
Am 03.03.2026 fand ein Dauerkarten-Fantalk mit Daniel Pleines und Lazar Spasić statt. Dabei interessierte viele Fans insbesondere die Frage, wie es in der kommenden Saison auf der Trainerposition weitergehen wird und ob Spasić auch 2026/27 an der Seitenlinie stehen wird. In den Antworten der beiden war deutlich herauszuhören, dass vieles darauf hindeutet, dass Spasić auch in der nächsten Saison Trainer der Oldenburger bleiben könnte.
Bereits vor dem Fantalk begann jedoch eine schwächere Phase der Saison, die sich bis zum Auswärtsspiel in Berlin zumindest teilweise fortsetzte. Vor diesem Hintergrund stellt sich für einige Fans zunehmend die Frage, ob Spasić tatsächlich der richtige Trainer für die kommende Spielzeit ist.
Dieser Frage soll im Folgenden anhand ausgewählter Statistiken nachgegangen werden. Seit der letzten Analyse sind inzwischen fünf weitere Spiele absolviert worden – ein guter Zeitpunkt also, um erneut einen Blick auf die aktuellen Zahlen zu werfen.
Offensiv und Defensiv Rating

In der oben dargestellten Grafik sind sowohl das Offensiv-Rating als auch das Defensiv-Rating abgetragen. Im Verlauf der letzten Spiele lassen sich dabei deutliche Schwankungen erkennen, die zum Teil sicherlich auch von der jeweiligen Gegnerstärke beeinflusst sind. Dennoch bietet die Darstellung eine gute Übersicht darüber, wie sich Offensive und Defensive im Laufe der Spiele unter Spasić entwickelt haben.
In den ersten zehn Spielen unter Lazar Spasić konnten die Oldenburger acht Partien gewinnen. Auffällig ist dabei, dass insbesondere die frühen Erfolge auf einer starken Defensive basierten. Die Verteidigung hat für Spasić einen besonders hohen Stellenwert. Er betont immer wieder, dass die Defensive die Grundlage für alles ist und auch den Ausgangspunkt für die Offensive bildet. Während es offensiv immer vorkommen kann, dass Würfe nicht fallen und man einen schlechten Tag erwischt, lässt sich in der Defensive über Energie und Physis konstant Einfluss nehmen.
Durch die Übernahme des Teams und die Einführung eines neuen Konzepts formte Spasić die Mannschaft zu einem defensiv stabileren Team. Er stellte das System in der Verteidigung um und wechselte von einer Hedge-Verteidigung zu einer flacheren Verteidigungsweise. Ein weiterer wichtiger Schritt war die klare Zuweisung von Rollen innerhalb des Teams, was für mehr Struktur und Stabilität sorgte.

Ab dem elften Spiel, gegen Ratiopharm Ulm, zeigte sich jedoch ein Rückgang in der defensiven Leistung. Die Mannschaft hatte mit mehreren Verletzungen zu kämpfen, was sich sowohl auf die Verteidigung als auch auf das Offensivspiel negativ auswirkte. Während Oldenburg zu Beginn unter Spasić noch zu den offensiv stärkeren Teams gehörte, funktionierte in dieser Phase deutlich weniger. In den folgenden acht Spielen konnten nur zwei Siege eingefahren werden.
Vor dem Spiel gegen Berlin, dem 19. Spiel unter Spasić, berichtete er in einem Interview von Einzelgesprächen und Teammeetings, in denen insbesondere die Rollenverteilung erneut thematisiert wurde. In der Folge gelang der Mannschaft ein Sieg gegen ALBA Berlin sowie ein weiterer Erfolg gegen Rostock. Auffällig war dabei, dass diese Spiele erneut vor allem über eine starke Defensive gewonnen wurden – ganz im Sinne von Spasić.
Die zentrale Erkenntnis aus den letzten Spielen ist, dass Spasić ein Trainer ist, der es versteht, Spielern klare Rollen innerhalb eines Teams zuzuweisen – ein entscheidender Faktor für den mannschaftlichen Erfolg. Gleichzeitig dürfte er aus der schwierigen Phase gelernt haben, wie wichtig es ist, Rollen bei Verletzungen neu zu definieren und anzupassen.
In-Game-Coaching

Auch in den Spielen selbst hat Lazar Spasić gezeigt, dass er über gutes In-Game-Coaching verfügt. Seine Auszeiten sind klar strukturiert, und er gibt den Spielern häufig konkrete Anweisungen sowie mehrere Spielzüge mit auf den Weg.
Ein anschauliches Beispiel dafür liefert das Spiel gegen Rostock Seawolves. In der ersten Halbzeit hatten die Oldenburger große Probleme, das Pick-and-Roll der Rostocker zu verteidigen. Dabei erhielt der Aufbauspieler meist einen Block vom Small Forward oder Power Forward – häufig von Andy van Vliet. Dieser rollte anschließend zum Korb ab, bekam den Ball und zog so die Aufmerksamkeit der Verteidigung auf sich.
In diesen Situationen half der Center der Oldenburger häufig aus, wodurch der gegnerische Center – beispielsweise Owen Klassen – frei wurde. Dieser konnte dann angespielt werden und einfache Korbleger erzielen (vgl. Dyn-Zeitstempel: 00:21:25, 00:42:14, 00:45:25).
Zur Halbzeit reagierten die Oldenburger mit einer taktischen Anpassung. Während sie in der ersten Hälfte überwiegend eine flache Mann-gegen-Mann-Verteidigung spielten, stellten sie in der zweiten Halbzeit auf eine Switch-Verteidigung in Kombination mit raumorientierten Elementen um. Das bedeutete, dass bei Blocks konsequent gewechselt wurde, sodass beispielsweise der Aufbauspieler der Rostocker zeitweise vom Center verteidigt wurde (vgl. Dyn-Zeitstempel: 01:19:21, 01:25:28).
Durch diese Umstellung wurden Passwege besser zugestellt und vor allem einfache Abschlüsse in Korbnähe verhindert. Die Oldenburger ließen deutlich weniger offene Räume in der Zone zu und konnten so die Effektivität des gegnerischen Pick-and-Rolls reduzieren.
Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass Spasić in der Lage ist, auch während eines Spiels gezielte Anpassungen vorzunehmen und auf taktische Probleme zu reagieren.
Teamzusammenstellung
Auch wäre es spannend zu sehen, wie ein von Lazar Spasić selbst zusammengestelltes Team in Oldenburg auftreten würde. Ein Kader, der gezielt auf defensive Stärken ausgelegt ist und zudem eine komplette Saisonvorbereitung unter Spasić absolvieren kann, hätte die Möglichkeit, Abläufe und taktische Konzepte deutlich intensiver zu verinnerlichen.
In einem Interview betonte Spasić, dass seine Mannschaft „für alles ein Tool“ habe („In unserem System haben wir auf alles eine Antwort‘‘ – Lazar Spasić über seine Basketball DNA). Die Integration dieser verschiedenen taktischen Werkzeuge benötigt jedoch Zeit – Zeit, die in einer vollständigen Vorbereitung vorhanden ist und gezielt genutzt werden kann, um Strukturen, Automatismen und Spielprinzipien zu festigen.
Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Lazar Spasić viele Qualitäten mitbringt, die dafür sprechen, dass er auch in der kommenden Saison Trainer in Oldenburg bleiben sollte. Wichtige Aspekte sind dabei insbesondere sein In-Game-Coaching sowie seine Fähigkeit, klare Rollen innerhalb des Teams zu definieren.
Hinzu kommt, dass er den Standort Oldenburg inzwischen seit nahezu einer Saison kennt und somit keine Eingewöhnungszeit mehr benötigt. Diese Kontinuität stellt einen klaren Vorteil für die weitere Entwicklung der Mannschaft dar.
Es wäre daher besonders spannend zu sehen, wie sich ein von ihm zusammengestelltes Team in der kommenden Saison präsentieren würde. Dass er dem Verein erhalten bleibt, deuten zudem verschiedene Aussagen beim Dauerkarten-Fantalk an.
Quelle der Statistiken: https://3stepsbasket.com/