Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Am Donnerstag habe ich mich mit Nicho Tischler zu einem netten Gespräch getroffen. Dabei ging es unter anderem um das Einschlafen nach Spielen und den Umgang mit Medien im Hinblick auf die mentale Gesundheit. Außerdem haben wir über Spielvorbereitung, taktische Umstellungen während eines Spiels sowie die Frage gesprochen, wie wichtig ihm klare Rollen im Team sind.

Frage: Stellst du dir morgens einen Wecker oder kommst du auch ohne aus?

Tischler: Mein Wecker ist jeden Tag auf 8:10 Uhr gestellt, und meistens bin ich dann gegen 8:15 Uhr wach. Das gibt mir eine gute Routine. Da wir meist zur gleichen Zeit trainieren, passt das sehr gut für mich.

Frage: Wie schläfst du nach einem Spiel ein?

Tischler: Nach Spielen ist es oft schwieriger einzuschlafen als in normalen Trainingswochen. Gerade bei späten Spielen ist der Körper noch voller Adrenalin, da wird es auch mal sehr spät. Trotzdem versuche ich, meinen Rhythmus zu halten und nicht komplett aus dem Schlafplan zu kommen.

Frage: Spürst du einen Unterschied zwischen Sieg und Niederlage?

Tischler: Ja, definitiv. Nach einem Sieg überwiegen die positiven Emotionen, da kann man auch mit wenig Schlaf gut umgehen.

Nach einer Niederlage ist es anders, da denkt man mehr nach und fragt sich, was man besser machen kann.

Am nächsten Tag merkt man den Unterschied dann auch deutlich, je nach Spielverlauf und Gefühl.

Frage: Du hast gerade gesagt, dass man nach Niederlagen ins Grübeln kommt. Wie ist es mental, eine Niederlagenserie wie zu Beginn der Saison zu durchleben? Was macht das mit einem?

Tischler: Es war wirklich nicht einfach. Ich habe auch schon in Teams gespielt, in denen die Erwartungen niedriger waren. Da waren Niederlagen weniger dramatisch, weil eher die Entwicklung im Vordergrund stand. Hier war das Ziel aber klar direkte Playoffs. Und dann startest du mit ich glaube einem Sieg aus zehn Spielen. Da hinterfragt man viel.

Auch innerhalb der Mannschaft war das schwierig. Man kennt sich noch nicht richtig, auf dem Papier sind alle gute Spieler, aber wir haben es nicht aufs Feld bekommen. Das hat uns beschäftigt.

Geholfen hat uns der Trainerwechsel mit neuen Impulsen. Ich glaube, wir haben uns als Team selbst aus dieser Situation herausgearbeitet.

In dieser Liga hilft dir niemand, jeder Gegner legt noch einen drauf. Umso wichtiger war es, Charakter zu zeigen, einen Neustart zu machen und Verantwortung zu übernehmen.

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Frage: Hast du in solchen Phasen ein Frustmanagement oder Routinen, die dir helfen, wenn es mental nicht so gut läuft?

Tischler: Ich versuche, meinen mentalen Space zu schützen, indem ich keine Kommentare lese. Das ist für mich eine Form von Selbstschutz. Auf Social Media halte ich mich bewusst von negativen Kommentaren fern.

Ich versuche generell, mich davon zu distanzieren, weil diese Leute nicht im Training dabei sind und die Abläufe nicht kennen. Sie sehen nur das Ergebnis, aber nicht, was dahintersteckt.

Der zweite Punkt ist meine tägliche Arbeit. Ich bin früh in der Halle, bleibe länger, kümmere mich um meinen Körper, schaue viel Film und versuche einfach, mich jeden Tag weiterzuentwickeln und den Fokus auf mich zu halten.

Diese Arbeit hilft mir auch mental. Selbst wenn ich mal weniger treffe, fange ich nicht an, alles zu hinterfragen. Ich mache einfach weiter und vertraue darauf, dass sich das auszahlt. Die Würfe, die ich bekomme, werde ich weiter nehmen. Auf lange Sicht kommt das zurück. Das hält meinen Kopf stabil.

Frage: Sprichst du auch mit Leuten außerhalb des Sports darüber, zum Beispiel mit deiner Freundin oder Freunden?

Tischler: Mit meiner Freundin spreche ich eher über die schönen Seiten im Basketball, also gute Spiele oder gute Trainingswochen. Schwierige Themen halte ich da eher raus.

Dafür habe ich meinen kleinen Kreis an Leuten, mit denen ich alles besprechen kann. Dazu gehören mein ehemaliger Trainer aus Bamberg und Holger Geschwindner, mit dem ich im Sommer viel arbeite, sowie Ivan Pavić als Mentor und mein Bruder Brandon Tischler.

Das sind die wichtigsten Personen für mich, wenn es um den sportlichen Austausch geht. So einen engen Kreis zu haben, ist extrem wichtig.

Frage: Basketball ist ein Sport mit vielen Zahlen. Wie sehr achtest du auf deine Statistiken wie Punkte oder Rebounds?

Tischler: In meinen ersten Jahren in Braunschweig habe ich sehr stark auf Statistiken geschaut. Da ging es schnell um Punkte, Quoten oder den eigenen Schnitt.

Seit etwa zwei Jahren mache ich das aber nicht mehr. Ich weiß tatsächlich nicht genau, wie meine Durchschnittswerte aussehen. Ich glaube, es ist nicht gut, sich darüber zu sehr zu definieren.

Natürlich will ich in jedem Spiel meine Würfe treffen und viele Rebounds holen, aber man merkt selbst, ob man in einer guten Phase ist oder nicht. Nach dem Spiel schaue ich mir die Stats manchmal noch an, aber Saisonwerte blende ich bewusst aus.

Frage: Du hast gute und schlechte Phasen angesprochen, die es ja auch innerhalb eines Spiels gibt. Ein Beispiel ist das Spiel gegen Rostock: 35 Sekunden vor Schluss war dein einziger getroffener Dreier. Wie gehst du während des Spiels mit solchen Phasen um?

Tischler: Ich versuche, diese Schwankungen im Spiel weniger an mich ranzulassen. Früher war es eher so, dass ich nach einem Fehlwurf gedacht habe, heute ist nicht mein Tag.

Heute sehe ich das rationaler. Wenn ich einen Wurf verpasse, frage ich mich eher, warum er daneben ging. Dadurch kann ich daraus lernen und gehe ohne Angst in den nächsten Wurf.

Ich versuche jeden Wurf als neue Chance zu sehen, etwas mitzunehmen und mich zu verbessern.

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Frage: Man hat ja nur ganz kurz Zeit für Entscheidungen. Was geht da in deinem Kopf vor? Passiert das intuitiv oder kannst du das beschreiben?

Tischler: In wichtigen Phasen am Ende eines Spiels läuft vieles über Instinkt. In anderen Situationen ist es stärker vom System geprägt, da geht es eher darum, den besten Wurf zu finden und nicht einfach den ersten offenen Wurf zu nehmen.

Der Wurf in der Schlussphase wäre früher im Spiel oft nicht der richtige, weil dann noch mehr Zeit bleibt und wir anders agieren wollen. Am Ende geht es aber mehr um Gefühl und Instinkt. Das sieht man bei vielen Spielern so.

Frage: Hast du das gelernt?

Tischler: Vieles kommt aus der Jugend und den vielen Spielen im Sommer, egal ob fünf gegen fünf oder eins gegen eins. Man sammelt einfach extrem viele Situationen, aus denen man lernt. Dadurch entwickelt man ein Gefühl für solche Momente.

Frage: Man hat gesehen, dass Lazar Spasić in Auszeiten manchmal mehrere Spielzüge ansagt. Wie kann man sich das alles merken?

Tischler: Wir arbeiten seit August jeden Tag zusammen und laufen die Systeme ständig durch. Dadurch sitzen die Abläufe mittlerweile bei allen.

Wenn ein Spielzug angesagt wird, weiß jeder sofort, was zu tun ist. Außerdem helfen wir uns gegenseitig, falls jemand kurz etwas vergisst.

Vom Coach ist das auch Strategie: Kontrolle zu behalten und nach der Auszeit wieder Struktur ins Spiel zu bringen.
Frage: Wie lange dauert die Spielvorbereitung auf einen Gegner und wie viel Zeit steckt insgesamt drin?

Tischler: Das hängt davon ab, wie viel Zeit wir haben. Wenn das Spiel am Sonntag ist, starten wir meist Mittwoch oder Donnerstag mit der intensiven Vorbereitung.

Zuvor liegt der Fokus eher auf uns selbst – Krafttraining, Körperarbeit und individuelles Shooting.

Ab Mittwoch oder Donnerstag geht es dann in die Analyse. Wie spielt der Gegner, welche Systeme laufen sie, wie verteidigen sie? Im Training erarbeiten wir dann, wie wir ihre Aktionen verteidigen und wo wir gegebenenfalls von unserer normalen Defensive abweichen.

Gleichzeitig schauen wir, wie wir ihre Defense angreifen können und analysieren auch einzelne Spieler, ihre Stärken und Tendenzen. Das ist schon sehr detailliert.

Im Shootaround gehen dann die wichtigsten Punkte nochmal durch, sodass wir uns gut vorbereitet fühlen.

Frage: Bereitest du dich auch individuell vor oder bekommt ihr dafür Vorgaben?

Tischler: Wir bekommen immer einen Scouting Report, also eine kompakte Zusammenfassung der Teamvorbereitung für zu Hause. Damit ist jeder erstmal grundsätzlich vorbereitet.

Darauf kann jeder individuell aufbauen, je nachdem wie viel man sich noch mit einzelnen Spielern oder Statistiken beschäftigt.

Ich schaue mir oft zusätzlich noch Videos an, um die Gegner in Ruhe zu analysieren. So hat jeder eine Basis, die er dann individuell vertiefen kann.

Frage: Im Spiel gibt es ja oft Umstellungen. Inwiefern seid ihr darauf vorbereitet oder kommt das trotzdem überraschend?

Tischler: Wir haben immer einen Plan B. Gerade bei speziellen Situationen, in denen wir anders verteidigen als üblich, wissen wir auch, wie wir reagieren, wenn etwas nicht funktioniert oder der Gegner etwas anpasst.

Wichtig ist, dass wir flexibel bleiben und im Spiel schnell Lösungen finden.

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Frage: Perfektes Beispiel ist das Spiel gegen Rostock: Die Pick-and-Roll-Verteidigung hat anfangs nicht gut funktioniert, das gab Rostock einfachen Abschlüsse am Korb. In der zweiten Halbzeit war es dann komplett anders.

Tischler: Rostock hat das insgesamt gut gemacht. Wir haben zunächst ordentlich verteidigt, aber uns zu oft in Situationen gebracht, in denen wir entweder den Dreier oder den Korbleger zugelassen haben.

In der Halbzeit haben wir dann auf Zone und Switching Defense umgestellt und damit vor allem das Short-Roll-Spiel herausgenommen. Dadurch mussten sie andere Lösungen finden.

Das hat besser funktioniert, vor allem weil wir im Eins-gegen-eins stark sind. Insgesamt war das eine gute Anpassung, die das Spiel deutlich verändert hat.

Frage: Wie viele Umstellungen gibt es im Spiel?

Tischler: Es gibt sehr viele Umstellung im Spiel. Es gibt auch viele Varianten, auch abhängig von den Positionen. Mit bestimmten Spielern verteidigen wir unterschiedlich, je nachdem, wer auf dem Feld steht. Mal bin ich auf der Vier, mal auf der Drei und verteidige einen Guard.

Es gibt insgesamt sehr viele Matchups und Situationen – je nachdem, ob Chris [Clemons], Brian [Fobbs], Kyle [Lofton], ich oder [Dakarai] Tucker auf dem Feld sind. Im Spiel geht es vor allem darum, schnell die passenden Zuordnungen zu finden und sich anzupassen.

Frage: Kommt das meistens vom Trainer oder könnt ihr auch selbst Vorschläge machen?

Tischler: Wir können da auch mitreden, und der Coach ist sehr offen dafür. Ein gutes Beispiel war in Frankfurt. Der Coach wollte auf Zone umstellen und hat uns vorher gefragt. Wir haben uns gemeinsam aber für Man-to-Man entschieden – und damit auch das Spiel gewonnen.

Diese Offenheit ist nicht selbstverständlich. Viele Coaches ziehen ihren Plan durch, unabhängig vom Spielverlauf. Hier ist es eher ein Austausch, und genau diese Balance zwischen Trainer und Spielern ist wichtig.

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Frage: Wie wichtig ist dir eine klare Rolle im Team?

Tischler: Das hilft mir sehr. Jeder weiß hier grundsätzlich, welche Aufgaben er hat und welche Würfe er nehmen soll. Diese Klarheit ist wichtig.

Am Anfang der Saison war das noch schwieriger, weil vieles sehr offen war und die Rollen nicht klar definiert waren. Da wusste man teilweise nicht genau, wer in welchen Situationen übernimmt oder wie die Hierarchie im Angriff ist.

Das ist mittlerweile deutlich besser geworden und hilft dem gesamten Team.

Frage: Heißt das, dass der Erfolg auch durch die klarere Rollenverteilung gekommen ist?

Tischler: Ja, das würde ich schon sagen. Wir sind ein Team mit viel individueller Qualität, und in der Phase mit vielen Verletzten war es entsprechend schwierig. Bei einer Neun- bis Zehn-Mann-Rotation macht es einen großen Unterschied, wenn drei oder vier Spieler fehlen.

Jetzt, wo wieder alle dabei sind, sieht man unser Potenzial deutlich besser. Dieses Talent kann aber nur dann richtig aufs Feld gebracht werden, wenn die Rollen klar verteilt sind – und das ist jetzt wieder der Fall.

Frage: Können Verletzungen auch dazu geführt haben, dass die Rollenverteilung ins Wanken geraten ist?

Tischler: Ja, auf jeden Fall. Durch die Verletzungen mussten andere mehr Verantwortung übernehmen, gleichzeitig konnten sich Gegner besser auf uns einstellen.

Dadurch waren wir weniger variabel und etwas berechenbarer. Vorher konnten wir mehr wechseln und flexibler spielen, das ging zeitweise verloren.

Jetzt ist das wieder besser, weil wir mehr Optionen und Variabilität haben.

Frage: Bist du ein Spieler, der gerne Verantwortung übernimmt?

Tischler: Ja, auf jeden Fall. Es muss nicht immer der letzte Wurf sein, auch wenn das natürlich besondere Momente sind.

Mir geht es vor allem darum, in wichtigen Phasen auf dem Feld zu stehen und Verantwortung zu übernehmen, egal ob am Ende eines Viertels oder Spiels. Jeder Spieler will seinen Beitrag leisten – offensiv wie defensiv.

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Frage: Wie wichtig ist es für dich, von Anfang an zu spielen?

Tischler: Eigentlich sollte man das nicht überbewerten, aber es hängt schon mit der eigenen Rolle zusammen. Natürlich gibt es immer Veränderungen, aber es ist auch eine Frage des Rhythmus. Wenn man lange Starter war, ist es ungewohnt, plötzlich von der Bank zu kommen – und umgekehrt genauso.

Deshalb ist es für mich wichtig, eine klare Rolle zu haben und zu wissen, worauf ich mich einstellen kann. Dann kann man diese Rolle auch besser ausfüllen.

Frage: Wie wichtig ist es für dich, ein Spiel auf dem Feld zu beenden?

Tischler: Das ist mir schon sehr wichtig. Wer startet, ist nicht immer komplett selbst beeinflussbar, da der Coach je nach Spielplan Entscheidungen trifft.

Aber in der Schlussphase zeigt sich oft, wie viel Vertrauen ein Spieler hat – ob man in den letzten Minuten auf dem Feld steht oder nicht. Da will natürlich jeder dabei sein.

Es geht nicht nur um den letzten Wurf, sondern darum, überhaupt in diesen Momenten auf dem Feld zu stehen und Verantwortung zu übernehmen. Das ist für mich ein Zeichen von Vertrauen.

Ich hatte auch schon Situationen, in denen ich gestartet bin, aber in den entscheidenden Momenten nicht gespielt habe. Hier ist das anders, und dieses Vertrauen weiß ich sehr zu schätzen.

Abschluss: Super, vielen Dank für das interessante Gespräch.

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