Ein wichtiger Bestandteil des Pick and Roll ist das Verständnis dafür, wie die gegnerische Verteidigung grundsätzlich rotiert. Die meisten Teams folgen bestimmten Mustern im Umgang mit Screens, auch wenn sie ihre defensive Grundausrichtung situativ anpassen. Eine häufig genutzte Variante ist die sogenannte Low-Drop-Verteidigung.

Dieser Artikel beleuchtet offensive Lösungen gegen Low-Drop- und High-Drop-Verteidigungen im Pick and Roll. Dabei wird unter anderem das häufig eingesetzte Pick and Pop vorgestellt – eine Variante des Pick and Roll, die sich ebenfalls effektiv gegen beide Defensivformen einsetzen lässt.

Pick and Roll Offensive gegen die Low Drop Verteidigung

In einer Low Drop Verteidigung bleibt der verteidigende Big Man weit zurück und schützt primär die Zone sowie den Korb. Ziel ist es, einfache Abschlüsse am Ring zu verhindern und den Ballführer zu Würfen aus der Mitteldistanz oder von außen zu zwingen.

Abbildung 1. Pick and Roll gegen eine Low Drop Verteidigung. (Grafik erstellt mit Basketball Play Creator App – Easily Draw Plays in the Browser)

Um gegen eine Low-Drop-Defense im Pick and Roll erfolgreich zu sein, muss die Offensive die von der Verteidigung entstehenden Räume gezielt nutzen. Eine Möglichkeit dafür ist das bereits erwähnte Pick and Pop, eine Variante des Pick and Rolls. Dabei stellt der Center oder Power Forward zunächst einen Block wie beim klassischen Pick and Roll. Anstatt jedoch zum Korb abzurollen, bewegt er sich nach dem Block an die Dreipunktlinie oder in die Mitteldistanz („pop out“). Geht der verteidigende Guard unter dem Block hindurch, entsteht häufig ein Moment, in dem der Center angespielt werden kann und einen offenen Wurf erhält. Verfügt dieser über einen zuverlässigen Distanzwurf und trifft seine Würfe konstant, kann dies die gegnerische Mannschaft dazu zwingen, ihre Verteidigungsstrategie anzupassen. Dadurch können sich wiederum größere Räume in der Zone öffnen.

Abbildung 2. Schema des Pick and Pop. (Grafik erstellt mit Basketball Play Creator App – Easily Draw Plays in the Browser)

Ein weiteres wirksames Mittel gegen die Low-Drop-Verteidigung ist der High Screen, also ein sehr hoch gestellter Block. Dadurch entsteht auf Höhe der Dreipunktlinie mehr freier Raum für den Ballführer.

Ein High Screen eröffnet dabei zwei besonders effektive Optionen gegen die Low Drop: den Drive zum Korb und den Pull-up-Dreier. Beim Drive können Ballführer und Blocksteller durch den höher gesetzten Block mehr Geschwindigkeit aufnehmen und mit mehr Dynamik Richtung Korb angreifen. Obwohl die Low-Drop-Verteidigung darauf ausgelegt ist, diesen 2-gegen-1-Angriff zu verteidigen, wird dies durch das zusätzliche Tempo deutlich erschwert.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den gewonnenen Raum für einen Pull-up-Dreier zu nutzen. Da der Ballführer durch den hohen Screen mehr Platz und Zeit erhält, kann er direkt aus dem Dribbling in seinen Wurf gehen und so die Schwäche der Low-Drop-Verteidigung ausnutzen.

Abbildung 3. Gegen die Low Drop Verteidigung einen High Screen nutzen. (Grafik erstellt mit Basketball Play Creator App – Easily Draw Plays in the Browser)

Pick and Roll gegen die High-Drop-Verteidigung

Um den Raum auf Höhe der Dreipunktlinie besser zu verteidigen und die Schwächen der Low-Drop-Verteidigung zu beheben, wurde die High-Drop Verteidigung entwickelt. Diese Variante schließt die offenen Räume im oberen Bereich des Feldes und schützt gleichzeitig einen der effizientesten Abschlüsse im Basketball – den Korbleger. Dabei folgt sie dem Prinzip „No Man Behind“, bei dem sich stets ein Verteidiger zwischen Ball und Korb befindet. Zudem zwingt die High-Drop-Verteidigung die Offense weiterhin zu einem der ineffizientesten Würfe im Basketball, dem langen Zweipunktewurf.

Wie jede Verteidigungsstrategie ist jedoch auch die High Drop nicht frei von Schwächen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sie gezielt anzugreifen und ihre Nachteile für die eigene Offensive auszunutzen.

Abbildung 4. Pick and Roll gegen eine Low Drop Verteidigung. (Grafik erstellt mit Basketball Play Creator App – Easily Draw Plays in the Browser)

Snake Dribble

Eine effektive Variante gegen die High-Drop-Verteidigung ist das Snake Dribble. Dabei handelt es sich um eine Pick and Roll-Technik, bei der der Ballführer nach der Nutzung eines Blocks nicht direkt zum Korb oder zur Seitenlinie zieht. Stattdessen kreuzt er vor dem verteidigenden Big Man und dribbelt quer durch die Zone beziehungsweise in den freien Raum. Dadurch schneidet er dem Verteidiger den Weg ab, hält seinen eigenen Verteidiger hinter sich und kontrolliert Tempo sowie Richtung des Angriffs. Diese Bewegung ermöglicht es ihm, die Rotationen und Hilfen der Verteidigung besser zu lesen und passende Entscheidungen zu treffen. So entstehen häufig gute Wurfmöglichkeiten aus der Mitteldistanz, Floater oder Anspiele auf den zum Korb abrollenden Blocksteller. Aufgrund dieser Vorteile stellt das Snake Dribble eine wirksame Möglichkeit dar, die High-Drop-Verteidigung anzugreifen und die entstehenden Räume optimal zu nutzen.

Abbildung 5. Snake Dribble Schema. (Grafik erstellt mit Basketball Play Creator App – Easily Draw Plays in the Browser)

Quick Pocket Pass

Eine weitere Variante gegen die High-Drop-Verteidigung ist der Quick Pocket Pass. Hier wird jetzt der erste Spielzug mit mehr als 2 Spieler vorgestellt. Um die Einführung besser hinzubekommen, wird erst noch die Weak side erklärt. Im Basketball bezeichnet die Weak Side (ballferne Seite) die Seite des Spielfelds, auf der sich der Ball nicht befindet. Das Gegenteil ist die Strong Side (ballnahe Seite), also die Seite, auf der der Ballführer und die aktuelle Aktion stattfinden.

Bei der High-Drop-Verteidigung positioniert sich der verteidigende Big Man auf der Zugseite des Ballführers und bewegt sich rückwärts, um dessen Weg zum Korb zu kontrollieren. Rückt der Verteidiger dabei jedoch zu weit in Richtung Ballführer, kann sich eine Lücke für den zum Korb abrollenden Blocksteller öffnen. Dieser erhält dadurch die Möglichkeit, den Ball in einer vorteilhaften Position zu fangen und einen einfachen Abschluss am Korb zu erzielen. Viele Defensivsysteme sind jedoch auf diese Situation vorbereitet und nehmen bewusst in Kauf, dass der abrollende Big Man den Ball erhält, anstatt dem Ballführer die Kontrolle über die Aktion zu überlassen. Um den Roll Man zu verteidigen, wird daher häufig ein zusätzlicher Helfer von der Weak side eingesetzt, der sogenannte Tag Defender.

In dieser Situation ist die Entscheidungsfindung des Ballführers von zentraler Bedeutung. Er muss erkennen, von welcher Position die Hilfe kommt und wie die anschließenden Rotationen der Verteidigung erfolgen. Auf Grundlage dieser Informationen kann er die entstandenen Räume gezielt nutzen und freie Mitspieler finden und den Quick Pocket Pass spielen. Mögliche Optionen sind beispielsweise ein Pass auf den ursprünglich vom Helfer verteidigten Spieler, ein Täuschungspass mit anschließendem Zuspiel auf den Roll Man oder ein Pass auf den Spieler, dessen Verteidiger zur Absicherung der Hilfe rotieren musste. Durch das frühzeitige Erkennen dieser Rotationen kann die High-Drop-Verteidigung effektiv bespielt werden.

Abbildung 6 Schema des Quick Pocket Pass. (Grafik erstellt mit Basketball Play Creator App – Easily Draw Plays in the Browser)

Pick and Pop gegen High-Drop-Verteidigung

Das Pick and Pop wurde bereits im Zusammenhang mit der Low-Drop-Verteidigung beschrieben. Grundsätzlich kann diese Aktion auch gegen eine High-Drop-Verteidigung eingesetzt werden. Während das grundlegende Prinzip unverändert bleibt, wird das Pick and Pop in dieser Situation häufig eher als taktisches Mittel zur Täuschung genutzt. Aufgrund der höheren Positionierung des verteidigenden Big Man ergeben sich dabei andere Anforderungen an die Ausführung. Da sich dieser näher am Blocksteller befindet, kann er schneller auf dessen Bewegung nach außen reagieren und einen möglichen Wurf erschweren.

Aus diesem Grund dient das Pick and Pop gegen eine High-Drop-Verteidigung häufig weniger als direkte Abschlussoption, sondern vielmehr dazu, die Verteidigung zu binden und zu manipulieren. Indem der Ballführer den Eindruck vermittelt, den nach außen ausweichenden Blocksteller anspielen zu wollen, lenkt er die Aufmerksamkeit der Verteidiger auf diese Passoption. Dadurch können freie Räume für den eigenen Zug zum Korb entstehen. Besonders wirkungsvoll ist diese Strategie in Kombination mit dem Snake Dribble, da der Ballführer die Reaktion der Verteidigung ausnutzen und die entstehenden Lücken gezielt attackieren kann. Auf diese Weise lässt sich die High-Drop-Verteidigung unter Druck setzen und die Effektivität des Pick-and-Roll-Spiels steigern.

Ausblick

In diesem Artikel wurden ausschließlich die Low-Drop- und die High-Drop-Verteidigung betrachtet. Neben diesen Verteidigungsformen existieren jedoch weitere Pick and Roll-Verteidigungen, wie beispielsweise die Ice Defense, die Weak Defense oder die Hedge Defense. Diese Verteidigungsarten sowie geeignete Lösungen und Angriffsmöglichkeiten aus dem Pick and Roll werden im nächsten Artikel näher erläutert.

Quelle: The All-In-One Basketball Coaching Suite | The Hoops Geek

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