Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Die Saison der EWE Baskets Oldenburg hatte wirklich alles zu bieten: spektakuläre Gamewinner, einen Geschäftsführerwechsel, bittere Niederlagenserien, beeindruckende Siegesserien, Punkterekord, Pfiffe der eigenen Fans, das TOP FOUR in München und zahlreiche emotionale Höhen und Tiefen. Kaum eine Phase der Spielzeit verlief ruhig oder vorhersehbar

Alter Bekannter an der Seitenline

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Am 22.05.2025 lautete die Überschrift der News der EWE Baskets Oldenburg: „EWE Baskets setzen auf neues starkes Trainer-Ensemble“. Damit präsentierten die Oldenburger ihr neues Trainergespann rund um den ehemaligen Meistertrainer Predrag Krunić und das aufstrebende Trainertalent Lazar Spasić. Als zweiter Assistant Coach blieb weiterhin Franjo Borchers den EWE Baskets erhalten.

Diese Mitteilung sorgte bei den Fans für großen Diskussionsbedarf. Die Verpflichtung von Predrag Krunić wirkte auf viele eher so, als hätte kein anderer Trainer Interesse an dem Job gehabt. Gleichzeitig fragten sich zahlreiche Fans, warum man nicht direkt Lazar Spasić zum Headcoach gemacht hatte, schließlich konnte er in der Vergangenheit bereits einige Erfolge vorweisen. Zunächst hieß es jedoch abwarten – vor allem mit Blick auf den Kader, denn mit Seth Hinrichs stand zu diesem Zeitpunkt nur ein Spieler für die Saison 2025/26 unter Vertrag.

Je länger die Offseason dauerte, desto größer wurde allerdings die Vorfreude bei den Fans. Die Baskets konnten einige starke Spieler an die Hunte lotsen. Besonders die Verpflichtung von Nicho Tischler sorgte für Aufmerksamkeit, da er trotz laufenden Vertrags in Chemnitz nach Oldenburg wechselte. Auch Spieler wie Brian Fobbs, Chris Clemons und Filip Stanic lösten bei den Fans Euphorie aus.

Doch nicht nur auf dem Spielermarkt waren die Baskets aktiv: Mit Christian Andresen verpflichteten die Oldenburger außerdem einen neuen Geschäftsführer.

Vorbereitung und Saisonstart lief nicht wie gewollt

Die Testspiele verliefen anschließend wieder eher ernüchternd. Zwar konnten die Baskets das ein oder andere Spiel gewinnen, wirklich überzeugen konnte die Mannschaft die Fans jedoch nicht. Immer wieder wurde kritisiert, dass das Team zu abhängig vom Dreipunktwurf sei und man auf diese Weise langfristig nur schwer Spiele gewinnen könne. Zu allem Überfluss verletzte sich dann auch noch Dakarai Tucker, der mit großen Erwartungen als sogenannter „3-and-D“-Spieler nach Oldenburg gekommen war.

Vor dem Saisonstart wurde schließlich das Ziel der direkten Playoff-Teilnahme ausgegeben. Entsprechend gespannt blickten die Fans auf das erste Pflichtspiel gegen die Eisbären Bremerhaven in der ÖVB Arena im BBL-Pokal. Die Partie gewannen die Oldenburger deutlich mit 97:75 – eigentlich ein Ergebnis, das für ein positives Gefühl vor dem Start in die BBL-Saison hätte sorgen sollen. Doch bereits in diesem Spiel wurde sichtbar, dass die Baskets vor allem defensiv noch einige Probleme hatten. Durch das aggressive Hedging der Oldenburger kamen die Bremerhavener immer wieder zu einfachen Punkten. Gewonnen wurde das Spiel letztlich über die Offensive. Vor allem Chris Clemons zeigte erstmals seine offensive Klasse und erzielte 23 Punkte bei einer Dreierquote von 60 Prozent.

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Kurz darauf stand das BBL-Debüt der neu zusammengestellten Mannschaft an. Vor 6.200 Zuschauern – ausgestattet mit gelben T-Shirts von der EWE – ging es in eigener Halle gegen die Skyliners Frankfurt. Das erste Viertel verlief fulminant: Die Oldenburger gewannen den Abschnitt mit 22:9 und zwangen Frankfurt allein im ersten Viertel zu sieben Ballverlusten. Doch die Euphorie hielt nicht lange an. Die Skyliners stellten sich schnell auf das Oldenburger Spiel ein und gewannen am Ende deutlich mit 89:75. Viele Fans dürften die Halle an diesem Abend mit gemischten Gefühlen verlassen haben.

Fans pfeifen die eigene Mannschaft aus

Anschließend folgten zwei weitere Niederlagen gegen Ratiopharm Ulm und Telekom Baskets Bonn, bevor es zum Duell mit dem Aufsteiger Jena kam. Ein Spiel, das die Oldenburger Spieler wohl nicht so schnell vergessen werden. Bereits zur Halbzeit lagen die Baskets mit 31:58 zurück, woraufhin es erstmals in der Saison Pfiffe von den eigenen Fans gab. Dem Oldenburger Publikum war deutlich anzumerken, wie groß die Unzufriedenheit zu diesem Zeitpunkt bereits geworden war.

Eine Woche später, am 18. Oktober, hatten die EWE Baskets Oldenburg dann im Achtelfinale des BBL-Pokals die Chance zu zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Überraschend gelang ein Sieg gegen Würzburg Baskets, die zu diesem Zeitpunkt weit oben in der Tabelle standen. Es war kein schönes Spiel – auf beiden Seiten reihten sich Fehlwürfe aneinander – doch am Ende setzten sich die Oldenburger knapp mit 61:60 durch und lösten damit das Ticket für das Viertelfinale. Die anschließende Auslosung ergab für viele Fans ein perfektes Los: das Derby gegen Rasta Vechta.

Im nächsten Ligaspiel folgte erneut ein Heimspiel – und eines, das Spielern wie Fans wohl noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Chris Clemons gelang es, unglaubliche 52 Punkte in einer Partie zu erzielen und damit den Oldenburger Punkterekord von Tyron McCoy einzustellen. Besonders beeindruckend war dabei seine Wurfquote: Clemons traf 9 seiner 11 Dreipunktewürfe sowie 18 seiner 25 Würfe aus dem Feld.

War das jetzt die Wende?

War das endlich die Befreiungsschlag, auf den die Fans gewartet hatten? Sollte die Saison nun richtig ins Rollen kommen? Die Antwort lautete zunächst: noch nicht. Direkt im Anschluss setzte es wieder zwei Niederlagen in der Liga. Gegen die Rostock Seawolves wurden die Oldenburger regelrecht auseinandergenommen, und auch bei den MHP Riesen Ludwigsburg gab es trotz eines eher schwachen Gegners nichts zu holen.

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Und so war es erneut der Pokal, der bei den EWE Baskets Oldenburg für Furore sorgte. Im Derby bei Rasta Vechta entwickelte sich ein heiß umkämpftes Spiel bis in die Schlusssekunden. Schließlich war es wieder Chris Clemons, der mit einem Gamewinner von der Dreierlinie den Sieg für die Oldenburger sicherte und das Team damit zum Top Four nach München schickte. Besonders bei Predrag Krunić war nach der Schlusssirene deutlich zu erkennen, wie viel Erleichterung von ihm abfiel. Möglicherweise ging es zu diesem Zeitpunkt bereits um seinen Job. Die große Frage lautete daher erneut: War das endlich die Wende der Saison?

Auch diese Frage ließ sich schnell beantworten – nein. Es folgten direkt die nächsten beiden Niederlagen, diesmal gegen Bamberg Baskets und erneut gegen die Würzburg Baskets. Dabei zeigte sich immer wieder das gleiche Muster: Eine Halbzeit lang konnten die Oldenburger meist mithalten, doch sobald die Gegner ihre Defensive anpassten und die Intensität erhöhten, brach das Spiel der Baskets häufig auseinander und die Niederlagen wurden am Ende deutlich. So standen Donnervögel auf dem letzten Platz mit nur einem Sieg aus 9 Spielen.

Damit war die Trennung von Predrag Krunić letztlich nicht mehr abzuwenden. Die Gesellschafter – und nicht etwa Sportdirektor und Geschäftsführer Serdjan Klarić – entschieden sich dazu, getrennte Wege zu gehen. Am 07.12.2025, zwei Tage nach der Niederlage in Würzburg, wurde Lazar Spasić schließlich zum neuen Headcoach ernannt. Gleichzeitig rückte Franjo Borchers zum ersten Assistant Coach auf.

Neuer Trainer, neue Euphorie

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Das erste Spiel unter dem neuen Headcoach Lazar Spasić hatte es direkt in sich: Es ging gegen den deutschen Meister FC Bayern München Basketball. Zwar verloren die Oldenburger die Partie knapp, doch die Mannschaft wirkte deutlich besser eingestellt als noch in den Wochen zuvor.

Genau dieser Eindruck sollte sich anschließend bestätigen. Die EWE Baskets Oldenburg starteten unter Spasić eine beeindruckende Serie von fünf Siegen in Folge. Vor allem die ersten drei Erfolge waren äußerst dominant: zunächst ein klarer Sieg in Braunschweig, anschließend ein deutlicher Erfolg in Hamburg und danach ein überzeugender Derby-Sieg in Vechta.

Hinzu kam ein echter Achtungserfolg gegen Alba Berlin, das die Oldenburger Anfang des Jahres mit 73:70 besiegten – erneut entschieden durch einen Gamewinner-Dreier von Chris Clemons. Die Stimmung rund um das Team wurde immer positiver. Spieler wie Nicho Tischler und Brian Fobbs betonten mehrfach, dass Spasić klare Rollen verteilt, intensive Gespräche mit den Spielern geführt und vor allem die Verteidigung verändert habe. Statt des aggressiven Hedgings setzte Oldenburg nun häufiger auf eine flachere Defensive. Auch offensiv lief der Ball deutlich besser, mehr Spieler wurden eingebunden und zusätzlich etablierte sich ein funktionierendes Post-up-Spiel.

Zwar folgte zwischenzeitlich eine überraschende Niederlage gegen den Tabellenletzten MLP Academics Heidelberg, doch direkt danach gelangen wieder drei starke und deutliche Siege gegen den Syntainics MBC, Niners Chemnitz und erneut gegen die MHP Riesen Ludwigsburg.

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Dabei geriet fast in den Hintergrund, dass am 22. Januar der Vertrag mit Geschäftsführer Christian Andresen aufgelöst wurde. Seine Aufgaben übernahm anschließend Daniel Pleines.

Das TOP FOUR in München und der Beginn einer neuen Schwächephase

Alles deutete plötzlich darauf hin, dass die Oldenburger beim TOP FOUR am 21. und 22. Februar in München sogar Chancen auf den Pokalsieg haben könnten. So stark präsentierte sich das Team in den Wochen zuvor. Doch unmittelbar vor dem Turnier begannen die Probleme: Bereits am Mittwoch vor dem Top Four mussten mehrere Spieler verletzungsbedingt pausieren, und auch im Halbfinale gegen Alba Berlin wirkten einige Akteure nicht vollständig fit.

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Am Ende unterlagen die Oldenburger Berlin deutlich mit 78:98 und hatten dabei nie wirklich die Chance auf den Sieg. Enttäuscht ging es anschließend in die Länderspielpause.

Während dieser Pause fand ein Dauerkarten-Fantalk statt, bei dem Daniel Pleines und Lazar Spasić zu Gast waren. Dort drehte sich vieles bereits um die kommende Saison. Der junge serbische Coach hatte sich innerhalb kürzester Zeit in die Herzen der Oldenburger Fans gecoacht, weshalb sich viele die Frage stellten, ob er auch in der nächsten Saison an der Hunte bleiben würde. Zahlreiche Aussagen deuteten klar darauf hin, dass Spasić langfristig etwas aufbauen wolle und die Kaderplanung für die kommende Spielzeit bereits in vollem Gange sei. Entsprechend verließen viele Fans das CORE damals mit einem äußerst positiven Gefühl.

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Nach der Länderspielpause gerieten die EWE Baskets Oldenburg allerdings erneut in eine Schwächephase und konnten nur drei der folgenden sieben Spiele gewinnen. Darunter waren auch deutliche Heimniederlagen gegen Rasta Vechta und die Veolia Towers Hamburg. In der Arena wurden daraufhin wieder vermehrt Pfiffe laut, denn phasenweise wirkte es so, als würde es der Mannschaft vor allem an Energie und Intensität fehlen. Gleichzeitig kam erneut die Diskussion auf, ob Lazar Spasić wirklich der richtige Trainer für die Zukunft sei – oder ob der Aufschwung zuvor lediglich auf einen besonders langen Trainereffekt zurückzuführen gewesen war.

Erneut wichtiger Dreier von Clemons leitet erfolgreiche Phase ein

Wieder einmal war es Chris Clemons, der in der Crunchtime Verantwortung übernahm. Ein wichtiger Dreipunktewurf kurz vor Schluss brachte den Oldenburgern einen Auswärtssieg bei Alba Berlin und leitete gleichzeitig eine kleine Erfolgsserie vor dem letzten Doppelspieltagswochenende der Saison ein.

In den darauffolgenden Partien mussten sich die Oldenburger lediglich dem amtierenden Pokalsieger Bamberg Baskets geschlagen geben. Gegen die Rostock Seawolves und die MLP Academics Heidelberg gelangen dagegen wichtige Siege.

Damit arbeiteten sich die Oldenburger immer näher an die Play-Ins heran. Die Hoffnung auf eine Playoff-Teilnahme lebte plötzlich wieder – etwas, das in Oldenburg früher beinahe selbstverständlich gewesen war. In den vergangenen Jahren waren die Playoffs zwar regelmäßig als Saisonziel ausgegeben worden, am Ende jedoch meist außer Reichweite geblieben. Doch diesmal schien die Chance tatsächlich wieder greifbar zu sein.

Spasić wohl nicht mehr Trainer in der neuen Saison – und das Verpassen der Play-Ins

Doch das letzte Spieltagswochenende hatte es noch einmal in sich. Die EWE Baskets Oldenburg trafen zunächst auf die bereits abgestiegenen Braunschweiger. Dabei fehlte den Oldenburgern über weite Strecken jegliche Energie. Den Spielern war kaum anzumerken, dass sie dieses Spiel unbedingt gewinnen wollten. Die Partie plätscherte lange Zeit vor sich hin, doch am Ende reichte es dennoch zu einem Sieg. Damit hatten sich die Oldenburger eine Ausgangslage geschaffen, in der die Teilnahme an den Play-Ins weiterhin möglich war. Dafür musste allerdings ein Erfolg gegen den bereits feststehenden Hauptrundensieger FC Bayern München Basketball her.

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Noch vor dem entscheidenden Spiel gegen München folgte dann jedoch der große Schock für viele Fans: Rupert Fabig berichtete im Hamburger Abendblatt, dass Lazar Spasić in der kommenden Saison wohl nicht mehr Trainer der Oldenburger sein werde. Offenbar ziehe es den jungen Serben ins Ausland.

Bereits vor dem letzten Spieltag machte sich dadurch große Enttäuschung rund um den Verein breit. Viele Fans hatten gehofft, dass Spasić in Oldenburg langfristig etwas aufbauen würde. Die Hoffnung war groß gewesen, mit ihm endlich wieder das oft formulierte Ziel der Playoff-Teilnahme zu erreichen und den Verein nachhaltig zurück in die Erfolgsspur zu führen.

In München folgte schließlich ein weiterer enttäuschender Auftritt der EWE Baskets Oldenburg, bei dem der Mannschaft über weite Strecken erneut die nötige Energie fehlte. Besonders der Start in die Partie vermittelte den Eindruck, dass der unbedingte Wille, dieses Spiel gewinnen zu wollen, nicht bei allen Spielern vorhanden war – und das, obwohl die Münchener auf mehrere Leistungsträger verzichteten, darunter sogar Saison-MVP Andreas Obst.

Am Ende verloren die Oldenburger die Partie, verpassten damit die Play-Ins und die Saison fand schließlich ein enttäuschendes Ende.

Kehrt nächste Saison endlich Ruhe ein?

Eines lässt sich in jedem Fall festhalten: Langweilig wurde es in den vergangenen Jahren bei den EWE Baskets Oldenburg definitiv nicht. Mit dem nächsten Neustart würde der Verein bereits mit dem siebten Trainer innerhalb von nur fünf Spielzeiten in eine neue Saison gehen – eine enorme Fluktuation für einen Klub, der einst vor allem für Kontinuität und klare Strukturen stand.

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Viele Fans wünschen sich deshalb inzwischen vor allem eines: etwas Ruhe am Standort Oldenburg. Nach Jahren voller Trainerwechsel, sportlicher Schwankungen und ständiger Neuanfänge sehnen sich viele Anhänger danach, dass der Verein wieder langfristig an einer klaren Vision und einer nachhaltigen sportlichen Ausrichtung arbeiten kann.

Doch bevor diese Ruhe einkehren kann, steht zunächst einmal eine spannende Offseason bevor. Die wohl größte Frage dabei lautet: Wer wird neuer Trainer in Oldenburg? Entscheiden sich die Verantwortlichen erneut für einen jungen, aufstrebenden Coach – ähnlich wie zuletzt bei Lazar Spasić – oder setzt man wieder auf einen erfahrenen und bekannten Namen aus der Basketball Bundesliga?

Fragen über Fragen, auf die die Fans am liebsten schon jetzt Antworten hätten.

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