Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Ich habe mich letzte Woche mit Max DiLeo getroffen, um über seine Rückkehr nach Oldenburg, seine Entscheidung, Coach zu werden, und über das Thema Defense zu sprechen. Im ersten von zwei Teilen geht es um die Gründe für seine Rückkehr. Außerdem sprechen wir über seine Zeit an der Monmouth University, seine Stärken im Trainerteam und darüber, in welchen Bereichen er sich als Coach noch weiterentwickeln möchte. Im zweiten Teil geht es ausführlich um die Defense – insbesondere um das Pick-and-Roll, defensive Systeme und die Mentalität, die es für gute Defense braucht.

Frage: Wie kam es dazu, dass du als Coach nach Oldenburg zurückgekehrt bist?

DiLeo: Ich bin im Sommer nach Deutschland gekommen, weil ein Freund von mir in Italien geheiratet hat. Da ich sowieso in der Nähe war, wollte ich ein paar Leute wiedersehen. Zu dem Zeitpunkt war noch offen, wo ich in der kommenden Saison arbeiten würde. Dann kam die Möglichkeit in Oldenburg auf, und sie wollten mich gerne zurückholen. Das war für mich natürlich sehr interessant und aufregend.

Aber erst ein paar Wochen später stand endgültig fest, dass ich zurückkommen würde. Ich war eigentlich davon ausgegangen, in Amerika zu bleiben, deshalb war es schon eine große Veränderung. Gleichzeitig habe ich mich aus vielen Gründen sehr darauf gefreut, wieder nach Oldenburg zurückzukommen.

Frage: Welche Gründe waren das denn?

Zum einen habe ich die EWE Arena einfach vermisst – die Atmosphäre und das Gefühl, dort zu sein. Als Coach ist es natürlich etwas anderes, aber wenn man aufhört zu spielen, vermisst man solche Dinge. Die Arena war für mich wie ein Zuhause. Ich habe auf dem Feld immer für diese Fans gekämpft. Deshalb bedeutet es mir viel, jetzt wieder für sie kämpfen zu können – nur auf eine andere Art und Weise. Darauf habe ich mich besonders gefreut.

Der andere Punkt sind die Menschen, die ich hier kennengelernt habe. Ich war drei Jahre hier und habe enge Freundschaften aufgebaut – unter anderem mit Seth [Hinrichs] und Franjo [Borchers]. Auch die Leute im Verein und außerhalb des Basketballs sind mir sehr ans Herz gewachsen. Deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut, viele von ihnen wiederzusehen. Gerade in Oldenburg habe ich die längste Zeit verbracht, und die Menschen hier waren immer großartig zu mir. Auch deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut, wieder zurückzukommen.

Frage: Wann hast du dich entschieden, eine Trainerkarriere einzuschlagen? War das schon während deiner aktiven Zeit als Spieler ein Thema oder erst nach deinem Karriereende?

DiLeo: Als Spieler habe ich schon darüber nachgedacht, Trainer zu werden. Besonders in Vechta und später in Hamburg wurde mein Interesse daran größer. Ich hatte großen Respekt vor Pedro Calles und begann, Trainingsinhalte und meine Beobachtungen zu dokumentieren.

In Hamburg habe ich als Kapitän außerdem für verletzte Spieler Trainingsabläufe und Regeln festgehalten, damit sie den Anschluss nicht verlieren. Das habe ich später auch in Oldenburg weitergeführt – mit Trainingsplänen, Videos und Clips. So habe ich mich schon früh mit dem Coaching beschäftigt, auch wenn damals noch nicht feststand, dass ich tatsächlich Trainer werden würde.

Frage: Und ab wann stand es dann so richtig fest?

Ich wusste nicht, wie lange ich noch spielen würde oder ob ich danach überhaupt noch Lust auf Basketball haben würde. Aber die Idee, Trainer zu werden, hatte ich schon länger im Hinterkopf. Mein Vater war lange Trainer und auch mein Bruder arbeitete bereits als Coach in der NBA. Dadurch wurde Coaching für mich immer mehr zu einer möglichen Perspektive, und ich habe mich immer häufiger mit meinem Bruder darüber ausgetauscht.

In meiner letzten Saison hier war ich oft verletzt und habe dadurch mehr Zeit neben dem Feld als auf dem Feld verbracht. Ich habe angefangen, der Mannschaft und den Spielern zu helfen und ihnen bestimmte Dinge näherzubringen.

Gleichzeitig war das für mich eine gute Vorbereitung, weil ich wusste, dass es meine letzte Saison sein würde. Ich wollte das Spiel mehr als Ganzes verstehen und zunehmend aus der Perspektive eines Trainers betrachten. Spätestens in dieser Saison wusste ich dann, dass ich Trainer werden wollte. Ich wusste zwar noch nicht, wo, aber die Liebe zum Basketball war noch da. Da mein Körper das Spielen nicht mehr mitgemacht hat, war Coaching für mich die beste Möglichkeit, dem Basketball verbunden zu bleiben.

Frage: Deine Trainerkarriere begann dann letztes Jahr an der Monmouth University. Welche Rolle hattest du dort?

DiLeo: Ich habe selbst an der Monmouth University gespielt. Nach meiner letzten Saison musste ich mich einer größeren Knieoperation unterziehen, weshalb ein direkter Einstieg ins NBA-Coaching nicht möglich war. Da ich aber bereits wusste, dass ich Trainer werden wollte, ging ich stattdessen regelmäßig zur Monmouth University und schaute mir das Training an.

Mein ehemaliger Coach bot mir schließlich an, als Volunteer Assistant Coach mitzuarbeiten. Ich wollte von Anfang an alles geben und war deshalb jeden Tag dort. Nach ein paar Wochen bemerkten die Coaches das und gaben mir immer mehr Verantwortung.

Frage: Was waren dann deine Verantwortungen?

DiLeo: Ich half bei der Trainingsplanung und brachte meine Erfahrungen aus dem europäischen Basketball ein, zum Beispiel bei verschiedenen Übungen. College-Basketball unterscheidet sich in vielen Bereichen vom europäischen Basketball, und mein Coach war sehr daran interessiert, neue Dinge auszuprobieren. Darüber habe ich mich viel mit ihm ausgetauscht.

Als die Saison begann, waren die Rollen im Staff bereits weitgehend festgelegt. Ich hatte kein eigenes Team für die Scouting Reports, weil diese Aufgaben schon verteilt waren. Stattdessen arbeitete ich mit einem anderen Coach daran.

Frage: Was hast du dann genau gemacht?

Nach jedem Spiel habe ich individuelle Clips für die Spieler zusammengestellt – sowohl gute als auch verbesserungswürdige Situationen. Am nächsten Tag habe ich sie mit den jeweiligen Spielern besprochen.Dabei wollte ich nicht nur Fehler zeigen, sondern auch positive Dinge hervorheben. So konnten wir gemeinsam konkrete Situationen besprechen und daran arbeiten. Für die Spieler war es hilfreich, weil viele Details während eines Spiels untergehen und sie Fragen stellen konnten, ohne sich vor den anderen rechtfertigen zu müssen.

Die Spieler hatten viel Spaß daran, und für mich war es ebenfalls eine wertvolle Erfahrung. Es hat uns als Team besser gemacht und mich gleichzeitig als Coach weiterentwickelt.

Frage: Und jetzt bist du wieder hier in Oldenburg. Wie fühlt es sich an, bei der Vorbereitung auf der anderen Seite zu stehen? Du hast das alles selbst als Spieler erlebt und bist jetzt als Coach in derselben Halle.

DiLeo: In den ersten Tagen war es etwas ungewohnt, mittlerweile fühlt es sich aber ganz normal an. Anfangs habe ich mich gefragt, ob die Spieler mich als Coach ernst nehmen würden. Sie zeigen mir aber viel Respekt und hören mir zu, was für mich sehr wichtig ist.

Die größte Umstellung ist für mich, dass ich als Spieler immer viel Energie auf dem Feld gebracht habe. Jetzt möchte ich als Coach etwas ruhiger auftreten und die Energie stärker vom Team selbst kommen lassen. Das war zunächst eine kleine Umstellung.

Foto: EWE Baskets Oldenburg

Frage: Wie ist die Zusammenarbeit mir Milenko Bogićević?

Coach Milenko [Bogićević] macht einen großartigen Job, und ich bin wirklich sehr glücklich mit unserer Zusammenarbeit. Er stellt mir Fragen, möchte meine Meinung hören und nimmt mein Feedback ernst. Diese Beziehung ist für mich etwas ganz Besonderes und hilft mir sehr, mich als Coach weiterzuentwickeln.

Ich denke, für einen Coaching Staff ist es wichtig, dass jeder etwas beiträgt. Natürlich trifft der Head Coach am Ende die Entscheidungen und hat den gesamten Plan im Kopf. Aber gleichzeitig sollte jeder seine Ideen einbringen und auch mal fragen: „Was wäre, wenn wir es so machen?“

Frage: Was bringst du dann so ein?

In den Gesprächen mit Milenko sage ich zum Beispiel oft: „Als Spieler hat mir das gut gefallen“ oder „Das hat mir auf dem Feld geholfen.“ Er schätzt diese Perspektive, weil ich selbst erst vor Kurzem Spieler war und weiß, wie die Spieler bestimmte Situationen wahrnehmen.

Genau darin sehe ich einen Vorteil meiner Rolle im Coaching Staff. Ich kann einschätzen, wie die Spieler auf bestimmte Dinge reagieren. Zum Beispiel: „Als Spieler habe ich das gehasst“ oder „Im Training habe ich viel härter gespielt, wenn wir einen gewissen Wettbewerb hatten.“

Ich glaube, das hilft der Mannschaft und dem Coaching Staff, die Spieler besser zu verstehen und dadurch bessere Trainingseinheiten zu gestalten.

Gleichzeitig habe ich natürlich erst ein Jahr Erfahrung als Coach und möchte mich deshalb im Training nicht zu sehr einmischen. Gerade in bestimmten Bereichen der Defense muss ich selbst noch viel lernen. Gleichzeitig weiß ich, dass ich als Spieler darin gut war und kenne einige Details, die der Mannschaft helfen können – zum Beispiel bei den verschiedenen Pick-and-Roll-Defenses.

In solchen Situationen bringe ich mich im Training oder in den Coaches Meetings ein. Viele der Dinge, die wir machen, sind mir bereits vertraut. Das gibt mir viel Selbstvertrauen im Training und mit Blick auf die kommenden Spiele.

Frage: Du hast schon einiges über deine Stärken erzählt. In welchen Bereichen möchtest du dich noch weiterentwickeln?

DiLeo: Ich kann noch unglaublich viel lernen. Milenko hat viel Erfahrung und Wissen, und durch unsere Gespräche vor und nach dem Training lerne ich jeden Tag dazu. Ich lerne seine Philosophie kennen, aber vor allem auch, warum er bestimmte Dinge so macht und wie man sie den Spielern vermittelt.

Auch von Franjo lerne ich viel, besonders bei der Kommunikation mit den Spielern: Wie viele Informationen sind hilfreich und wann ist es zu viel?

Nach dem Training sprechen wir darüber, wie es gelaufen ist und woran wir arbeiten müssen. Oft reden wir danach noch über Basketball, verschiedene Philosophien und Ansätze. Ich versuche, so viele Informationen wie möglich aufzusaugen und schreibe mir wichtige Dinge in ein Notizbuch.

Ich stehe als Coach noch ganz am Anfang und lerne jeden Tag etwas Neues. Als Spieler dachte ich, ich wüsste alles. Als Coach habe ich schnell gemerkt, dass man niemals alles wissen kann – und wenn ich irgendwann denke, dass ich alles weiß, ist das wahrscheinlich der Moment, in dem ich gefeuert werden sollte.

Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

Frage: Und wie sieht es mit der Rolle im Coaching Staff aus?

Was meine Rolle angeht, arbeiten wir im Coaching Staff bisher relativ gleichberechtigt. Der Head Coach übernimmt natürlich den größten Teil der Planung, aber Franjo und ich bringen unser Feedback und unsere Ideen ein und wir besprechen alles gemeinsam.

Ich sehe mich außerdem als eine Art Verbindung zwischen Spielern und Coaching Staff. Gerade durch meine Vergangenheit als Mitspieler kann es sein, dass manche Spieler mit bestimmten Themen zu mir kommen. Gerade mit Seth, unserem Kapitän, habe ich durch unsere gemeinsame Vergangenheit einen guten Draht. Deshalb kann er auf mich zukommen und bestimmte Dinge im Namen der Mannschaft ansprechen.

Beim Scouting werden wir sehen, wie wir die Aufgaben verteilen, sobald die Spiele beginnen. Im Training höre ich momentan viel zu und konzentriere mich auf die Dinge, die ich besonders gut kenne. Ich möchte das Training nicht unnötig unterbrechen, bringe mich aber ein, wenn ich etwas sehe, das Milenko oder Franjo vielleicht entgeht.

Die beiden erkennen solche Dinge aufgrund ihrer Erfahrung meistens schneller. Aber manchmal sehe ich ein Detail, das ihnen entgeht, und dann gebe ich diese Information an die Spieler weiter.

Fortsetzung folgt

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