Eine Frage, die sich die Baskets derzeit sicherlich stellen. Das Spiel gegen Rostock wird dabei besonders entscheidend sein. Mit einem Sieg könnten die Oldenburger das Mittelfeld der Liga weiter verdichten und ihre Chancen im weiteren Saisonverlauf auf eine mögliche Play-In-Teilnahme noch einmal ein wenig verbessern.
Ausgangslage
Für die EWE Baskets gab es am letzten Spieltag einen wichtigen Sieg gegen den zweitplatzierten Berlin. In einem engen Spiel setzten sich die Oldenburger am Ende dank eines 13:0-Laufs mit 81:79 durch. Dieser Erfolg war für die Mannschaft besonders bedeutend, da er zeigte, dass sie noch gewinnen können und den nötigen Kampfgeist besitzt. Gleichzeitig sendete er ein positives Signal an die Fans, die beim Heimspiel gegen Hamburg noch deutlich unzufrieden waren und ihren Unmut mit Pfiffen zum Ausdruck gebracht hatten.
Die Rostocker spielen bislang eine sehr starke Saison und nähern sich ihrem Ziel, die Playoffs zu erreichen, immer weiter an. Zwar würden sie nach aktuellem Tabellenstand noch an den Play-Ins teilnehmen, doch der Rückstand auf die direkten Playoff-Plätze beträgt nur zwei Siege – und das bei zwei Spielen weniger als der sechstplatzierte Würzburg. Damit wird die Bedeutung dieses Spiels für Rostock deutlich.
Mit einem defensiven Rating von 111,3 in den letzten zehn Spielen belegen die Rostocker ligaweit den vierten Platz. In diesem Zeitraum konnten sie fünf Siege einfahren. Auch auswärts präsentieren sie sich solide und haben bereits sechs ihrer zwölf Spiele gewonnen. Die Oldenburger sollten also gewarnt sein.
Keys to win
Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
Als Team auftreten
Breite Rotation
Defensive
Ein Aspekt, der in Berlin besonders herausstach, war das Teamplay. Die Oldenburger überzeugten mit viel Ballbewegung, und bezeichnend war auch, wie geschlossen sich alle Spieler über den Sieg freuten – auch diejenigen, die weniger Einsatzzeit bekamen. Dieses positive Mindset sollten sie unbedingt mit in das Spiel gegen Rostock nehmen.
Zudem sind nun wieder alle Spieler zurück, was eine breite Rotation ermöglicht. Diese Tiefe im Kader sollten die Oldenburger voll ausschöpfen, um insbesondere in der Defensive über die gesamten 40 Minuten hinweg physisch und intensiv agieren zu können.
Ausblick
Am Montagabend gegen 22 Uhr wird es eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage geben, ob in dieser Saison noch mehr möglich ist. Bis dahin heißt es, geduldig zu bleiben und zu beobachten, welche Lehren die Baskets aus dem Spiel gegen Berlin ziehen konnten.
Am Ostersonntag zeigten die Baskets, was in ihnen steckt und was sie in den vergangenen Spielen oft vermissen ließen. Gegen den Tabellenzweiten der BBL, Alba Berlin, präsentierten sich die Oldenburger vor allem in der Defensive mit der von Lazar Spasić geforderten Physis. Auch in der Offensive lief der Ball wieder gut. Am Ende konnten die Oldenburger nach einem spektakulären 13:0-Lauf jubeln und das Spiel mit 81:79 für sich entscheiden. Damit beendeten sie eine Serie von vier Niederlagen in Folge sowie eine fünfjährige Durststrecke in der Hauptstadt.
Am Anfang des Spiels gab es direkt die erste positive Meldung, denn Filip Stanic war zurück im Kader, jedoch gab es auch eine negative, denn Tomislav Zubčić musste verletzungsbedingt aussetzten.
Auch wichtig zu erwähnen ist, dass Spasić im Vorfeld des Spiels betonte, sowohl mit jedem einzelnen Spieler als auch mit dem gesamten Team Gespräche geführt zu haben. Ein Aspekt, der vermutlich eine große Rolle spielte, denn so war den Spielern sicherlich bewusst, worum es aktuell geht und was entscheidend ist. Möglicherweise wurden dabei auch die Rollen noch einmal klarer definiert.
Von Beginn an war dem Team anzumerken, dass es dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte. Trotz Rückständen kämpften sich die Baskets immer wieder heran und zeigten, was sie bereits zu Beginn unter Spasić ausgezeichnet hat: eine starke Defensive und eine funktionierende Offensive.
Am Ende unterstrichen die Baskets mit dem bereits erwähnten 13:0 Lauf ihren Siegeswillen. Vor allem Chris Clemons dürfte den Berliner Fans im Rückblick auf die Saison nicht gerade positiv in Erinnerung bleiben. Schon im Hinspiel sorgte er mit einem Dreier für die Entscheidung, und auch im Rückspiel wiederholte sich dieses Szenario.
Verteidigung
In diesem Spiel zeigte sich, wie wichtig es ist, in der Defensive physisch zu spielen. Die Baskets zeigten dabei eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den vergangenen Wochen. So zwangen sie die Berliner zu 17 Turnovern. Noch viel wichtiger ist jedoch, wie Spasić immer sagt: Aus guter Defensive entsteht gute Offensive. Genau das setzten die Baskets um und schafften es, mit einer starken Verteidigung und der daraus resultierenden effektiven Offensive den ein oder anderen größeren Rückstand wieder aufzuholen.
Chris Clemons
Ein großer Faktor waren natürlich seine sechs Punkte am Ende des Spiels sowie der entscheidende Dreier zur Führung in der letzten Minute. Doch fast noch wichtiger war, dass der Ball in der Offensive endlich wieder lief, und daran hatte Clemons einen großen Anteil. Das spiegelt sich auch in seinen Assist-Werten wider. Insgesamt verbuchte er sieben Vorlagen.
Ausblick
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Jetzt gilt es, diese Energie in die verbleibenden sechs Spiele mitzunehmen und noch einmal alles zu geben. Dann wird sich zeigen, wofür es am Ende reicht. Das nächste Spiel findet am Montag, den 13. April, gegen Rostock in der großen EWE Arena statt.
Nach fünf Spielen unter Lazar Spasić habe ich ein Interview mit Brian Fobbs geführt. Ein Punkt, den Fobbs dabei besonders hervorgehoben hat, war die klare Kommunikation des Trainers. Spasić hat mit den Spielern intensiv über ihre Rollen gesprochen und deutlich gemacht, was er von jedem Einzelnen erwartet (hier nochmal zum Nachlesen: „Wir teilen den Ball mehr und haben Spaß“ – Brian Fobbs über den bisherigen Saisonverlauf).
Die Oldenburger konnten in dieser Phase einen guten Lauf entwickeln. Kurz vor dem TOP FOUR standen unter Spasić lediglich drei Niederlagen aus elf Spielen zu Buche oder positiver formuliert: acht Siege aus elf Spielen.
Beginn einer negativen Serie
Ein Blick auf das Spiel gegen Ulm relativiert diese Bilanz jedoch etwas, zumindest auf den ersten Blick. Die Partie ging deutlich mit 72:101 verloren. Allerdings fehlten mit James Woodard, Miachale Kyser, Filip Stanic und Dakarai Tucker gleich mehrere wichtige Spieler, sodass sich die klare Niederlage gut erklären lässt.
Doch leider markierte dieses Spiel auch ein Stück weit den Beginn einer schwierigen Phase für die Oldenburger. Im BBL-Pokal-Halbfinale kehrten zwar Woodard und Kyser zurück, allerdings verletzte sich Woodard in dieser Partie erneut, während auch Kyser nicht bei 100 Prozent wirkte.
Nach der Länderspielpause stand Kyser wieder zur Verfügung, doch Woodard fehlt seitdem weiterhin. Betrachtet man die Bilanz der Baskets seit dem Ulm-Spiel inklusive des Pokal-Halbfinals, fällt diese mit lediglich zwei Siegen aus neun Spielen ernüchternd aus.
Wie wichtig ist James Woodard?
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Auffällig ist dabei vor allem, dass sowohl Stanic als auch Woodard seitdem kein Spiel mehr bestritten haben. Zwei Spieler, deren Einfluss auf das Spiel der Oldenburger vermutlich unterschätzt wird.
Gerade auf den Guard-Positionen macht sich das Fehlen von Woodard deutlich bemerkbar. Mit seinen 45,9 Prozent von der Dreierlinie sowie seiner Unterstützung im Ballvortrag hatte er großen Anteil am anfänglichen Erfolg unter Spasić.
Auch in der Offensive hinterlässt er eine spürbare Lücke. Durch seine starke Wurfquote muss er eng verteidigt werden, was Räume öffnet. Sowohl seine Gefahr von außen als auch sein Zug zum Korb sorgen dafür, dass sich Lücken in der Defensive ergeben, die seine Mitspieler für freie Würfe nutzen können.
Ein Blick auf seine Bewertung bei 3stepbasket zeigt, dass Woodard dort zurecht mit dem Stempel „very good“ eingestuft wird. In den neun Spielen unter Spasić kommt er auf ein starkes Net Rating von +8 (Offensivrating: 119,1; Defensivrating: 111,1). Zwar erzielt er im Schnitt „nur“ 7,2 Punkte, doch vor allem durch seinen konstant starken Wurf sorgt er für Räume und kreiert offene Abschlüsse für seine Mitspieler.
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Auch beim Rebounding macht sich sein Fehlen bemerkbar. Für einen Guard sind 3,1 Rebounds pro Spiel ein starker Wert, der dem Team aktuell fehlt.
Diese Lücke konnten Kyle Lofton und Tucker bislang nicht schließen. Beide sind von Verletzungen zurückgekehrt und haben noch Schwierigkeiten, ihren Rhythmus zu finden. In den letzten sieben Ligaspielen weisen sie die schwächsten Net Ratings im Team auf. Lofton kommt auf –17,1 (Offensivrating: 102,6; Defensivrating: 119,7), Tucker sogar mit –22,2 (Offensivrating: 105,6; Defensivrating: 127,8). Mit beiden auf dem Feld stockt aktuell häufig die Offensive, während die Defensive – insbesondere mit Tucker – anfällig wirkt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Rollenverteilung innerhalb des Teams. Brian Fobbs betonte im Interview, dass Spasić die Rollen klar definiert hat. Die entscheidende Frage ist nun, wie sich diese Rollen durch Woodards Verletzung sowie die Rückkehr von Lofton und Tucker verändert haben. Besteht weiterhin diese klare Struktur oder ist sie aktuell ins Wanken geraten?
Was gibt Filip Stanic dem Oldenburger Spiel
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Schaut man auf die Center-Position, wird das Fehlen von Stanic deutlich spürbar. Besonders im Rebounding, insbesondere beim defensiven Rebound, hinterlässt er eine große Lücke. In den sieben Spielen unter Spasić kommt das Team mit ihm auf dem Feld auf eine Defensiv-Reboundquote von 72,4 Prozent.
Dabei ist es wichtig, nicht nur auf die reinen Rebound-Zahlen zu schauen. Seine Präsenz unter dem Korb und sein konsequentes Ausboxen helfen auch seinen Mitspielern, den Rebound zu sichern. Zum Vergleich: Die Defensiv-Reboundquote der Baskets in den letzten sieben Ligaspielen liegt bei lediglich 59,4 Prozent.
Mit Stanic würde das Team also deutlich mehr Stabilität im Rebounding erhalten und dem Gegner weniger zweite Wurfchancen ermöglichen. Aktuell haben vor allem Kyser, Tomislav Zubčić und Seth Hinrichs Schwierigkeiten im Rebounding und beim Ausboxen.
Auch ein Blick auf die Advanced Stats unterstreicht seinen defensiven Einfluss. Sein Offensivrating liegt bei 111,8, während er defensiv mit einem starken Wert von 105,8 überzeugt.
Ausblick
Es bleibt zu hoffen, dass beide Spieler schnellstmöglich wieder ins Spielgeschehen eingreifen können und dem Team ihre Stärken zurückgeben. Im besten Fall gelingt es ihnen, den negativen Trend der Oldenburger zu stoppen und die Mannschaft zurück in die Erfolgsspur zu führen.
Der letzte Auswärtssieg der EWE Baskets Oldenburg bei ALBA Berlin liegt bereits einige Jahre zurück. Am 9. März 2021 gewannen die Oldenburger mit 89:81 in der Uber Arena, damals noch Mercedes-Benz Arena.
Aus diesem Spiel könnten am Sonntag noch einige bekannte Gesichter auf dem Parkett stehen. Auf Berliner Seite waren damals bereits Jonas Mattisseck und Malte Delow im Einsatz. Mattisseck kam auf knapp 15 Minuten Spielzeit, Delow auf rund sieben Minuten. Beide haben inzwischen eine deutlich größere Rolle im Team übernommen und stehen mittlerweile im Schnitt jeweils etwa 21 Minuten auf dem Feld.
Auch Norris Agbakoko dürfte am Sonntag im Berliner Kader stehen, dann allerdings gegen seinen ehemaligen Verein. Beim Auswärtssieg am 9. März 2021 gehörte er noch zum Aufgebot der Oldenburger, kam jedoch nicht zum Einsatz. Zu Beginn dieser Saison wechselte Agbakoko nach Berlin und zeigt dort sein Potenzial. Mit durchschnittlich rund 18 Minuten Einsatzzeit sowie 8,6 Punkten und 4,6 Assists pro Spiel liefert er solide Leistungen. Zudem wurde er in dieser Spielzeit gemeinsam mit Delow und Mattisseck für die Nationalmannschaft nominiert.
Ausgangslage
Die Ausgangslage der beiden Mannschaften könnte unterschiedlicher kaum sein. Während die Berliner am Mittwoch nur knapp gegen das europäische Topteam Malaga mit 69:72 im ersten Spiel der Viertelfinalserie der Basketball Champions League verloren haben und in der Basketball Bundesliga auf Platz zwei stehen, mussten die Oldenburger eine bittere Niederlage hinnehmen. Gegen die Hamburg Towers unterlag Oldenburg deutlich mit 77:96 und steht nun vor der Aufgabe, eine Negativserie von vier Niederlagen in Folge zu beenden.
Keine leichte Aufgabe für die Baskets: Berlin hat in dieser Saison nur drei seiner bisherigen Auswärtsspiele verloren. Zudem liegt der letzte Auswärtssieg der Oldenburger in Berlin mittlerweile rund fünf Jahre zurück.
Keys to win
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Energie
Befreit aufspielen
Als Team auftreten
Ein Punkt zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Analyse, die Energie. Sie muss auf beiden Seiten des Feldes stimmen, insbesondere in der Defensive. Beide Teams hatten erst am Mittwoch ein intensives Spiel, daher wird es umso wichtiger sein, von Beginn an mit voller Intensität aufzutreten, etwas, das den Oldenburgern zuletzt häufig gefehlt hat.
In Berlin erwartet kaum jemand einen Sieg der Gäste. Genau das könnte ein Vorteil sein: Oldenburg kann befreit aufspielen und möglicherweise zur alten Leichtigkeit zurückfinden, vor allem beim Wurf. Gerade der Dreipunktewurf ließ in den vergangenen Spielen deutlich zu wünschen übrig.
Entscheidend wird außerdem sein, als geschlossenes Team aufzutreten. Nur mit konsequentem Teambasketball, guter Ballbewegung und der Einbindung aller Spieler wird es möglich sein, gegen Berlin zu bestehen.
Ausblick
Ein Sieg in der Uber Arena wird alles andere als einfach. Doch genau darin könnte auch die Chance liegen, ohne großen Erwartungsdruck können die Oldenburger mutig auftreten und sich so ihre Möglichkeiten erarbeiten. Ob das gelingt, wird sich am Sonntag ab 15 Uhr zeigen.
Vor gut zwei Wochen habe ich mich mit Franjo Borchers auf einen kleinen Spaziergang getroffen und dabei über seine Trainerausbildung gesprochen. Außerdem haben wir uns über die vergangenen zweieinhalb Jahre als Assistant Coach bei den Baskets unterhalten, in denen er unter vier verschiedenen Trainern gearbeitet hat. Es ging auch um seine eigene Trainerphilosophie und abschließend um den Nachwuchs sowie dessen Integration in den Profibereich.
Frage: Was sind deine Hobbys neben dem Basketball?
Borchers: Ich bin generell sehr sportbegeistert. Mit 21 habe ich angefangen, Golf zu spielen. Durch meine Arbeit bei den Baskets ist das allerdings etwas weniger geworden. Seit ich 2018 im Jugendbereich angefangen habe, nimmt der Job viel Zeit ein. Im Grunde von morgens bis abends. Im Sommer schaffe ich es aber trotzdem ab und zu auf den Golfplatz, zuletzt auch wieder etwas häufiger, wenn das Wetter mitspielt.
Außerdem habe ich einen Hund. Den würde ich auch ein Stück weit als Hobby bezeichnen, weil man viel Zeit mit ihm verbringt und draußen unterwegs ist.
Und ganz neu habe ich angefangen, Padel zu spielen. Das sind im Moment die sportlichen Dinge, die ich neben dem Basketball mache.
Frage: Du bist Mitte Oktober 2023 Assistant Coach geworden, hast davor aber die Trainerausbildung bei den Baskets durchlaufen. Worum geht es dabei genau?
Borchers: Das Programm ist wirklich spannend. Die Baskets waren bei dieser Art von Trainerausbildung Vorreiter. Trainer wie Christian Held haben hier in Oldenburg ihre Ausbildung gemacht. Das Konzept überzeugte auch die BBL, die daraufhin ein eigenes Nachwuchstrainer-Programm startete.
Jedes Jahr werden sechs Nachwuchstrainer ausgewählt, die zuvor schon auf höherem Niveau mit Basketball zu tun hatten. Entweder als Trainer oder ehemalige Spieler. Ich habe dafür ein Stipendium bekommen, und das Programm lief über drei Jahre. Während ich bei den Baskets angestellt war, wurde die Ausbildung von der BBL organisiert.
Es gab verschiedene Mentoren, etwa den Individualtrainer Stefan Weissenböck aus Bamberg oder Thomas Päch von Alba Berlin. Alle sechs Monate fanden zehntägige Seminare mit Trainern, Lehrern aus Schulen oder Sportpsychologen statt. Pro Halbjahr konnte man zwei Module wählen, mit denen man sich dann intensiver beschäftigt hat und das jeweils mit einem eigenen Mentor an der Seite.
Frage: Also ein bisschen wie ein Studium.
Borchers: Genau, im Grunde war es wie ein Studium. Für angehende Trainer ist das eine tolle Gelegenheit, viel zu lernen. Es gab Seminare, Hospitationen und Mentoren, die einen eng begleiteten.
Ich war zum Beispiel zehn Tage bei der U16-Nationalmannschaft und bin zur EM mitgefahren, wo wir kleinere Aufgaben wie Gegner-Scouting übernommen haben. Außerdem hospitierte ich zehn Tage bei ALBA Berlin und schaute mir das Jugendprogramm an. Zusätzlich war ich etwa vier bis fünf Tage bei Aíto [García Reneses].
Die Seminare fanden meist in Berlin oder München statt und waren sehr intensiv. Der Austausch mit anderen Trainern war dabei besonders wertvoll, da immer mehrere Jahrgänge zusammenkamen. Insgesamt waren es drei sehr spannende Jahre.
Frage: Und danach bist du dann hier in den Nachwuchsbereich gegangen, richtig?
Borchers: Genau. Das Programm lief von 2018 bis 2021 und war eng mit dem Standort Oldenburg verbunden. In dieser Zeit arbeitete ich im Nachwuchsbereich – zuerst als Assistant Coach bei Dejan Mijatović, dann bei Dejan Stojanovski, bevor ich selbst die U19 als Head Coach übernahm.
Später trennten sich die Wege der Profimannschaft der EWE Baskets Oldenburg und des damaligen Assistant Coaches Thomas Roijakkers, und ich bekam die Chance, bei den Profis einzusteigen.
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Frage: Wie war das Gefühl, als die Nachricht kam?
Borchers: Im ersten Jahr im Jugendbereich war ich eine Art Bindeglied zu den Profis. Ich war oft im Training dabei, übernahm kleinere Aufgaben und erklärte gleichzeitig den Jugendtrainern das System der Profimannschaft.
Ziel ist, dass die Prinzipien der Profis in abgespeckter Form auch im Nachwuchs trainiert werden, damit der Übergang leichter fällt, wenn ein Jugendspieler bei den Profis aushelfen muss.
Pedro Calles hatte mich schon früh gefragt, ob ich mir diese Rolle vorstellen könnte. Damals passte es aus privaten Gründen nicht. Als die Anfrage später erneut kam, wurde mir klar, dass sich so eine Gelegenheit nicht oft bietet, und ich habe mich entschieden, mit den Profis zu arbeiten. Ich war sehr glücklich über diese Möglichkeit.
Frage: Dann begann eine recht turbulente Phase. Lazar Spasić ist mittlerweile der vierte Head Coach, unter dem du arbeitest. Haben sich deine Aufgaben bei den verschiedenen Trainern stark unterschieden?
Borchers: Ja, schon. Unter Pedro war ich hauptsächlich für die Offensive zuständig. Gegner analysieren, ihre Verteidigung innerhalb unserer Spielphilosophie angreifen, individuelles Scouting einzelner Spieler und Arbeit mit einer kleinen Spielergruppe im Individualtraining.
Als Mladen [Drijenčić] übernahm, blieb vieles zunächst gleich, aber man passt sich als Assistant Coach nach und nach stärker an die Ideen des Head Coaches an. Bei Predrag [Krunić] organisierten wir das Scouting anders, sodass jeweils ein Coach ein komplettes Spiel vorbereitete.
Die Arbeit mit Lazar ist jetzt anders, da bei unserer Arbeitsteilung mit u.a. die Videoanalyse zufällt. Hinzu kommen meine Parts im Training und im individuellen Bereich, die ich bei den Trainern vorher auch immer hatte. Wir sind eines der jüngsten Coaching Staffs in Europa und die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr harmonisch.
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Frage: Hast du selbst schon eine eigene Trainerphilosophie im Kopf?
Borchers: Eine Grundidee habe ich schon. Als U19-Headcoach war ich zwar nur kurz tätig, habe aber auch andere Teams betreut und sammle als Assistant Coach ständig Eindrücke, weil ich viele Spiele analysiere. Dabei fallen einem immer wieder Dinge auf, die einem gefallen oder eben nicht. Das Grundkonzept steht also bereits, während die Details sich kontinuierlich weiterentwickeln. Viele Trainer passen im Sommer nur Kleinigkeiten an, ohne ihre grundsätzliche Philosophie komplett zu ändern.
Frage: Du konntest also viel von den verschiedenen Trainern lernen?
Borchers: Absolut, ich hatte das Glück unter Top-Trainern lernen zu dürfen, Pedro ist für mich zum Beispiel einer der besten Trainer in Europa, vor allem, wenn es um Trainingsmethodik und Organisation geht. Von Mladen und Predrag habe ich viel über Kommunikation und den Umgang mit Spielern gelernt.
Mit Lazar ist jetzt wieder ein neues defensives Konzept dazugekommen, das in der BBL nicht viele Teams spielen. Das Spannende ist dabei immer der Weg zum Ergebnis. Am Wochenende sieht man nur das Spiel, aber im Training steckt dahinter eine Menge Detailarbeit.
Frage: Du kommst selbst aus dem Nachwuchsbereich. Wie integriert ihr junge Spieler in die erste Mannschaft?
Borchers: Der wichtigste Punkt ist, dass das Konzept vom Nachwuchs bis zu den Profis zusammenpasst. Wenn oben und unten komplett unterschiedliche Systeme gespielt werden, wird der Übergang für junge Spieler extrem schwierig.
Deshalb versuchen wir, eine gemeinsame Struktur zu haben – von der Baskita über JBBL und NBBL bis zur ProB. Schritt für Schritt nähern sich die Spieler dann dem Niveau der Profis an.
Wenn ein Jugendspieler bei uns im Training ist, erwarten wir gar nicht, dass er sofort herausragt. Der erste Schritt ist schon geschafft, wenn er das Training nicht stört und sich an das Tempo gewöhnt. Denn der Sprung ist groß, von der NBBL zur ProB und von dort zur BBL noch einmal mehr.
Gerade bei Verletzungen sind wir deshalb froh, auf junge Spieler zurückgreifen zu können, die das Niveau im Training halten.
Frage: Also schnuppern Nachwuchsspieler regelmäßig im Profitraining?
Borchers: Ja, das war eigentlich in jedem Jahr so. Gerade zu Saisonbeginn sind mehrere Nachwuchsspieler dabei. Mit der Zeit kristallisiert sich dann heraus, wer dauerhaft im Training bleibt und wer noch mehr Spielpraxis in der ProB braucht.
Frage: Ein Beispiel ist Hannes Steinbach von Würzburg der den Sprung von der ProB in die BBL und jetzt ans College geschafft hat, durch Verletzungen anderer Spieler hat er plötzlich viel BBL-Spielzeit bekommen hat. Bei Colin Schröder habt ihr etwas Ähnliches versucht. Ist das bewusst so geplant?
Borchers: Ja, auf jeden Fall. Gerade für junge Spieler sind ein paar Minuten auf diesem Niveau extrem wertvoll. In den ersten Minuten eines Spiels verliert man normalerweise kein Spiel – aber der Spieler sammelt wichtige Erfahrungen.
Für Colin ist das auch eine Belohnung für seine Arbeit im Training und in der ProB. Das Tempo und die Physis in der BBL sind noch einmal ganz anders, und aus diesen Situationen lernen junge Spieler unglaublich viel.
Bei Hannes Steinbach hat man gesehen, wie schnell sich jemand entwickeln kann, wenn er diese Chance bekommt. Seine Kurve ging danach deutlich nach oben und am Ende steht jetzt sogar ein College-Angebot in Millionenhöhe. Das zeigt, wie wertvoll solche Erfahrungen sein können.
Abschluss: Vielen Dank für die Zeit, es hat sehr Spaß gemacht.
Der Start ins Spiel ließ vieles zu wünschen übrig. Von Beginn an fehlten Konzentration und Energie, sowohl in der Verteidigung als auch im Angriff. Sinnbildlich dafür war ein 18:0-Lauf der Hamburger, in dem die Oldenburger weder offensiv noch defensiv Zugriff bekamen. Bezeichnend war auch ein Einwurf von Clemons nach einem Korberfolg der Towers, der direkt gegen die Werbebande ging und Hamburg sofort den nächsten Angriff ermöglichte.
Im dritten Viertel zeigten die Oldenburger dann Kampfgeist, kämpften sich zurück ins Spiel und hatten sogar die Möglichkeit, die Partie zu drehen. Anschließend brach die Mannschaft jedoch wieder ein und verschenkte beinahe noch den direkten Vergleich. Am Ende stand eine 77:96-Niederlage – ein ungefährdeter Sieg für die Towers.
Es stellt sich definitiv die Frage, was seit dem Auswärtsspiel in Ulm passiert ist. Zuvor hatte man Ludwigsburg noch auf souveräne Art und Weise besiegt, doch seitdem wirken die Oldenburger wie in einem mentalen Loch.
Eine Auffälligkeit gibt es seitdem ebenfalls: James Woodard fehlt den Oldenburgern seit dem Spiel in Ulm. Er setzte zunächst aus, da er Vater wurde, und verletzte sich anschließend beim Top Four in München. Um das Fehlen deutlicher darzustellen, werde ich demnächst einen Artikel veröffentlichen, in dem die Zahlen mit und ohne Woodard ausgewertet werden.
Ralph Hounnou
Definitiv positiv hervorzuheben ist Ralph Hounnou, der mit seinem Einsatz zu Beginn der zweiten Halbzeit die zuvor fehlende Energie und Motivation ins Spiel brachte. Er zeigte, was es bedeutet, sich gegen eine drohende Niederlage zu stemmen, und machte in seinen Minuten deutlich, dass die Oldenburger noch einmal herankommen können. Sein Plus-Minus-Wert von +8 unterstreicht das – er war zudem der einzige Oldenburger mit einem positiven Wert.
Ausblick
Es bleibt zu wünschen, dass sich die Oldenburger Mannschaft an Hounnou ein Beispiel nimmt und die verbleibenden Spiele mit der gleichen Energie und Motivation angeht wie er. In den kommenden Partien sollten die Oldenburger im besten Fall zwei Siege einfahren, um sich nach unten abzusichern und nicht noch in den Abstiegskampf zu geraten.
Am Mittwoch steht für die Oldenburger das nächste wichtige Spiel an. Dieses Mal geht es vor allem darum, sich nach unten abzusichern. Denn sowohl Jena als auch der MBC, Heidelberg und Hamburg konnten zuletzt ihre Spiele gewinnen.
Zwar liegen die Heidelberger noch vier Siege hinter den Oldenburgern, allerdings steht auch noch das direkte Duell aus. Umso wichtiger ist daher die Partie gegen Hamburg. Mit einem Sieg könnte man die letzten Zweifel im Abstiegskampf beseitigen und gleichzeitig die Chancen auf die Play-Ins wieder erhöhen.
Ausgangslage
Das Spiel gegen die Hamburger dürfte jedoch nicht so deutlich werden wie das Hinspiel, das die Oldenburger mit 94:69 gewinnen konnten. Die Towers werden mit ordentlich Selbstvertrauen und großer Motivation anreisen.
Erst am Sonntag bezwangen sie den amtierenden Meister und finanzstärksten Klub, den FC Bayern München Basketball. In einem Eventspiel in der Barclays Arena gewannen die Hamburger mit einem offensiven Spektakel mit 96:81 und fügten den Münchenern erst die vierte Niederlage zu.
Auffällig ist zudem die wechselhafte Form der Towers. Zum sechsten Mal in Folge wechselten sich Sieg und Niederlage ab. Vor dem Erfolg gegen München verlor Hamburg gegen Jena, davor gewann man gegen Trier, davor folgte wieder eine Niederlage gegen Trier und so weiter.
Ein möglicher Vorteil für Oldenburg könnte die Auswärtsschwäche der Towers sein. Nur drei ihrer zwölf Spiele in der Fremde konnten die Hamburger gewinnen.
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Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
Physische Verteidigung
Energie der Fans
Ballmovement
Ein entscheidender Faktor wird die physische Verteidigung sein. Hier gilt es, von Beginn an Energie und den klaren Willen zum Sieg zu zeigen. Das ist auch für die Fans wichtig, denn sie spüren, wenn das Team kämpft und alles gibt. Daraus kann ein Wechselspiel entstehen. Die Energie von den Rängen überträgt sich auf die Spieler und umgekehrt.
Gegen Würzburg kam phasenweise das gute Ballmovement zurück, hielt jedoch nicht über die gesamten 40 Minuten. Gegen Chemnitz zeigte sich ein ähnliches Bild. Der Ball lief nicht konstant gut. Genau das wird gegen die Towers aber entscheidend sein, über die komplette Spielzeit hinweg.
Ausblick
Können die Oldenburger zu alter Stärke zurückfinden und sich von den unteren Tabellenplätzen absetzen? Gegen den direkten Konkurrenten Hamburg wäre ein Sieg enorm wichtig, um sich nach unten hin abzusichern und zugleich die oben beschriebene kleine Chance auf die Play-Ins zu erhöhen.
Am Samstagabend zeigte sich erneut, was den Oldenburgern in dieser Saison fehlt. Neben den Rebounds sind es vor allem die großen Scoring-Runs der Gegner, die ihnen das Leben schwer machen. So unterlag man in einem wichtigen Spiel um die Play-Ins am Ende deutlich mit 85:95.
Das Reboundduell war wieder einer der entscheidenden Faktoren. Oldenburg überließ den Chemnitzern nahezu die Hälfte ihrer eigenen Offensivrebounds und sicherte sich selbst nur knapp 57 % der möglichen Defensivrebounds. Sinnbildlich dafür war eine Szene zu Beginn des dritten Viertels. Seth Hinrichs hatte eigentlich die bessere Position und hätte den Defensivrebound problemlos sichern können. Stattdessen wartete er auf den Ball und von hinten kam Roman Bedime mit mehr Einsatz und erarbeitete so zumindest eine Einwurfsituation für Chemnitz.
In solchen Phasen fehlt den Oldenburgern spürbar die nötige Energie und der absolute Wille. Dadurch leidet auch die Physis in der Verteidigung, was sich besonders im zweiten Viertel zeigte, als man 36 Punkte zuließ. Auffällig ist dabei die Inkonstanz: Immer wieder gibt es Momente, in denen das Team voll da ist und alles versucht, wie am Ende der Partie, als man noch einmal auf vier Punkte herankam.
Offensiv erinnert das Spiel aktuell stark an den Saisonbeginn. Viele Angriffe enden in Einzelaktionen, häufig werden schwierige Würfe genommen, teils sogar unter hohem Druck am Ende der Shot-Clock.
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Möglicherweise hat man unterschätzt, wie wichtig Woodard für die Mannschaft ist. Mit ihm lief es zu Beginn unter Lazar Spasić deutlich besser. Er riss Lücken, traf den Dreier konstant und entlastete Fobbs sowie Clemons im Spielaufbau enorm. Genau dieser Faktor fehlt derzeit. Sowohl Fobbs als auch Clemons haben aktuell Probleme, Struktur ins Spiel zu bringen. Besonders Fobbs fällt dabei wieder in alte Muster zurück, schwierige Drives zum Korb oder schlecht vorbereitete Würfe aus der Distanz.
Es bleibt zu hoffen, dass Woodard gegen Hamburg wieder zur Verfügung steht und seine Bedeutung für das Spiel erneut unter Beweis stellen kann.
Kampfgeist
Positiv hervorzuheben ist, dass sich die Mannschaft nicht aufgegeben hat. Trotz eines extrem schwachen zweiten Viertels kämpfte sich Oldenburg im letzten Abschnitt noch einmal auf vier Punkte heran. Der Wille war da, das Spiel noch zu drehen. Letztlich verhinderten jedoch individuelle Fehler, dass die Partie erneut kippte.
Ausblick
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht, was den Oldenburgern vielleicht sogar entgegenkommen könnte. Bereits am Mittwoch geht es in der EWE Arena gegen Hamburg. Mit einem Sieg könnte man wieder etwas Ruhe ins Umfeld bringen.
Ab jetzt gibt es keine unwichtigen Spiele mehr. Damit ist auch die Partie in Chemnitz von großer Bedeutung. Es geht darum, den Anschluss an die Play-In-Plätze nicht zu verlieren. Das wird jedoch alles andere als einfach, denn in der Messe Chemnitz herrscht stets eine hitzige Atmosphäre. Nicht umsonst holten die Chemnitzer 7 ihrer 11 Siege vor heimischem Publikum und mussten sich dort nur viermal geschlagen geben.
Ausblick Ein Spieler, der diese Atmosphäre bestens kennt, ist Nicho Tischler. Für ihn wird es sicher ein besonderes Spiel, erneut nach Chemnitz zurückzukehren und zum zweiten Mal in dieser Saison gegen seinen ehemaligen Verein anzutreten. Doch nicht nur für ihn ist es ein besonderes Duell. Für die gesamte Mannschaft steht viel auf dem Spiel. Wie bereits erwähnt, geht es darum, wieder auf die Play-In-Plätze vorzurücken, nachdem sich die Oldenburger mit den letzten Ergebnissen in eine schwierigere Ausgangslage für die Postseason gebracht haben.
Auch für die Chemnitzer verlief die Saison bislang nicht ganz nach Wunsch. Nach den starken Platzierungen 4 und 3 in den vergangenen beiden Spielzeiten hinkt man den Erwartungen aktuell etwas hinterher. Das liegt allerdings weniger an der Heimstärke, sondern vielmehr an der Auswärtsschwäche. Nur 4 von 13 Spielen in der Fremde konnten gewonnen werden.
Am letzten Spieltag mussten die Chemnitzer eine äußerst ärgerliche Niederlage im Rasta Dome gegen Rasta Vechta hinnehmen, einen direkten Konkurrenten im Kampf um die Play-In-Plätze. Die Partie ging mit nur zwei Punkten Unterschied verloren. Ein Spiel, das die Chemnitzer schnell abhaken wollen, denn sie hatten mehrere Chancen auf den Sieg.
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Rebounds
Energie von Beginn an
Umstellungen
Ein Thema, das sich mittlerweile durch die gesamte Saison zieht, sind die Rebounds. Chemnitz ist mit 31,9 Prozent Offensiv-Rebound ein solides Team. Hier wäre es von Vorteil, wenn Filip Stanic wieder in den Kader zurückkehrt, um für mehr Sicherheit unter dem Korb zu sorgen.
Gerade bei einem Auswärtsspiel wie in Chemnitz ist es wichtig, sofort mit Energie zu starten. Die Chemnitzer werden in eigener Halle stark von ihren Fans getragen und entsprechend intensiv ins Spiel gehen – diese Energie gilt es zu matchen. In Frankfurt und Jena fehlte genau diese Intensität, die die Baskets gegen Chemnitz unbedingt zeigen müssen.
Entscheidend im Spiel gegen Würzburg waren die Anpassungen der Würzburger zur Halbzeit, durch die sie den Oldenburgern viele Optionen genommen haben. Den Oldenburgern fehlte daraufhin die eigene Antwort, sodass sie vermehrt in Eins-gegen-eins-Situationen verfielen. Durch die Vorbereitung in dieser Woche sollten die Oldenburger jedoch gut auf das Spiel in Chemnitz eingestellt sein und hoffentlich ein Mittel finden, wenn ihnen das Spiel über den Post genommen wird.
Ausblick
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Will man die Saison noch retten, ist ein Sieg gegen Chemnitz Pflicht. Dafür ist es entscheidend, mit der richtigen Einstellung ins Spiel zu gehen und über Einsatz und Kampf die Rebounds zu kontrollieren. Nur mit einem Sieg lassen sich die Chancen auf die Play-Ins aufrechterhalten.
Kurz vor Spielende am Sonntag schossen versehentlich gelbe Luftschlangen aus einer Kanone vor die Bank der Würzburger, während BBL-MVP-Kandidat Marcus Carr versuchte, einige davon einzufangen. Eigentlich werden diese nur mit der Schlusssirene bei einem Oldenburger Sieg in die Luft geschossen. Im Spiel selbst verhinderte Carr jedoch mit 23 Punkten, 11 Assists und 7 Rebounds den Oldenburger Erfolg, sodass keine weiteren Luftschlangen mehr aufs Feld geschossen wurden. Die Oldenburger verloren ein lange enges, umkämpftes und sehr physisches Spiel auch aufgrund der starken Leistung des Würzburger Spielers am Ende mit 79:85.
In der ersten Halbzeit zeigten die Oldenburger ihr starkes offensives Potenzial und ließen den Ball gut laufen. Den EWE Baskets gelang es häufig, den Ball in den Post zu bringen, Missmatches zu kreieren und daraus offene Dreier zu erzielen. Die Zahlen unterstreichen dies deutlich. Nur 9 von 22 Abschlüssen kamen aus dem Zweierbereich, während 13 Würfe von jenseits der Dreierlinie genommen wurden und davon 54 Prozent trafen. Lediglich 14 Ballverluste und 8 abgegebene Offensivrebounds verhinderten eine noch deutlichere Führung.
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In der zweiten Halbzeit nahmen die Würzburger den Oldenburgern dann weitgehend ihr Offensivspiel. Die Ballbewegung ließ deutlich nach, und die Gastgeber kamen kaum noch in ihre gewohnten Post-up-Situationen, die Würzburg konsequent unterband. Den EWE Baskets fehlten in dieser Phase die Ideen, sodass viele Angriffe in Eins-gegen-eins-Situationen mit schwierigen Abschlüssen endeten. Am Ende waren 22 Ballverluste und 19 zugelassene Offensivrebounds deutlich zu viel, um ein enges und umkämpftes Spiel zu gewinnen. Eine Entwicklung, die dem Trainerteam definitiv nicht gefallen dürfte und an der in dieser Woche sicher intensiv gearbeitet wird.
Der Dreipunktwurf
Die Oldenburger wirken zu abhängig von ihrem Distanzwurf, wie ein Blick auf die beiden Halbzeiten gegen Würzburg deutlich zeigt. In der ersten Hälfte fielen die Dreier sehr hochprozentig, insgesamt erzielten sie 45 Punkte, davon 21 von außen. In der zweiten Halbzeit hingegen wollte der Wurf nicht mehr fallen oder wurde von den Würzburgern besser verteidigt, wodurch sich das Offensivspiel deutlich erschwerte.
Auch der Vergleich der Punkte in der Zone spricht eine klare Sprache: Oldenburg erzielte hier nur 26 Punkte, während Würzburg auf 40 kam. Besonders bemerkbar machte sich dabei das Fehlen von Filip Stanic, der seine Stärken genau in diesem Bereich hat. Es bleibt zu hoffen, dass er schnell zurückkehrt und dem Spiel wieder mehr Variabilität verleiht.
Brian Fobbs
Brian Fobbs tat sich in diesem Spiel schwer – sinnbildlich für die Oldenburger Offensive. Häufig versuchte er, in Eins-gegen-eins-Situationen das Spiel an sich zu reißen, kam dabei jedoch selten effektiv in die Zone, und auch sein Dreipunktwurf wollte nicht fallen. Gerade er profitiert stark von guter Ballbewegung, um freie Würfe zu bekommen oder mit Vorteil zum Korb zu ziehen. Stattdessen musste er oft schwierige Abschlüsse nehmen.
Ausblick
Die Oldenburger müssen, um aus ihrem Tief herauszukommen, ein weiteres offensives Mittel entwickeln. Mehr Variabilität und bessere Ballbewegung sind entscheidend, um weniger berechenbar zu sein. Vor allem das Inside-Spiel sollte wieder stärker eingebunden werden, um offene Würfe und Drives zu kreieren.
Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich direkt in zwei wichtigen Spielen. Am Wochenende geht es gegen Chemnitz, vier Tage später gegen Hamburg. Beide Teams sind direkte Konkurrenten im Kampf um die Play-In-Plätze.