
Am vergangenen Freitag erlebten die Oldenburger Fans erneut ein Auf und Ab der Gefühle. Im ersten Viertel gerieten die EWE Baskets mit acht Punkten in Rückstand und lagen mit 16:24 hinten. Das zweite Viertel verlief anschließend ausgeglichen. Nach der Halbzeit kamen die Oldenburger dann stark aus der Kabine und konnten sich zu Beginn des Schlussviertels sogar eine Führung erspielen. Doch mit der kurzen Rotation schwanden allmählich die Kräfte. Am Ende mussten sich die EWE Baskets mit 61:75 geschlagen geben, nachdem sie das letzte Viertel deutlich mit 9:26 verloren hatten.
Doch was lief positiv? Wo muss sich die Mannschaft verbessern? Und was zeigt ein kleiner Taktikcheck? Das lest ihr im Folgenden.
Positives

18 Assists bei 20 erfolgreichen Feldwürfen sind eine gute Quote. Sie zeigt, dass es Phasen gibt, in denen der Ball gut bewegt wird und die Oldenburger zu guten Abschlüssen kommen. Das spricht für eine funktionierende Ballbewegung und gut herausgespielte Würfe.
Auch defensiv zeigt die Mannschaft immer wieder starke Phasen und schafft es dadurch, Rückstände aufzuholen und eigene Runs zu starten. So gelang es den Oldenburgern auch am vergangenen Freitag gegen die Telekom Baskets Bonn, im dritten Viertel wieder näher heranzukommen und das Spiel zwischenzeitlich zu drehen.
Was muss besser werden?
Definitiv die Konstanz. Zwar beweisen die Oldenburger immer wieder Comeback-Qualitäten und starten eigene Runs, müssen aber gleichzeitig häufig gegnerische Läufe hinnehmen. Dadurch geraten sie in die Situation, Rückständen hinterherlaufen zu müssen. Genau das passierte auch gegen Bonn, als die EWE Baskets früh mit 14 Punkten zurücklagen und beim Stand von 16:30 bereits unter Druck standen.
Es bleibt zu hoffen, dass mit der Rückkehr der verletzten Spieler auch die Konstanz zunimmt. Denn aktuell müssen viele Spieler rund 30 Minuten oder sogar länger auf dem Parkett stehen. Eine größere Rotation könnte helfen, die Kräfte besser zu verteilen und die Intensität über die gesamte Spielzeit hochzuhalten.
Ein weiteres Problem war die Freiwurfquote. Gegen Bonn trafen die Oldenburger lediglich 14 ihrer 23 Freiwürfe, was einer Quote von rund 61 Prozent entspricht. Auch im Ligavergleich besteht hier Verbesserungsbedarf. Mit einer Freiwurfquote von nur 68 Prozent belegen die EWE Baskets aktuell den letzten Platz in dieser Kategorie.
Taktikcheck

Hier möchte ich euch das Hedgen erklären. Dabei handelt es sich um eine Verteidigungsvariante gegen das Pick and Roll, die die Oldenburger regelmäßig einsetzen, um den ballführenden Spieler unter Druck zu setzen, die Offensive zu schwierigen Entscheidungen zu zwingen und Ballverluste zu provozieren.
Dafür habe ich eine Szene aus dem zweiten Viertel herausgesucht (Dyn-Zeitstempel 00:59:42).
Bonn spielt das Pick and Roll mit John-Michael Wright und Melvin Jostmann. Jostmann, der von Marcel Keßen verteidigt wird, stellt einen Block für Wright, der wiederum von Zach Ensminger verteidigt wird.
Jetzt kommt Keßen ins Spiel. Er rückt weit heraus und verhindert damit, dass Wright ungehindert um den Block kommt. Stattdessen drängt er ihn in Richtung der rechten Seitenlinie. Gleichzeitig bleibt Ensminger eng an Wright dran und setzt ihn weiter unter Druck. Wright wird dadurch gezwungen, den Ball abzugeben, und passt zu Patrick Heckmann, der nicht zu den primären Ballhandlern der Bonner gehört.
Doch auch abseits des Balles passiert einiges. Roach und Tischler lösen sich kurzzeitig von ihren Gegenspielern, um die Zone abzusichern und mögliche Anspielstationen zuzustellen. Sobald Keßen sich wieder zu seinem ursprünglichen Gegenspieler zurückorientiert, nehmen auch Roach und Tischler ihre direkten Gegenspieler wieder auf. Andernfalls könnten diese frei an der Dreierlinie zum Abschluss kommen.
Auch Pope rückt zunächst etwas in die Zone ein, um dort abzusichern. Als der Ball zu Heckmann kommt, tritt er wieder heraus und erschwert ihm die nächste Aktion.
Heckmann passt schließlich weiter zu Alijah Comithier, der nun von Roach verteidigt wird. Damit ist der Ball nicht mehr in den Händen des ursprünglichen Ballhandlers und die Oldenburger haben es geschafft, wieder in eine klassische Mann-gegen-Mann-Verteidigung zurückzukehren.
Am Ende zwingt Oldenburg Bonn so zu einem schwierigen Wurf. Das Beispiel zeigt, wie wichtig beim Hedgen nicht nur die beiden Verteidiger am Ball sind, sondern auch die Absicherung der Mitspieler. Entscheidend ist, dass alle fünf Verteidiger aufeinander abgestimmt agieren und nach der ersten Aktion schnell wieder ihre ursprünglichen Zuordnungen finden.
Bei einer Hedge-Verteidigung ist vor allem das Zusammenspiel aller fünf Verteidiger entscheidend. Die beiden Verteidiger am Ball müssen Druck auf den Ballhandler ausüben, während die übrigen Spieler den abrollenden Big Man und mögliche Passoptionen absichern. Sobald die Gefahr vorbei ist, müssen alle schnell zu ihren Gegenspielern zurückkehren. Entscheidend sind dabei eine gute Kommunikation, das richtige Timing und schnelle Rotationen, um freie Würfe zu verhindern.
Ausblick

Für die Oldenburger geht es am Freitag in der heimischen Arena gegen Bamberg. Dabei bleibt zu hoffen, dass Nate Johnson wieder in den Kader zurückkehrt und mit seinen Qualitäten von der Dreierlinie für besseres Spacing sorgt. Das Thema werden wir uns in einem zukünftigen Taktikcheck noch genauer anschauen. Ein ausführlicher Vorbericht zum Spiel gegen Bamberg folgt.