Am Sonntag trafen die Oldenburger als Spitzenreiter in München an, bekamen dort aber ziemlich deutlich aufgezeigt, was der Mannschaft noch fehlt. Am Ende verloren die EWE Baskets mit 60:113 und hatten dabei auf beiden Seiten des Feldes große Probleme. Eine Niederlage, die gegen den starken FC Bayern passieren kann, am Ende aber doch deutlich zu hoch ausfiel.
Die Oldenburger erwischten zunächst ein gutes erstes Viertel. Sie konnten sich knapp durchsetzen und sorgten damit dafür, dass München in dieser Saison erstmals ein Viertel verlor. Danach zeigten die Münchener jedoch ihre ganze Stärke und dominierten die folgenden drei Viertel deutlich.
Positives

Um trotz der deutlichen Niederlage auch etwas Positives hervorzuheben, muss man Zach Ensminger einmal mehr herausstellen. Er zeigte erneut eine starke Leistung und kam auf 16 Punkte, 3 Rebounds, 2 Assists und 3 Steals. Mit Ensminger haben sich die Oldenburger auf den deutschen Positionen im Vergleich zur vergangenen Saison aus meiner Sicht deutlich verstärkt.
Taktikcheck
Bayern München verteidigte das Pick and Roll der Oldenburger häufig mit einer Drop-Verteidigung und machte damit sowohl den Zug in die Zone als auch das Anspiel auf den abrollenden Center schwierig. Ein gutes Beispiel dafür gibt es im zweiten Viertel bei noch etwa fünf Minuten auf der Uhr (Dyn-Zeitstempel 48:17).
Der Spielaufbau läuft über Zach Ensminger, während Marcel Keßen hoch zum Block kommt. Der Block wird ungefähr 1,5 Meter vor der Dreierlinie gestellt. Bayern-Center Johannes Thiemann kommt dabei nicht weiter als bis zur Dreierlinie heraus und sinkt anschließend wieder langsam ab, um sowohl den Zug von Ensminger zum Korb als auch das Anspiel auf Keßen zu erschweren. Gleichzeitig kommt Kamar Baldwin gut um den Block herum und zwingt Ensminger dazu, den Ball zunächst aufzunehmen.
Auch Tobias Jensen spielt in dieser Situation eine wichtige Rolle. Zu Beginn des Pick and Rolls täuscht er kurz an das frühe Anspiel auf Keßen zu verhindern und rückt dadurch leicht von Nicho Tischler weg. Als Keßen anschließend in Richtung Zone rollt und wieder von Thiemann aufgenommen wird, orientiert sich Jensen zurück zu Tischler.
Ensminger passt daraufhin auf Stefan Momirov und bekommt den Ball direkt wieder zurück. Damit startet das Pick and Roll erneut. Keßen kommt wieder hoch zum Block, Thiemann kommt erneut nicht weiter als bis zur Dreierlinie heraus und sinkt anschließend wieder ab. Dadurch nimmt er Ensminger erneut den Weg zum Korb und erschwert gleichzeitig das Anspiel auf Keßen. Jensen orientiert sich wieder leicht in Richtung Keßen und bindet damit einen möglichen Passweg.
Ensminger muss den Ball erneut aufnehmen und findet schließlich noch Tischler. Dieser schafft es ebenfalls nicht, zum Korb zu ziehen, und spielt den Ball weiter zu Momirov. Der muss schließlich mit auslaufender Uhr einen schwierigen Dreier nehmen.
Das Beispiel zeigt gut, wie Bayern durch die Drop-Verteidigung nicht nur den direkten Pick-and-Roll-Angriff unterbindet. Durch die Positionierung von Thiemann und die Hilfe der anderen Verteidiger werden gleichzeitig die Passwege zum rollenden Big und die Drives der Guards erschwert. Die Oldenburger müssen dadurch den Angriff mehrfach neu aufbauen und kommen am Ende zu einem deutlich schwierigeren Abschluss.
In dieser Situation wäre ein wurfstarker Guard wie Nate Johnson eine mögliche Antwort gewesen. Durch das Absinken des Centers entsteht für einen kurzen Moment Raum für den Ballhandler, den Pull-up zu nehmen und damit das Absinken des Centers zu bestrafen. Genau darin liegt eine der Schwachstellen der Drop-Verteidigung. Bleibt der Center tief, um gleichzeitig den Drive und den rollenden Big zu kontrollieren, kann ein wurfstarker Guard den entstehenden Raum mit seinem Wurf bestrafen.
Auch weitere gute Schützen auf dem Feld sind wichtig, um das Weghelfen der Gegenspieler zu erschweren. In der beschriebenen Situation hilft Jensen beispielsweise kurz von seinem Gegenspieler weg. Kommt der Ball anschließend zu diesem offenen Spieler, kann daraus ein guter Abschluss entstehen. Ist dieser Gegenspieler jedoch selbst ein gefährlicher Schütze, kann Jensen nicht so einfach aushelfen. Dadurch entsteht mehr Raum für den Ballhandler und das Anspiel auf Keßen wird deutlich einfacher. Auch deshalb wäre es für die Oldenburger wichtig, dass Le’tre Darthard schnell wieder fit wird. Mit einem weiteren gefährlichen Schützen auf dem Feld würde das Spacing verbessert und die gegnerische Verteidigung vor zusätzliche Entscheidungen gestellt.
Hier auch nochmal mein Artikel zur Drop Verteidigung: Pick and Roll Offensive gegen Drop Verteidigungen
Ausblick

Jetzt gilt es, das Spiel schnell abzuhaken und nicht zu lange darüber nachzudenken. Denn bereits in gut sechs Tagen steht mit dem Heimspiel gegen Phoenix Hagen die nächste Partie an. Dort gilt es, eine neue Siegesserie zu starten und die Niederlage gegen München schnell vergessen zu machen.