuerst als Assistant Coach bei Dejan Mijatović, dann bei Dejan Stojanovski, bevor ich selbst die U19 als Head Coach übernahm.
Später trennten sich die Wege der Profimannschaft der EWE Baskets Oldenburg und des damaligen Assistant Coaches Thomas Roijakkers, und ich bekam die Chance, bei den Profis einzusteigen.

Frage: Wie war das Gefühl, als die Nachricht kam?
Borchers: Im ersten Jahr im Jugendbereich war ich eine Art Bindeglied zu den Profis. Ich war oft im Training dabei, übernahm kleinere Aufgaben und erklärte gleichzeitig den Jugendtrainern das System der Profimannschaft.
Ziel ist, dass die Prinzipien der Profis in abgespeckter Form auch im Nachwuchs trainiert werden, damit der Übergang leichter fällt, wenn ein Jugendspieler bei den Profis aushelfen muss.
Pedro Calles hatte mich schon früh gefragt, ob ich mir diese Rolle vorstellen könnte. Damals passte es aus privaten Gründen nicht. Als die Anfrage später erneut kam, wurde mir klar, dass sich so eine Gelegenheit nicht oft bietet, und ich habe mich entschieden, mit den Profis zu arbeiten. Ich war sehr glücklich über diese Möglichkeit.
Frage: Dann begann eine recht turbulente Phase. Lazar Spasić ist mittlerweile der vierte Head Coach, unter dem du arbeitest. Haben sich deine Aufgaben bei den verschiedenen Trainern stark unterschieden?
Borchers: Ja, schon. Unter Pedro war ich hauptsächlich für die Offensive zuständig. Gegner analysieren, ihre Verteidigung innerhalb unserer Spielphilosophie angreifen, individuelles Scouting einzelner Spieler und Arbeit mit einer kleinen Spielergruppe im Individualtraining.
Als Mladen [Drijenčić] übernahm, blieb vieles zunächst gleich, aber man passt sich als Assistant Coach nach und nach stärker an die Ideen des Head Coaches an. Bei Predrag [Krunić] organisierten wir das Scouting anders, sodass jeweils ein Coach ein komplettes Spiel vorbereitete.
Die Arbeit mit Lazar ist jetzt anders, da bei unserer Arbeitsteilung mit u.a. die Videoanalyse zufällt. Hinzu kommen meine Parts im Training und im individuellen Bereich, die ich bei den Trainern vorher auch immer hatte. Wir sind eines der jüngsten Coaching Staffs in Europa und die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr harmonisch.

Frage: Hast du selbst schon eine eigene Trainerphilosophie im Kopf?
Borchers: Eine Grundidee habe ich schon. Als U19-Headcoach war ich zwar nur kurz tätig, habe aber auch andere Teams betreut und sammle als Assistant Coach ständig Eindrücke, weil ich viele Spiele analysiere. Dabei fallen einem immer wieder Dinge auf, die einem gefallen oder eben nicht. Das Grundkonzept steht also bereits, während die Details sich kontinuierlich weiterentwickeln. Viele Trainer passen im Sommer nur Kleinigkeiten an, ohne ihre grundsätzliche Philosophie komplett zu ändern.
Frage: Du konntest also viel von den verschiedenen Trainern lernen?
Borchers: Absolut, ich hatte das Glück unter Top-Trainern lernen zu dürfen, Pedro ist für mich zum Beispiel einer der besten Trainer in Europa, vor allem, wenn es um Trainingsmethodik und Organisation geht. Von Mladen und Predrag habe ich viel über Kommunikation und den Umgang mit Spielern gelernt.
Mit Lazar ist jetzt wieder ein neues defensives Konzept dazugekommen, das in der BBL nicht viele Teams spielen. Das Spannende ist dabei immer der Weg zum Ergebnis. Am Wochenende sieht man nur das Spiel, aber im Training steckt dahinter eine Menge Detailarbeit.
Frage: Du kommst selbst aus dem Nachwuchsbereich. Wie integriert ihr junge Spieler in die erste Mannschaft?
Borchers: Der wichtigste Punkt ist, dass das Konzept vom Nachwuchs bis zu den Profis zusammenpasst. Wenn oben und unten komplett unterschiedliche Systeme gespielt werden, wird der Übergang für junge Spieler extrem schwierig.
Deshalb versuchen wir, eine gemeinsame Struktur zu haben – von der Baskita über JBBL und NBBL bis zur ProB. Schritt für Schritt nähern sich die Spieler dann dem Niveau der Profis an.
Wenn ein Jugendspieler bei uns im Training ist, erwarten wir gar nicht, dass er sofort herausragt. Der erste Schritt ist schon geschafft, wenn er das Training nicht stört und sich an das Tempo gewöhnt. Denn der Sprung ist groß, von der NBBL zur ProB und von dort zur BBL noch einmal mehr.
Gerade bei Verletzungen sind wir deshalb froh, auf junge Spieler zurückgreifen zu können, die das Niveau im Training halten.
Frage: Also schnuppern Nachwuchsspieler regelmäßig im Profitraining?
Borchers: Ja, das war eigentlich in jedem Jahr so. Gerade zu Saisonbeginn sind mehrere Nachwuchsspieler dabei. Mit der Zeit kristallisiert sich dann heraus, wer dauerhaft im Training bleibt und wer noch mehr Spielpraxis in der ProB braucht.
Frage: Ein Beispiel ist Hannes Steinbach von Würzburg der den Sprung von der ProB in die BBL und jetzt ans College geschafft hat, durch Verletzungen anderer Spieler hat er plötzlich viel BBL-Spielzeit bekommen hat. Bei Colin Schröder habt ihr etwas Ähnliches versucht. Ist das bewusst so geplant?
Borchers: Ja, auf jeden Fall. Gerade für junge Spieler sind ein paar Minuten auf diesem Niveau extrem wertvoll. In den ersten Minuten eines Spiels verliert man normalerweise kein Spiel – aber der Spieler sammelt wichtige Erfahrungen.
Für Colin ist das auch eine Belohnung für seine Arbeit im Training und in der ProB. Das Tempo und die Physis in der BBL sind noch einmal ganz anders, und aus diesen Situationen lernen junge Spieler unglaublich viel.
Bei Hannes Steinbach hat man gesehen, wie schnell sich jemand entwickeln kann, wenn er diese Chance bekommt. Seine Kurve ging danach deutlich nach oben und am Ende steht jetzt sogar ein College-Angebot in Millionenhöhe. Das zeigt, wie wertvoll solche Erfahrungen sein können.
Abschluss: Vielen Dank für die Zeit, es hat sehr Spaß gemacht.