
Ich habe mich mit Milenko Bogićević, dem neuen Trainer der EWE Baskets, getroffen und mit ihm ausführlich über Spielerscouting, Teambuilding und die Bedeutung klarer Rollen gesprochen. Dabei ging es auch um seine Philosophie in Offense und Defense, den Einfluss von Daten und Advanced Stats sowie die Frage, wie viel Freiheit Spieler innerhalb eines Systems bekommen sollten. Ein Gespräch über seine Sicht auf modernen Basketball, seine Erfahrungen als Trainer und darüber, was am Ende ein funktionierendes Team ausmacht.
Frage: Hast du neben Basketball noch ein Hobby?
Bogićević: Ich habe eine große Familie und drei Kinder. Eigentlich dreht sich mehr oder weniger alles um sie. Meine beiden älteren Kinder spielen Basketball, das jüngste Fußball. Dadurch bin ich ständig mit irgendeiner Sportart beschäftigt. Entweder verbringe ich Zeit mit ihnen oder ich schaue Fußball, denn ich bin ein großer Fußballfan.
Viel Zeit mit meiner Familie habe ich allerdings nicht, weil ich hier lebe und meine Familie in Belgrad ist. Ein richtiges Hobby habe ich deshalb eigentlich nicht. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche mit meiner Familie verbringen. Wenn man das als Hobby bezeichnen möchte, dann ist das wohl mein Hobby. Eigentlich ist es aber keine Hobby, sondern große Liebe.
Frage: Dann kommen wir zum Thema Spielerverpflichtungen. Du hast in einigen Interviews gesagt, dass der Charakter bei der Verpflichtung eines Spielers für dich am wichtigsten ist. Wie beurteilst du den Charakter eines Spielers vor einer Verpflichtung?
Bogićević: Vieles davon kann man erkennen, wenn man weiß, worauf man achten muss. Man beobachtet die Reaktionen der Spieler und zum Beispiel, wie sie in der Defense spielen. Ich erinnere mich an einen Podcast mit Fußballtrainern, in dem es darum ging, worauf sie bei der Auswahl von Spielern besonders achten. Ein Punkt war die Reaktion eines Spielers nach einem Fehler.
Daran kann man tatsächlich viel erkennen. Wie reagiert ein Spieler, wenn ihm ein Fehler unterläuft? Hat er die Leidenschaft und den Willen, sofort zurückzukommen, weiterzukämpfen und es beim nächsten Mal besser zu machen? Das kann viel über seinen Charakter aussagen.
Das ist ein wichtiger Teil des Recruitings. Ich habe das Glück, seit fast 20 Jahren im Ausland zu arbeiten und dadurch ein großes Netzwerk aus Kollegen, Trainern und General Managern aufgebaut zu haben. Das hilft natürlich, möglichst viele Informationen über einen Spieler zu bekommen.
Zunächst schaut man sich die Spiele und Videos an, anschließend versucht man, so viele und so gute Informationen wie möglich über den Spieler zu sammeln. Das ist der Prozess. Dafür muss man sich aber Zeit nehmen.
Frage: Du hast gerade schon angesprochen, dass du dir Spiele und Videos anschaust. Bevor ihr einen Spieler verpflichtet, führst du aber wahrscheinlich auch ein persönliches Gespräch mit ihm. Gibt es dabei bestimmte Fragen, die du stellst, um mehr über seinen Charakter herauszufinden?
Bogićević: Genau. In persönlichen Gesprächen kannst du herausfinden, was für einen Spieler akzeptabel ist und was nicht. Einige Dinge müssen dabei von Anfang an klar sein.
Danach ist aber auch die Gruppe wichtig. Nicht jeder Spieler bringt automatisch die gleiche kämpferische Mentalität mit. Wenn du jedoch eine starke Gruppe hast, kann auch ein Spieler mit weniger ausgeprägtem Kampfgeist davon profitieren und sich etwas von seinen Mitspielern abschauen.
Frage: Ja. Und in einem Team gibt es natürlich unterschiedliche Rollen. Wählst du die Spieler auch anhand ihres Charakters für bestimmte Rollen aus, oder entwickelst du die Rollen im Team abhängig von den jeweiligen Charakteren?
Bogićević: Bei wichtigen Positionen wie dem Point Guard ist eine gewisse Führungsqualität sicher wichtig. Auch der zweite Guard braucht einen bestimmten Charakter. Grundsätzlich spielt die Position aber keine entscheidende Rolle. Beim Recruiting geht es darum, ein Team zusammenzustellen, in dem jeder Spieler den richtigen Charakter mitbringt.
Auch ein Center muss mental stark sein, schließlich geht es dort viel um Kampf, Körperkontakt und Rebounds. Jeder Spieler muss Charakter, Aggressivität und die Bereitschaft mitbringen, sich durchzusetzen. Beim Leadership gibt es vielleicht einen kleinen Unterschied. Ein Point Guard braucht davon etwas mehr, weil der Ball häufig in seinen Händen liegt und er dadurch mehr Verantwortung für das Spiel trägt.
Frage: Und wenn die Spieler dann zum Team stoßen, wie legst du die unterschiedlichen Rollen fest? Du hast in einem Team verschiedene Rollen. Wie stellst du sicher, dass jeder Spieler mit seiner Rolle zufrieden ist und sich darin wohlfühlt?
Bogićević: Das ist ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit. Die Rollen innerhalb eines Teams müssen klar definiert sein. Als Trainer besteht ein Teil unserer Aufgabe natürlich aus Xs und Os, also aus Taktik und Spielsystem. Aber das ist eben nur ein Teil. Der andere wichtige Punkt ist, jedem Spieler seine Rolle klar zu vermitteln.
Natürlich kann man es in unserem Job nicht jedem recht machen. Gerade bei den Rollen darf ein Trainer keine Angst davor haben, klare Entscheidungen zu treffen. Jeder Spieler muss wissen, welche Aufgabe er hat und was von ihm erwartet wird.
Wenn ein Trainer versucht, es allen recht zu machen, zu viele Kompromisse einzugehen oder Dinge zu tun, hinter denen er selbst nicht steht, verliert er am Ende seine eigene Linie und damit auch die Klarheit der Rollen. Deshalb müssen die Rollen wirklich eindeutig sein, sodass jeder versteht, wo sein Platz im Team ist.
Das funktioniert über Einzelgespräche, über Gespräche mit der gesamten Gruppe und darüber, offen zu kommunizieren, wer welche Verantwortung trägt. Jeder muss wissen, was seine Aufgabe ist und welchen Beitrag er zum Team leisten soll. Ich denke, das ist ein wirklich wichtiger Teil unserer Arbeit.

Frage: Du warst lange Zeit Assistant Coach und bist mittlerweile seit vier Jahren Head Coach. Hattest du als Assistant Coach bereits Verantwortung dafür, solche Regeln und Strukturen im Team festzulegen, oder hast du das damals eher von den Head Coaches gelernt und diese Verantwortung erst übernommen, als du selbst Head Coach wurdest?
Bogićević: Diese Verantwortung liegt grundsätzlich beim Head Coach. Ich hatte allerdings das große Glück, 13 Jahre mit Saša Obradović zusammenzuarbeiten. Er hat mir sehr vertraut und mir ermöglicht, bestimmte Dinge selbstständig zu übernehmen.
Auch als Assistant Coach ist es wichtig, den Spielern manchmal zu erklären, was von ihnen erwartet wird. Gerade wenn Spieler mit ihrer Rolle unzufrieden oder frustriert waren, konnte ich vermitteln und ihnen erklären, was der Trainer von ihnen möchte.
Die klare Definition der Rollen liegt aber letztlich beim Head Coach. Er muss dafür sorgen, dass diese Erwartungen eindeutig kommuniziert werden.
Frage: Du hast gerade gesagt, dass die Arbeit als Trainer aus zwei großen Bereichen besteht. Zum einen geht es darum, die Spieler in ihre Rollen zu bringen, zum anderen um die Xs und Os, also die taktische Arbeit. Du hast dabei schon Saša Obradović erwähnt. Wie viel von Saša Obradović steckt heute noch in deiner eigenen Spielphilosophie und deinen taktischen Ansätzen?
Bogićević: Auf jeden Fall ist Saša ein großer Teil davon. Wenn ich in meiner Karriere jemandem etwas zu verdanken habe, dann ihm. Er hat mich auf und neben dem Spielfeld stark geprägt. Ich habe viele Dinge von ihm übernommen, vor allem in der Defense, aber auch was Hingabe und Professionalität betrifft. Er ist einer der professionellsten Trainer, mit denen ich je gearbeitet habe.
Natürlich stammen einige Ideen von ihm und andere von mir. Ich hatte aber auch das Glück, mit Trainern wie zum Beispiel Saša Filipovski und Ronen Ginzburg zusammenzuarbeiten. Von all diesen Trainern habe ich etwas mitgenommen.
Gleichzeitig muss jeder Trainer seine eigene Philosophie und seinen eigenen Weg entwickeln. Man muss die Entwicklungen und Trends im Basketball verfolgen und sich ständig weiterentwickeln. Vieles habe ich von Saša übernommen, aber einige Ideen und Ansätze sind auch meine eigenen.
Frage: Kommen wir zu deiner eigenen Philosophie. In älteren Interviews hast du immer wieder gesagt, dass jeder Spieler in dein System eingebunden sein soll. Wie stellst du sicher, dass das tatsächlich funktioniert?
Bogićević: Wie ich schon gesagt habe, ist das System für mich das Wichtigste. Wenn alle ihm folgen, findet jeder seinen Platz. Dabei spielt es keine Rolle, ob Point Guard, Guard, Wing oder Big. Jeder hat seine Aufgabe.

Wenn du als Team zusammenspielst, den Ball teilst und füreinander spielst, kann sich jeder einbringen. Dafür braucht es eine gute Teamchemie und die Bereitschaft, miteinander zu spielen.
Deshalb ist es so wichtig, dem System zu folgen. Wenn ein Spieler fehlt, kann ein anderer seine Rolle übernehmen. So kann jeder seinen Moment bekommen.
Ich glaube nicht, dass in jedem Spiel derselbe Spieler im Mittelpunkt stehen muss. Wir wollen die Möglichkeiten haben, dass in einem Spiel der eine Spieler besonders präsent ist und im nächsten ein anderer. So kann jeder irgendwann großen Einfluss auf das Spiel haben.
Frage: Hinter dieser Philosophie stehen natürlich auch konkrete Plays und taktische Ideen. Eine Sache ist mir dabei aufgefallen, sowohl bei dir als Head Coach in Weißenfels als auch jetzt hier: Du spielst teilweise mit einer Aufstellung aus drei Guards. Was steckt taktisch hinter dieser Idee?
Bogićević: Das ist etwas, das ich wirklich mag, und ich denke, es gehört zum modernen Basketball. 80 bis 85 Prozent des Spiels bestehen mittlerweile aus Pick and Roll. Eine Aufstellung mit drei Guards gibt dem Trainer die Möglichkeit, dass jeder dieser Spieler mit dem Ball Pick and Roll spielen und für sich selbst oder seine Mitspieler kreieren kann. Das ist für mich ein großer Vorteil.
In Weißenfels hatte ich bereits die Möglichkeit, mit einer solchen Aufstellung zu spielen, und ich denke, dass wir auch in dieser Saison davon profitieren können. Im Moment haben wir allerdings etwas Pech, weil Le’tre [Darthard] verletzt ist.
Ich mag aber auch das Spiel ohne Ball und den Einsatz von Off-Screens. Wenn das Pick and Roll einmal nicht funktioniert oder die Defense es gut verteidigt, brauchst du andere Möglichkeiten. Dann können Off-Screen-Situationen und Bewegung ohne Ball wichtige zusätzliche Optionen sein. Ich freue mich deshalb, dass wir auch in diesem Team Spieler haben, die uns diese Möglichkeiten geben.
Nicho [Tischler] kann beispielsweise aus der Guard-Position im Post-up kreieren. Dazu haben wir mit Marcel [Keßen] und Demajeo [Wiggins] zwei Spieler, die ebenfalls gute Optionen im Post-up sind. Das ist für uns ein großes Plus.
Aber um noch einmal auf die drei Guards zurückzukommen: Ich bin einfach ein großer Pick-and-Roll-Fan und mag es, wenn ich drei Spieler auf dem Feld habe, die mit dem Ball kreieren können.
Frage: Du hast gerade das Post-up angesprochen. Hast du das Gefühl, dass es im modernen Basketball langsam wieder wichtiger wird? In der vergangenen Saison haben beispielsweise Lazar Spasić und Svetislav Pešić wieder häufiger auf Post-ups gesetzt.
Bogićević: Ich denke, dass sich auch das Post-up im modernen Basketball verändert hat. Es gibt immer weniger klassische Spieler auf der Position fünf, die regelmäßig im Post-up spielen können. Stattdessen haben viele Teams größere Wings, die dort kreieren können.
Das Post-up ist also nicht verschwunden, sondern wird heute von unterschiedlichen Positionen genutzt. Ich glaube deshalb, dass es wieder etwas wichtiger werden kann. Vielleicht nicht unbedingt über den klassischen Center, sondern auch über die Vier oder sogar über Guards. Entscheidend ist nicht die Position, sondern ob ein Spieler im Post-up kreieren kann.
Ich denke, das hat man auch bei Pešić gesehen. Er hatte Spieler, die diese Fähigkeit mitgebracht haben. Das Post-up wird meiner Meinung nach immer ein Teil des Basketballs bleiben, nur vielleicht auf unterschiedliche Art und Weise.
Frage: Wann hinterfragst du dein eigenes System am meisten? Zu Beginn der Saison, wenn du mit neuen Spielern arbeitest, während einer negativen Phase in der Saison oder vielleicht kurz vor den Playoffs?
Bogićević: Ich denke, dass jeder Trainer irgendwann Zweifel hat. Aber es wäre schlecht, wenn man grundsätzlich an seinem eigenen System zweifelt. Deshalb müssen wir uns immer kritisch hinterfragen, analysieren, was nicht funktioniert, und unsere eigenen Fehler erkennen.
Kleine Anpassungen sind notwendig, aber das System und die eigene Philosophie dürfen nicht ständig infrage gestellt werden. Wenn du alles grundlegend veränderst, kann das schnell zum Problem werden.
Natürlich müssen wir uns auch an einzelne Spieler anpassen, wenn bestimmte Dinge für sie nicht funktionieren. Grundsätzlich müssen wir unser System aber schützen und daran festhalten. Am Ende der Saison sehen wir dann, ob es funktioniert hat oder nicht.

Frage: Okay. Auch wenn du sechs Spiele in Folge verlierst?
Bogićević: Wenn du sechs Spiele in Folge verlierst, kann das viele verschiedene Gründe haben. Vielleicht funktioniert das System nicht, vielleicht liegt es am Trainer, vielleicht funktionieren bestimmte Dinge mit den Spielern nicht. Es kann vieles sein.
Wie ich gesagt habe, ist eine solche Phase auf jeden Fall ein Alarmsignal dafür, dass etwas nicht richtig läuft. Es wäre sicherlich nicht gut, wenn wir darauf nicht reagieren würden. Natürlich müssen dann Anpassungen vorgenommen werden.
Aber wie gesagt, ein Trainer darf dabei nicht anfangen, grundsätzlich an seinem System zu zweifeln. Du musst analysieren, was nicht funktioniert, die notwendigen Anpassungen vornehmen und gleichzeitig an deiner grundlegenden Philosophie festhalten.
Frage: Arbeitest du im Hintergrund auch mit Kennzahlen wie Advanced Stats oder welche Hilfsmittel nutzt du, um eure Spiele zu analysieren und zu bewerten?
Bogićević: Wir arbeiten mit verschiedenen Statistiken. Mittlerweile gibt es sehr viele Programme, die uns unterschiedliche Daten zur Verfügung stellen. Dazu kommen interne Statistiken für offensive und defensive Aspekte. Wir schauen uns an, was produktiv ist, was nicht funktioniert und in welchen Bereichen wir uns verbessern müssen.
Ich denke, das ist einfach Teil einer neuen Ära im Basketball. Durch neue Technologien und auch künstliche Intelligenz gibt es immer mehr Möglichkeiten, Daten zu erfassen und zu analysieren. Ich glaube, auch in der NBA wird zunehmend damit gearbeitet. Diese Möglichkeiten müssen wir als Trainer nutzen.
Gleichzeitig komme ich aber immer wieder auf das zurück, was ich als Coaching-Gefühl bezeichnen würde. Zahlen sind nicht immer nur Zahlen und Statistiken können nicht das gesamte Bild abbilden. Sie sind deshalb nicht falsch, zeigen aber manchmal nicht alles.
Deshalb müssen wir uns auch auf unser Gefühl und unsere Erfahrung verlassen. Beides ist für einen Trainer genauso wichtig wie die statistischen Daten.
Frage: Ich denke, das beste Beispiel dafür ist die Defense. Es gibt schließlich keine wirklich aussagekräftigen Zahlen, mit denen man die individuelle Defensivleistung eines einzelnen Spielers messen kann, oder?
Bogićević: Doch, das kann man durchaus. Deshalb erfassen wir zum Beispiel auch bestimmte defensive Daten. Wir schauen uns an, wie erfolgreich unsere Pick-and-Roll-Coverages sind, wie viele Deflections wir haben oder wie oft wir bestimmte Dinge in unserer Defense umsetzen. Zum Beispiel, wie häufig wir bei unseren taktischen Vorgaben den Screen attackieren beziehungsweise den Ballhandler unter Druck setzen.
Wenn man solche defensiven Daten erfassen möchte, kann man das also durchaus machen. Und genau das tun wir auch in gewisser Weise.
Frage: Als ich mit Max DiLeo gesprochen habe, hat er gesagt, dass die Defense die Offense bestimmt. Wie wichtig ist dieser Gedanke für deine defensive Philosophie? Ich habe bei euch zum Beispiel beobachtet, dass ihr beim Pick and Roll häufig etwas hedgt, um den Ball aus den Händen des Point Guards zu bekommen und ihn zu bestimmten Entscheidungen zu zwingen.
Bogićević: Ich mag Max. Er hat diese Mentalität und war ein großartiger Defensivspieler. Vieles davon kommt aus seiner Energie, Härte und seinem Kampfgeist. In diesem Punkt teile ich seine Meinung.
Ich spiele sehr gerne eine aggressive und harte Defense. Das passt für mich zum modernen Basketball. Aus einer guten Defense heraus kannst du schnell nach vorne spielen und einfache Punkte über Fastbreaks bekommen.
Gerade defensiv machen wir aktuell einen guten Job und ich bin mit unserer Entwicklung zufrieden. Offensiv haben wir dagegen noch Luft nach oben. Wir müssen schneller spielen und mehr Tempo entwickeln.
Defensiv wollen wir an die Grenze gehen, auch an die Grenze des erlaubten Kontakts, und dabei immer mit einem hohen Energielevel spielen. Daran wollen wir festhalten.
Frage: Wann beginnt für dich die Defense innerhalb einer Possession?
Bogićević: Mit dem sogenannten Tagging beginnt die Defense heute eigentlich schon in der Offense. Das machen mittlerweile alle Teams. Nach einem Wurf, unabhängig davon, ob er getroffen oder verfehlt wird, beginnt die Defensive bereits damit, dass die Spieler ihre Gegenspieler kurz aufnehmen.
Dadurch gibst du deinem Team die Möglichkeit, den offensiven Rebound zu kontrollieren und gleichzeitig eng an den Gegenspielern zu bleiben. Wenn du nach einem Wurf schnell zurück in die Defense musst, kannst du so frühzeitig die Spieler aufnehmen und den Fastbreak des Gegners verhindern.
Für mich beginnt die Defense also bereits mit dem Wurf. In diesem Moment geht es schon darum, den Gegenspieler zu taggen. Danach geht es Schritt für Schritt zurück in die eigentliche Defense. Aber der erste defensive Impuls beginnt bereits mit dem Wurf.
Frage: Die Pick-and-Roll-Defense ist eine der schwierigsten Aufgaben in der Defense, weshalb sich viele verschiedene Varianten wie die Hedge-Defense entwickelt haben. Ist das vielleicht auch ein Grund, warum du gerne mit drei Guards spielst? Weil du dadurch mehrere Spieler auf dem Feld hast für die Pick-and-Roll-Defense?
Bogićević: Nein. Für mich beginnt alles mit der Eins-gegen-eins-Defense. Das ist Teil meiner Philosophie. Ich versuche nicht, ständig etwas völlig Neues zu erfinden, sondern sammle Ideen von verschiedenen Trainern und entwickle daraus meine eigene Sicht auf Basketball.
Wenn du Eins gegen Eins gut verteidigst und deinen Gegenspieler vor dir hältst, spielt es am Ende eine geringere Rolle, ob du Hedge oder Drop spielst. Du brauchst dann weniger Hilfe und weniger Rotationen. Deshalb ist die Eins-gegen-eins-Defense für mich die Grundlage. Erst danach kommt die Frage, wie wir das Pick and Roll verteidigen.
Was die drei Guards betrifft, geht es mir vor allem darum, in den entscheidenden Phasen meine besten Verteidiger auf dem Feld zu haben. Dabei ist die Position weniger entscheidend. Wichtig ist, dass wir gute Verteidiger haben und den passenden Spieler auf den gegnerischen Creator setzen können.
Die Grundlage bleibt aber immer die Eins-gegen-eins-Defense.
Frage: Würdest du dich eher als defensiv- oder offensivorientierten Trainer bezeichnen?
Bogićević: Ich würde sagen, dass ich eher der defensive Trainer bin. Wie ich schon gesagt habe, beginnt für mich alles mit der Defense. Deshalb versuchen wir schon im Preseason-Camp, unsere defensive Identität zu entwickeln und gleichzeitig offensiv auf Raumaufteilung und Bewegung zu achten.
Grundsätzlich glaube ich, dass eine gute Defense auch Möglichkeiten für die Offense schafft. Durch eine harte Defense kannst du einfache Punkte erzielen und offensiv Lösungen entwickeln.
Deshalb würde ich mich eher als defensiv als offensiv orientierten Trainer bezeichnen.
Frage: Sind Defense und Offense in deinen Trainingseinheiten ungefähr gleich gewichtet oder würdest du sagen, dass ihr mehr Zeit mit der Defense verbringt als mit der Offense? Und worauf legt ihr besonders Wert?
Bogićević: Das ist bei uns ungefähr gleich gewichtet. In diesem Bereich arbeiten wir auf einem ähnlichen Niveau. Wie ich schon gesagt habe, gibt es in der Defense aber immer bestimmte Kriterien, die mir besonders wichtig sind.
Wenn ich mir für die nächste Phase etwas vornehmen müsste, dann würde ich sagen, dass wir offensiv vielleicht etwas schneller spielen müssen. Gleichzeitig möchte ich unseren Spielern in der Offense sehr viel Freiheit geben, damit sie selbst gute Entscheidungen treffen können. Sie dürfen offene Würfe nehmen, und damit habe ich überhaupt kein Problem.
Ich habe auch kein Problem damit, wenn ein Spieler beispielsweise fünf offene Würfe nimmt und keinen davon trifft. Entscheidend ist für mich die Wurfauswahl. Wenn es ein offener und guter Wurf ist, ist das für mich völlig in Ordnung. Wenn ein Spieler dagegen einen schlechten Wurf nimmt, obwohl er eigentlich keine gute Situation dafür hat, dann ist das etwas anderes. Damit habe ich ein Problem.
Deshalb würde ich sagen, dass wir in der nächsten Phase vielleicht etwas mehr an unserer Offense arbeiten können. Ich glaube, dass wir dafür die entsprechenden Fähigkeiten haben.
Frage: Du hast gerade die Fehlwürfe angesprochen. Damit kommen wir auch wieder zu einem Punkt vom Anfang unseres Gesprächs zurück. Schaust du dir im Video gezielt an, welche Würfe ein Spieler nimmt und wie er nach einem Fehlwurf reagiert?
Bogićević: Das zeigt dir durchaus etwas über einen Spieler. Ich mag es überhaupt nicht, wenn ein Spieler einen Wurf verfehlt, danach den Kopf hängen lässt und mit schlechter Körpersprache zurück in die Defense läuft.
Ein Fehlwurf ist kein Problem, wenn es ein guter und offener Wurf war. Dann soll der Spieler beim nächsten Mal wieder werfen. Entscheidend ist die Reaktion danach. Du musst zurücklaufen und deine Aufgabe in der Defense machen, anstatt über den Fehlwurf nachzudenken.
Für mich geht es dabei um eine Art „Short Memory“. Fehler passieren, aber man muss sie schnell abhaken und sich auf die nächste Aktion konzentrieren.
Frage: Aus Fehlern können wir schließlich immer lernen. Ich denke, das ist ein guter Schluss für unser Gespräch.
Bogićević: Genau. Das ist wichtig.
Abschluss: Vielen Dank für das Gespräch.
Hinweis: Das Gespräch wurde per Software transkribiert und mithilfe von KI aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.