• Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Am Freitagabend konnten sich die EWE Baskets nicht nur über den Sieg freuen, sondern auch darüber, dass sie Moral gezeigt und einen Neun-Punkte-Rückstand drei Minuten vor Ende des dritten Viertels noch gedreht hatten. Am Ende gewannen die Oldenburger mit 77:68.

    Statistik des Spiels

    Was sofort auffällt, sind die 24 Assists der Oldenburger bei nur sechs Ballverlusten. Bei 28 verwandelten Feldwürfen ergibt das eine Assist-Quote von 85,7 Prozent – ein überragender Wert. Das zeigt, dass nahezu alle erfolgreichen Plays aus dem Teamplay heraus entstanden sind und nicht aus Isolationen.

    Spieler des Spiels

    Foto: EWE Baskets Oldenburg

    Zach Ensminger war für mich der Spieler des Spiels. Mit sieben Punkten, drei Rebounds, sieben Assists und drei Steals machte er eine sehr starke Partie. Gerade das Pick and Roll zwischen ihm und Marcel Keßen funktioniert bereits sehr gut. Ensminger findet immer besser in das System von Milenko Bogićević und übernimmt dort zunehmend Verantwortung. Ausbaufähig ist allerdings noch seine Freiwurfquote. Mit vier von sieben getroffenen Freiwürfen lag diese für einen Guard eher auf einem niedrigen Niveau.

    Taktikcheck

    Auch hier würde ich noch einmal ein Pick and Roll zwischen Ensminger und Marcel Keßen nehmen, das am Ende des vierten Viertels gespielt wurde. Hier der Zeitstempel bei Dyn: 2:16:16.

    Nicho Tischler spielt den Ball zunächst an der Mittellinie zu Ensminger. Anschließend kommt Keßen hoch, um den Block zu stellen. Der Block wird gestellt und Keßen rollt direkt zum Korb ab. Die Würzburger entscheiden sich daraufhin mit Charles Thompson und Sam Griffin für ein Doppeln gegen Ensminger. Dadurch ist Keßen unter dem Korb frei.

    Ensminger erkennt die Situation, überspielt das Doppeln und findet Keßen mit dem Pass. Die Hilfe der Würzburger Verteidigung durch Kenny Dye kommt anschließend zu spät. Keßen kann den Ball dadurch mit einem Floater im Korb unterbringen.

    Ausblick

    Viel Zeit zur Regeneration bleibt allerdings nicht, denn bereits am Sonntag um 16:30 Uhr wartet das nächste Spiel gegen die Hamburg Towers in der EWE Arena. Die Hamburger konnten am Freitag in der Verlängerung mit 94:90 gegen die Niners Chemnitz gewinnen und damit ihren ersten Sieg in dieser BBL-Saison einfahren.

    Für die Oldenburger ist es bereits das dritte Duell mit den Towers in diesem September. Nach zwei Testspielen treffen beide Mannschaften am Sonntag erstmals in einem Pflichtspiel aufeinander.

    Keys to win

    –         Energie

    –         Verteidigung gegen Noah Thomasson

    –         Hamburgs Drives kontrollieren

    Beide Mannschaften hatten bereits am Freitag ein Spiel. Die Oldenburger mussten dabei sogar auswärts in Würzburg antreten, während Hamburg zuhause gegen Chemnitz spielte. Entscheidend könnte daher sein, welches Team am zweiten Spiel des Wochenendes noch mehr Energie und Intensität aufs Parkett bringt. Eine lautstarke Halle könnte den Oldenburgern dabei zusätzlichen Rückenwind geben.

    Ein Spieler, auf den die EWE Baskets besonders achten müssen, ist Noah Thomasson. Gegen Rostock erzielte er 27 Punkte bei 5 von 8 Dreiern, gegen Bonn waren es dagegen 13 Punkte bei 3 von 7 aus der Distanz. Gegen Chemitz war er dann wieder Topscorer mit 16 Punkten der Towers. Thomasson früh aus seinem Rhythmus zu bringen, könnte daher eine wichtige Aufgabe sein. Mit Nicho Tischler haben die Oldenburger einen starken Verteidiger, der diese Aufgabe übernehmen könnte.

    Und auch die Drives zum Korb werden wichtig. Hamburg hat unter Benka Barloschky in der vergangenen Saison häufig den Weg zum Korb gesucht und dadurch viele Fouls gezogen. Mit 24,6 Freiwurfversuchen pro Spiel hatten die Towers ligaweit die meisten. Die Oldenburger müssen deshalb versuchen, die Drives möglichst früh zu stoppen und Hamburg nicht zu einfachen Abschlüssen oder Freiwürfen kommen zu lassen.

    Zweiter Ausblick

    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Die Oldenburger könnten das Doppelspieltagswochenende mit einem Sieg krönen und damit einen Saisonstart hinlegen, der inklusive BBL-Pokal bereits vier Siege aus vier Spielen umfassen würde. Zweimal haben die Oldenburger im September bereits gezeigt, wie sie die Towers schlagen können. Doch eine Mannschaft innerhalb kurzer Zeit ein drittes Mal zu besiegen, ist immer eine schwierige Aufgabe. Mit der aktuellen Form und den Fans im Rücken ist aber auch das möglich.

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    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Am Freitag, den 25. September, geht es um 20 Uhr in der tectake ARENA gegen die Fitness First Würzburg Baskets. Dabei kommt es zu einigen spannenden Wiedersehen und interessanten Duellen.

    Ausganglage

    Zur Ausgangslage der Würzburger lässt sich bislang noch nicht allzu viel sagen. Weder im BBL Pokal noch in der BBL sind die Würzburg Baskets bisher angetreten. Am vergangenen Wochenende stand für die Mannschaft von Saša Filipovski stattdessen die Qualifikation für die Basketball Champions League auf dem Programm. Gegen Manchester Basketball unterlagen die Würzburger knapp mit 73:74 und verpassten damit die Qualifikation für die Champions League.

    Auch abseits des Spiels gibt es einige interessante Wiedersehen. Milenko Bogićević trifft auf Saša Filipovski, unter dem er in der Saison 2018/19 als Assistenztrainer bei AS Monaco arbeitete. Beide kennen sich daher bereits aus dieser gemeinsamen Zeit. Auch für Nicho Tischler kommt es zu einem besonderen Duell. Er trifft erstmals in dieser Saison auf seinen Bruder Brandon Tischler. Und auch auf einen ehemaligen Oldenburger wartet das Team. Alen Pjanić, der mehrere Jahre das Trikot der EWE Baskets trug, ist seit dieser Saison Kapitän der Würzburg Baskets.

    Die Ausgangslage der EWE Baskets ist dagegen eine andere. Die Mannschaft von Milenko Bogićević hat bereits zwei Pflichtspiele absolviert. Im BBL Pokal setzte sich Oldenburg gegen Heidelberg durch, anschließend folgte ein Sieg in der BBL gegen Weißenfels. Mit zwei Siegen aus den ersten beiden Spielen sind die EWE Baskets damit erfolgreich in die Saison gestartet.

    Mit Würzburg wartet nun allerdings der erste echte Härtetest. Die Würzburg Baskets haben sich unter Saša Filipovski in den vergangenen Jahren zu einem der Topteams der Liga entwickelt. Eine kleine Korrektur muss ich dabei allerdings an meiner Aussage aus dem Podcast Courtside North vornehmen. Dort hatte ich gesagt, dass Würzburg in den vergangenen drei Jahren jeweils unter den Top 5 gelandet ist und dabei zweimal Platz vier belegte. Richtig ist, dass die Würzburger in allen drei Spielzeiten unter den Top 6 waren und zweimal auf Platz fünf landeten.

    Wer die entsprechende Folge noch einmal hören möchte, findet hier den Link: https://open.spotify.com/episode/0f04MTvgRRx60qUrGt7Oe5?si=0v4AW2L9S6K48kWJhUtcWw&utm_source=copy-link

    Unabhängig davon zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre, dass Saša Filipovski in Würzburg eine Mannschaft aufgebaut hat, die regelmäßig um die oberen Tabellenplätze mitspielt und auch in dieser Saison wieder entsprechend stark aufgestellt ist.

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    Ein möglicher Vorteil für die Oldenburger könnte allerdings der frühe Zeitpunkt der Saison sein. Würzburg hatte bislang erst ein Pflichtspiel und dürfte dementsprechend noch nicht so eingespielt sein, wie es im weiteren Saisonverlauf der Fall sein könnte. Für die EWE Baskets könnte es daher eine Chance sein, die noch nicht vollständig gefestigten Abläufe der Würzburger zu nutzen.

    Keys to win

    • Integration von Stefan Momirov
    • Foultrouble
    • Center Duell Wiggins gegen Thompson

    Noch ist offen, ob Neuzugang Stefan Momirov am Freitag bereits für die EWE Baskets auflaufen kann. Sollte er sein Debüt feiern, wird interessant sein, wie gut er bereits in die Mannschaft integriert ist. Gerade mit Blick auf das anstehende Doppelspieltagswochenende wäre eine zusätzliche Option in der Rotation wichtig.

    Beim Baskets Day war es Demajeo Wiggins, der früh mit Foulproblemen zu kämpfen hatte, gegen Weißenfels traf es Nate Johnson. Die Oldenburger spielen sehr physisch, müssen dabei aber aufpassen, nicht zu früh zu viele Fouls zu sammeln. Gerade wenn Momirov noch nicht zur Verfügung steht und die Rotation entsprechend kleiner ausfällt, kann das schnell zum Problem werden. Zudem wird ein Spieler mit Foulproblemen defensiv häufig gezielt attackiert.

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    Ein interessantes Duell dürfte es auch auf der Center-Position geben. Dort treffen Demajeo Wiggins und Charles Thompson aufeinander. Beide bringen viel Physis mit und gehören zu den wichtigen Spielern ihrer Mannschaft. Gerade beim Rebounding könnte dieses Duell eine entscheidende Rolle spielen. Es wird spannend zu sehen sein, welcher der beiden Big Men sich unter den Brettern durchsetzen kann.

    Ausblick

    Mit einem Erfolg könnten die EWE Baskets die Euphorie zum Saisonstart weiter entfachen. Mit einem Sieg in Würzburg wäre ein 3:0-Start am Sonntag möglich und würde nicht nur für eine gute Stimmung in der Arena sorgen, sondern könnte auch dem Team zusätzlichen Rückenwind für die kommenden Aufgaben geben.

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    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Ich habe mich mit Milenko Bogićević, dem neuen Trainer der EWE Baskets, getroffen und mit ihm ausführlich über Spielerscouting, Teambuilding und die Bedeutung klarer Rollen gesprochen. Dabei ging es auch um seine Philosophie in Offense und Defense, den Einfluss von Daten und Advanced Stats sowie die Frage, wie viel Freiheit Spieler innerhalb eines Systems bekommen sollten. Ein Gespräch über seine Sicht auf modernen Basketball, seine Erfahrungen als Trainer und darüber, was am Ende ein funktionierendes Team ausmacht.

    Frage: Hast du neben Basketball noch ein Hobby?

    Bogićević: Ich habe eine große Familie und drei Kinder. Eigentlich dreht sich mehr oder weniger alles um sie. Meine beiden älteren Kinder spielen Basketball, das jüngste Fußball. Dadurch bin ich ständig mit irgendeiner Sportart beschäftigt. Entweder verbringe ich Zeit mit ihnen oder ich schaue Fußball, denn ich bin ein großer Fußballfan.

    Viel Zeit mit meiner Familie habe ich allerdings nicht, weil ich hier lebe und meine Familie in Belgrad ist. Ein richtiges Hobby habe ich deshalb eigentlich nicht. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche mit meiner Familie verbringen. Wenn man das als Hobby bezeichnen möchte, dann ist das wohl mein Hobby. Eigentlich ist es aber keine Hobby, sondern große Liebe.

    Frage: Dann kommen wir zum Thema Spielerverpflichtungen. Du hast in einigen Interviews gesagt, dass der Charakter bei der Verpflichtung eines Spielers für dich am wichtigsten ist. Wie beurteilst du den Charakter eines Spielers vor einer Verpflichtung?

    Bogićević: Vieles davon kann man erkennen, wenn man weiß, worauf man achten muss. Man beobachtet die Reaktionen der Spieler und zum Beispiel, wie sie in der Defense spielen. Ich erinnere mich an einen Podcast mit Fußballtrainern, in dem es darum ging, worauf sie bei der Auswahl von Spielern besonders achten. Ein Punkt war die Reaktion eines Spielers nach einem Fehler.

    Daran kann man tatsächlich viel erkennen. Wie reagiert ein Spieler, wenn ihm ein Fehler unterläuft? Hat er die Leidenschaft und den Willen, sofort zurückzukommen, weiterzukämpfen und es beim nächsten Mal besser zu machen? Das kann viel über seinen Charakter aussagen.

    Das ist ein wichtiger Teil des Recruitings. Ich habe das Glück, seit fast 20 Jahren im Ausland zu arbeiten und dadurch ein großes Netzwerk aus Kollegen, Trainern und General Managern aufgebaut zu haben. Das hilft natürlich, möglichst viele Informationen über einen Spieler zu bekommen.

    Zunächst schaut man sich die Spiele und Videos an, anschließend versucht man, so viele und so gute Informationen wie möglich über den Spieler zu sammeln. Das ist der Prozess. Dafür muss man sich aber Zeit nehmen.

    Frage: Du hast gerade schon angesprochen, dass du dir Spiele und Videos anschaust. Bevor ihr einen Spieler verpflichtet, führst du aber wahrscheinlich auch ein persönliches Gespräch mit ihm. Gibt es dabei bestimmte Fragen, die du stellst, um mehr über seinen Charakter herauszufinden?

    Bogićević: Genau. In persönlichen Gesprächen kannst du herausfinden, was für einen Spieler akzeptabel ist und was nicht. Einige Dinge müssen dabei von Anfang an klar sein.

    Danach ist aber auch die Gruppe wichtig. Nicht jeder Spieler bringt automatisch die gleiche kämpferische Mentalität mit. Wenn du jedoch eine starke Gruppe hast, kann auch ein Spieler mit weniger ausgeprägtem Kampfgeist davon profitieren und sich etwas von seinen Mitspielern abschauen.

    Frage: Ja. Und in einem Team gibt es natürlich unterschiedliche Rollen. Wählst du die Spieler auch anhand ihres Charakters für bestimmte Rollen aus, oder entwickelst du die Rollen im Team abhängig von den jeweiligen Charakteren?

    Bogićević: Bei wichtigen Positionen wie dem Point Guard ist eine gewisse Führungsqualität sicher wichtig. Auch der zweite Guard braucht einen bestimmten Charakter. Grundsätzlich spielt die Position aber keine entscheidende Rolle. Beim Recruiting geht es darum, ein Team zusammenzustellen, in dem jeder Spieler den richtigen Charakter mitbringt.

    Auch ein Center muss mental stark sein, schließlich geht es dort viel um Kampf, Körperkontakt und Rebounds. Jeder Spieler muss Charakter, Aggressivität und die Bereitschaft mitbringen, sich durchzusetzen. Beim Leadership gibt es vielleicht einen kleinen Unterschied. Ein Point Guard braucht davon etwas mehr, weil der Ball häufig in seinen Händen liegt und er dadurch mehr Verantwortung für das Spiel trägt.

    Frage: Und wenn die Spieler dann zum Team stoßen, wie legst du die unterschiedlichen Rollen fest? Du hast in einem Team verschiedene Rollen. Wie stellst du sicher, dass jeder Spieler mit seiner Rolle zufrieden ist und sich darin wohlfühlt?

    Bogićević: Das ist ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit. Die Rollen innerhalb eines Teams müssen klar definiert sein. Als Trainer besteht ein Teil unserer Aufgabe natürlich aus Xs und Os, also aus Taktik und Spielsystem. Aber das ist eben nur ein Teil. Der andere wichtige Punkt ist, jedem Spieler seine Rolle klar zu vermitteln.

    Natürlich kann man es in unserem Job nicht jedem recht machen. Gerade bei den Rollen darf ein Trainer keine Angst davor haben, klare Entscheidungen zu treffen. Jeder Spieler muss wissen, welche Aufgabe er hat und was von ihm erwartet wird.

    Wenn ein Trainer versucht, es allen recht zu machen, zu viele Kompromisse einzugehen oder Dinge zu tun, hinter denen er selbst nicht steht, verliert er am Ende seine eigene Linie und damit auch die Klarheit der Rollen. Deshalb müssen die Rollen wirklich eindeutig sein, sodass jeder versteht, wo sein Platz im Team ist.

    Das funktioniert über Einzelgespräche, über Gespräche mit der gesamten Gruppe und darüber, offen zu kommunizieren, wer welche Verantwortung trägt. Jeder muss wissen, was seine Aufgabe ist und welchen Beitrag er zum Team leisten soll. Ich denke, das ist ein wirklich wichtiger Teil unserer Arbeit.

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    Frage: Du warst lange Zeit Assistant Coach und bist mittlerweile seit vier Jahren Head Coach. Hattest du als Assistant Coach bereits Verantwortung dafür, solche Regeln und Strukturen im Team festzulegen, oder hast du das damals eher von den Head Coaches gelernt und diese Verantwortung erst übernommen, als du selbst Head Coach wurdest?

    Bogićević: Diese Verantwortung liegt grundsätzlich beim Head Coach. Ich hatte allerdings das große Glück, 13 Jahre mit Saša Obradović zusammenzuarbeiten. Er hat mir sehr vertraut und mir ermöglicht, bestimmte Dinge selbstständig zu übernehmen.

    Auch als Assistant Coach ist es wichtig, den Spielern manchmal zu erklären, was von ihnen erwartet wird. Gerade wenn Spieler mit ihrer Rolle unzufrieden oder frustriert waren, konnte ich vermitteln und ihnen erklären, was der Trainer von ihnen möchte.

    Die klare Definition der Rollen liegt aber letztlich beim Head Coach. Er muss dafür sorgen, dass diese Erwartungen eindeutig kommuniziert werden.

    Frage: Du hast gerade gesagt, dass die Arbeit als Trainer aus zwei großen Bereichen besteht. Zum einen geht es darum, die Spieler in ihre Rollen zu bringen, zum anderen um die Xs und Os, also die taktische Arbeit. Du hast dabei schon Saša Obradović erwähnt. Wie viel von Saša Obradović steckt heute noch in deiner eigenen Spielphilosophie und deinen taktischen Ansätzen?

    Bogićević: Auf jeden Fall ist Saša ein großer Teil davon. Wenn ich in meiner Karriere jemandem etwas zu verdanken habe, dann ihm. Er hat mich auf und neben dem Spielfeld stark geprägt. Ich habe viele Dinge von ihm übernommen, vor allem in der Defense, aber auch was Hingabe und Professionalität betrifft. Er ist einer der professionellsten Trainer, mit denen ich je gearbeitet habe.

    Natürlich stammen einige Ideen von ihm und andere von mir. Ich hatte aber auch das Glück, mit Trainern wie zum Beispiel Saša Filipovski und Ronen Ginzburg zusammenzuarbeiten. Von all diesen Trainern habe ich etwas mitgenommen.

    Gleichzeitig muss jeder Trainer seine eigene Philosophie und seinen eigenen Weg entwickeln. Man muss die Entwicklungen und Trends im Basketball verfolgen und sich ständig weiterentwickeln. Vieles habe ich von Saša übernommen, aber einige Ideen und Ansätze sind auch meine eigenen.

    Frage: Kommen wir zu deiner eigenen Philosophie. In älteren Interviews hast du immer wieder gesagt, dass jeder Spieler in dein System eingebunden sein soll. Wie stellst du sicher, dass das tatsächlich funktioniert?

    Bogićević: Wie ich schon gesagt habe, ist das System für mich das Wichtigste. Wenn alle ihm folgen, findet jeder seinen Platz. Dabei spielt es keine Rolle, ob Point Guard, Guard, Wing oder Big. Jeder hat seine Aufgabe.

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    Wenn du als Team zusammenspielst, den Ball teilst und füreinander spielst, kann sich jeder einbringen. Dafür braucht es eine gute Teamchemie und die Bereitschaft, miteinander zu spielen.

    Deshalb ist es so wichtig, dem System zu folgen. Wenn ein Spieler fehlt, kann ein anderer seine Rolle übernehmen. So kann jeder seinen Moment bekommen.

    Ich glaube nicht, dass in jedem Spiel derselbe Spieler im Mittelpunkt stehen muss. Wir wollen die Möglichkeiten haben, dass in einem Spiel der eine Spieler besonders präsent ist und im nächsten ein anderer. So kann jeder irgendwann großen Einfluss auf das Spiel haben.

    Frage: Hinter dieser Philosophie stehen natürlich auch konkrete Plays und taktische Ideen. Eine Sache ist mir dabei aufgefallen, sowohl bei dir als Head Coach in Weißenfels als auch jetzt hier: Du spielst teilweise mit einer Aufstellung aus drei Guards. Was steckt taktisch hinter dieser Idee?

    Bogićević: Das ist etwas, das ich wirklich mag, und ich denke, es gehört zum modernen Basketball. 80 bis 85 Prozent des Spiels bestehen mittlerweile aus Pick and Roll. Eine Aufstellung mit drei Guards gibt dem Trainer die Möglichkeit, dass jeder dieser Spieler mit dem Ball Pick and Roll spielen und für sich selbst oder seine Mitspieler kreieren kann. Das ist für mich ein großer Vorteil.

    In Weißenfels hatte ich bereits die Möglichkeit, mit einer solchen Aufstellung zu spielen, und ich denke, dass wir auch in dieser Saison davon profitieren können. Im Moment haben wir allerdings etwas Pech, weil Le’tre [Darthard] verletzt ist.

    Ich mag aber auch das Spiel ohne Ball und den Einsatz von Off-Screens. Wenn das Pick and Roll einmal nicht funktioniert oder die Defense es gut verteidigt, brauchst du andere Möglichkeiten. Dann können Off-Screen-Situationen und Bewegung ohne Ball wichtige zusätzliche Optionen sein. Ich freue mich deshalb, dass wir auch in diesem Team Spieler haben, die uns diese Möglichkeiten geben.

    Nicho [Tischler] kann beispielsweise aus der Guard-Position im Post-up kreieren. Dazu haben wir mit Marcel [Keßen] und Demajeo [Wiggins] zwei Spieler, die ebenfalls gute Optionen im Post-up sind. Das ist für uns ein großes Plus.

    Aber um noch einmal auf die drei Guards zurückzukommen: Ich bin einfach ein großer Pick-and-Roll-Fan und mag es, wenn ich drei Spieler auf dem Feld habe, die mit dem Ball kreieren können.

    Frage: Du hast gerade das Post-up angesprochen. Hast du das Gefühl, dass es im modernen Basketball langsam wieder wichtiger wird? In der vergangenen Saison haben beispielsweise Lazar Spasić und Svetislav Pešić wieder häufiger auf Post-ups gesetzt.

    Bogićević: Ich denke, dass sich auch das Post-up im modernen Basketball verändert hat. Es gibt immer weniger klassische Spieler auf der Position fünf, die regelmäßig im Post-up spielen können. Stattdessen haben viele Teams größere Wings, die dort kreieren können.

    Das Post-up ist also nicht verschwunden, sondern wird heute von unterschiedlichen Positionen genutzt. Ich glaube deshalb, dass es wieder etwas wichtiger werden kann. Vielleicht nicht unbedingt über den klassischen Center, sondern auch über die Vier oder sogar über Guards. Entscheidend ist nicht die Position, sondern ob ein Spieler im Post-up kreieren kann.

    Ich denke, das hat man auch bei Pešić gesehen. Er hatte Spieler, die diese Fähigkeit mitgebracht haben. Das Post-up wird meiner Meinung nach immer ein Teil des Basketballs bleiben, nur vielleicht auf unterschiedliche Art und Weise.

    Frage: Wann hinterfragst du dein eigenes System am meisten? Zu Beginn der Saison, wenn du mit neuen Spielern arbeitest, während einer negativen Phase in der Saison oder vielleicht kurz vor den Playoffs?

    Bogićević: Ich denke, dass jeder Trainer irgendwann Zweifel hat. Aber es wäre schlecht, wenn man grundsätzlich an seinem eigenen System zweifelt. Deshalb müssen wir uns immer kritisch hinterfragen, analysieren, was nicht funktioniert, und unsere eigenen Fehler erkennen.

    Kleine Anpassungen sind notwendig, aber das System und die eigene Philosophie dürfen nicht ständig infrage gestellt werden. Wenn du alles grundlegend veränderst, kann das schnell zum Problem werden.

    Natürlich müssen wir uns auch an einzelne Spieler anpassen, wenn bestimmte Dinge für sie nicht funktionieren. Grundsätzlich müssen wir unser System aber schützen und daran festhalten. Am Ende der Saison sehen wir dann, ob es funktioniert hat oder nicht.

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    Frage: Okay. Auch wenn du sechs Spiele in Folge verlierst?

    Bogićević: Wenn du sechs Spiele in Folge verlierst, kann das viele verschiedene Gründe haben. Vielleicht funktioniert das System nicht, vielleicht liegt es am Trainer, vielleicht funktionieren bestimmte Dinge mit den Spielern nicht. Es kann vieles sein.

    Wie ich gesagt habe, ist eine solche Phase auf jeden Fall ein Alarmsignal dafür, dass etwas nicht richtig läuft. Es wäre sicherlich nicht gut, wenn wir darauf nicht reagieren würden. Natürlich müssen dann Anpassungen vorgenommen werden.

    Aber wie gesagt, ein Trainer darf dabei nicht anfangen, grundsätzlich an seinem System zu zweifeln. Du musst analysieren, was nicht funktioniert, die notwendigen Anpassungen vornehmen und gleichzeitig an deiner grundlegenden Philosophie festhalten.

    Frage: Arbeitest du im Hintergrund auch mit Kennzahlen wie Advanced Stats oder welche Hilfsmittel nutzt du, um eure Spiele zu analysieren und zu bewerten?

    Bogićević: Wir arbeiten mit verschiedenen Statistiken. Mittlerweile gibt es sehr viele Programme, die uns unterschiedliche Daten zur Verfügung stellen. Dazu kommen interne Statistiken für offensive und defensive Aspekte. Wir schauen uns an, was produktiv ist, was nicht funktioniert und in welchen Bereichen wir uns verbessern müssen.

    Ich denke, das ist einfach Teil einer neuen Ära im Basketball. Durch neue Technologien und auch künstliche Intelligenz gibt es immer mehr Möglichkeiten, Daten zu erfassen und zu analysieren. Ich glaube, auch in der NBA wird zunehmend damit gearbeitet. Diese Möglichkeiten müssen wir als Trainer nutzen.

    Gleichzeitig komme ich aber immer wieder auf das zurück, was ich als Coaching-Gefühl bezeichnen würde. Zahlen sind nicht immer nur Zahlen und Statistiken können nicht das gesamte Bild abbilden. Sie sind deshalb nicht falsch, zeigen aber manchmal nicht alles.

    Deshalb müssen wir uns auch auf unser Gefühl und unsere Erfahrung verlassen. Beides ist für einen Trainer genauso wichtig wie die statistischen Daten.

    Frage: Ich denke, das beste Beispiel dafür ist die Defense. Es gibt schließlich keine wirklich aussagekräftigen Zahlen, mit denen man die individuelle Defensivleistung eines einzelnen Spielers messen kann, oder?

    Bogićević: Doch, das kann man durchaus. Deshalb erfassen wir zum Beispiel auch bestimmte defensive Daten. Wir schauen uns an, wie erfolgreich unsere Pick-and-Roll-Coverages sind, wie viele Deflections wir haben oder wie oft wir bestimmte Dinge in unserer Defense umsetzen. Zum Beispiel, wie häufig wir bei unseren taktischen Vorgaben den Screen attackieren beziehungsweise den Ballhandler unter Druck setzen.

    Wenn man solche defensiven Daten erfassen möchte, kann man das also durchaus machen. Und genau das tun wir auch in gewisser Weise.

    Frage: Als ich mit Max DiLeo gesprochen habe, hat er gesagt, dass die Defense die Offense bestimmt. Wie wichtig ist dieser Gedanke für deine defensive Philosophie? Ich habe bei euch zum Beispiel beobachtet, dass ihr beim Pick and Roll häufig etwas hedgt, um den Ball aus den Händen des Point Guards zu bekommen und ihn zu bestimmten Entscheidungen zu zwingen.

    Bogićević: Ich mag Max. Er hat diese Mentalität und war ein großartiger Defensivspieler. Vieles davon kommt aus seiner Energie, Härte und seinem Kampfgeist. In diesem Punkt teile ich seine Meinung.

    Ich spiele sehr gerne eine aggressive und harte Defense. Das passt für mich zum modernen Basketball. Aus einer guten Defense heraus kannst du schnell nach vorne spielen und einfache Punkte über Fastbreaks bekommen.

    Gerade defensiv machen wir aktuell einen guten Job und ich bin mit unserer Entwicklung zufrieden. Offensiv haben wir dagegen noch Luft nach oben. Wir müssen schneller spielen und mehr Tempo entwickeln.

    Defensiv wollen wir an die Grenze gehen, auch an die Grenze des erlaubten Kontakts, und dabei immer mit einem hohen Energielevel spielen. Daran wollen wir festhalten.

    Frage: Wann beginnt für dich die Defense innerhalb einer Possession?

    Bogićević: Mit dem sogenannten Tagging beginnt die Defense heute eigentlich schon in der Offense. Das machen mittlerweile alle Teams. Nach einem Wurf, unabhängig davon, ob er getroffen oder verfehlt wird, beginnt die Defensive bereits damit, dass die Spieler ihre Gegenspieler kurz aufnehmen.

    Dadurch gibst du deinem Team die Möglichkeit, den offensiven Rebound zu kontrollieren und gleichzeitig eng an den Gegenspielern zu bleiben. Wenn du nach einem Wurf schnell zurück in die Defense musst, kannst du so frühzeitig die Spieler aufnehmen und den Fastbreak des Gegners verhindern.

    Für mich beginnt die Defense also bereits mit dem Wurf. In diesem Moment geht es schon darum, den Gegenspieler zu taggen. Danach geht es Schritt für Schritt zurück in die eigentliche Defense. Aber der erste defensive Impuls beginnt bereits mit dem Wurf.

    Frage: Die Pick-and-Roll-Defense ist eine der schwierigsten Aufgaben in der Defense, weshalb sich viele verschiedene Varianten wie die Hedge-Defense entwickelt haben. Ist das vielleicht auch ein Grund, warum du gerne mit drei Guards spielst? Weil du dadurch mehrere Spieler auf dem Feld hast für die Pick-and-Roll-Defense?

    Bogićević: Nein. Für mich beginnt alles mit der Eins-gegen-eins-Defense. Das ist Teil meiner Philosophie. Ich versuche nicht, ständig etwas völlig Neues zu erfinden, sondern sammle Ideen von verschiedenen Trainern und entwickle daraus meine eigene Sicht auf Basketball.

    Wenn du Eins gegen Eins gut verteidigst und deinen Gegenspieler vor dir hältst, spielt es am Ende eine geringere Rolle, ob du Hedge oder Drop spielst. Du brauchst dann weniger Hilfe und weniger Rotationen. Deshalb ist die Eins-gegen-eins-Defense für mich die Grundlage. Erst danach kommt die Frage, wie wir das Pick and Roll verteidigen.

    Was die drei Guards betrifft, geht es mir vor allem darum, in den entscheidenden Phasen meine besten Verteidiger auf dem Feld zu haben. Dabei ist die Position weniger entscheidend. Wichtig ist, dass wir gute Verteidiger haben und den passenden Spieler auf den gegnerischen Creator setzen können.

    Die Grundlage bleibt aber immer die Eins-gegen-eins-Defense.

    Frage: Würdest du dich eher als defensiv- oder offensivorientierten Trainer bezeichnen?

    Bogićević: Ich würde sagen, dass ich eher der defensive Trainer bin. Wie ich schon gesagt habe, beginnt für mich alles mit der Defense. Deshalb versuchen wir schon im Preseason-Camp, unsere defensive Identität zu entwickeln und gleichzeitig offensiv auf Raumaufteilung und Bewegung zu achten.

    Grundsätzlich glaube ich, dass eine gute Defense auch Möglichkeiten für die Offense schafft. Durch eine harte Defense kannst du einfache Punkte erzielen und offensiv Lösungen entwickeln.

    Deshalb würde ich mich eher als defensiv als offensiv orientierten Trainer bezeichnen.

    Frage: Sind Defense und Offense in deinen Trainingseinheiten ungefähr gleich gewichtet oder würdest du sagen, dass ihr mehr Zeit mit der Defense verbringt als mit der Offense? Und worauf legt ihr besonders Wert?

    Bogićević: Das ist bei uns ungefähr gleich gewichtet. In diesem Bereich arbeiten wir auf einem ähnlichen Niveau. Wie ich schon gesagt habe, gibt es in der Defense aber immer bestimmte Kriterien, die mir besonders wichtig sind.

    Wenn ich mir für die nächste Phase etwas vornehmen müsste, dann würde ich sagen, dass wir offensiv vielleicht etwas schneller spielen müssen. Gleichzeitig möchte ich unseren Spielern in der Offense sehr viel Freiheit geben, damit sie selbst gute Entscheidungen treffen können. Sie dürfen offene Würfe nehmen, und damit habe ich überhaupt kein Problem.

    Ich habe auch kein Problem damit, wenn ein Spieler beispielsweise fünf offene Würfe nimmt und keinen davon trifft. Entscheidend ist für mich die Wurfauswahl. Wenn es ein offener und guter Wurf ist, ist das für mich völlig in Ordnung. Wenn ein Spieler dagegen einen schlechten Wurf nimmt, obwohl er eigentlich keine gute Situation dafür hat, dann ist das etwas anderes. Damit habe ich ein Problem.

    Deshalb würde ich sagen, dass wir in der nächsten Phase vielleicht etwas mehr an unserer Offense arbeiten können. Ich glaube, dass wir dafür die entsprechenden Fähigkeiten haben.

    Frage: Du hast gerade die Fehlwürfe angesprochen. Damit kommen wir auch wieder zu einem Punkt vom Anfang unseres Gesprächs zurück. Schaust du dir im Video gezielt an, welche Würfe ein Spieler nimmt und wie er nach einem Fehlwurf reagiert?

    Bogićević: Das zeigt dir durchaus etwas über einen Spieler. Ich mag es überhaupt nicht, wenn ein Spieler einen Wurf verfehlt, danach den Kopf hängen lässt und mit schlechter Körpersprache zurück in die Defense läuft.

    Ein Fehlwurf ist kein Problem, wenn es ein guter und offener Wurf war. Dann soll der Spieler beim nächsten Mal wieder werfen. Entscheidend ist die Reaktion danach. Du musst zurücklaufen und deine Aufgabe in der Defense machen, anstatt über den Fehlwurf nachzudenken.

    Für mich geht es dabei um eine Art „Short Memory“. Fehler passieren, aber man muss sie schnell abhaken und sich auf die nächste Aktion konzentrieren.

    Frage: Aus Fehlern können wir schließlich immer lernen. Ich denke, das ist ein guter Schluss für unser Gespräch.

    Bogićević: Genau. Das ist wichtig.

    Abschluss: Vielen Dank für das Gespräch.

    Hinweis: Das Gespräch wurde per Software transkribiert und mithilfe von KI aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Bei noch knapp zwei Minuten vor Ende des zweiten Viertels stopfte Tylan Pope den Ball über Colin Welp hinweg in den Korb. Die Aktion zeigte dabei nicht nur, was in Pope steckt, sondern brachte auch das Publikum endgültig ins Spiel. Plötzlich war die Stimmung da und die Energie in der Halle deutlich höher als in den ersten 18 Minuten. Und genau so sollte es weitergehen. Trotz eines schwierigen dritten Viertels behielten die Oldenburger die Kontrolle und konnten sich am Ende mit 96:81 gegen die Gäste durchsetzen.

    Die Statistiken des Spiel

    Nicho Tischler und Tylan Pope zeigten, wie wichtig sie auch offensiv für die Oldenburger sein können. Tischler kam auf ein Offensiv-Rating von 145,3, Pope sogar auf 147,4. Damit gehörten beide zu den effizientesten Offensivspielern der Partie. Auch insgesamt präsentierte sich die Offensive der Oldenburger mit einem Rating von 137,1 äußerst stark. Ein Wert, den man nach den vergangenen beiden Spielen vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte, schließlich stand dort vor allem die Defensive im Mittelpunkt.

    Auch beim Rebounding zeigten die Oldenburger ihre Stärke. Insgesamt sicherten sie sich 58,8 Prozent aller verfügbaren Rebounds und entschieden das Duell an den Brettern damit deutlich für sich. Besonders am defensiven Brett überzeugte das Team mit einer Rebound-Rate von 63,2 Prozent. Gegen eine Mannschaft mit viel Größe ist das ein wichtiger Wert und könnte sich im Laufe der Saison noch als eine der Stärken der Oldenburger herausstellen.

    Eine Statistik fällt dagegen eher negativ aus. Von der Freiwurflinie kamen die Oldenburger lediglich auf eine Quote von 67,9 Prozent. Insgesamt blieben damit neun Freiwürfe liegen. Gerade über eine lange Saison kann eine solche Schwäche zum Problem werden, wenn enge Spiele am Ende an der Freiwurflinie entschieden werden.

    Die Defense

    Spannend war auch die Aussage von Nicho Tischler nach dem Spiel im Dyn-Interview. Er zeigte sich mit der Defensive der Oldenburger noch nicht zufrieden. Ganz zustimmen würde ich ihm dabei nicht. Zwar gab es durchaus einige Situationen, in denen die Defensive noch nicht perfekt abgestimmt war, gleichzeitig waren aber auch viele starke Szenen dabei.

    Gerade Tylan Pope und Nicho Tischler selbst sind dabei hervorzuheben. Beide verteidigten ihre Gegenspieler über weite Strecken sehr gut und hielten sie konsequent vor sich. Auch die Advanced Stats zeichnen kein schlechtes Bild. Mit einem Defensive Rating von 115,7 war die Defensive insgesamt solide.

    Viel wichtiger ist aber, dass bereits einige gute Ansätze zu erkennen waren. Auf diese Szenen können die Oldenburger aufbauen. Mit zunehmender Spielzeit und besserer Abstimmung innerhalb des Teams sollte auch die Defensive noch stabiler werden.

    Spieler des Spiels

    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Hier hätte es gleich mehrere Spieler gegeben, die diesen Titel verdient gehabt hätten. Genau das dürfte auch ganz im Sinne von Milenko Bogićević sein. Denn er möchte nicht von einem einzelnen Spieler abhängig sein, sondern die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen.

    Das zeigte sich auch auf dem Scoreboard. Gleich fünf Spieler kamen auf 13 oder mehr Punkte und machten die Wahl zum Spieler des Spiels alles andere als einfach. Jeremy Roach steuerte 16 Punkte und 11 Assists bei, Demajeo Wiggins kam auf 14 Punkte und 10 Rebounds, Tylan Pope auf 13 Punkte, 7 Rebounds und 3 Blocks. Nicho Tischler legte mit 17 Punkten, 3 Rebounds und 4 Assist ebenfalls eine starke Partie hin.

    Für mich geht der Titel am Ende trotzdem an Tylan Pope. Mit seiner Energie, seiner Defense und seinem Einsatz war er für mich ein entscheidender Faktor. Aber klar ist auch: An diesem Abend hätten hier problemlos mehrere Namen stehen können.

    Taktikcheck

    Hier geht es um das Highlight des Spiels und wie perfekt dieser Spielzug das Pick and Roll zeigt. Es geht um den Dunk von Tylen Pope kurz vor Ende des zweiten Viertels (Dyn 1:02:20).

    Der Einwurf kommt von der gegnerischen Grundlinie ins Spiel und geht anschließend zu Jeremy Roach auf Höhe der Mittellinie. Dort startet dann das Pick and Roll. Dieses Mal kommt der Block allerdings nicht vom Center, sondern vom Power Forward Pope.

    Pope stellt den Block für Roach, während sein Verteidiger hart herausgeht und versucht, Roach zu stoppen. Pope rollt anschließend konsequent zum Korb ab. In diesem Moment orientiert sich der Guard-Verteidiger Hunt wieder zurück zu Roach und lässt Pope damit frei. Roach erkennt die Situation sofort, spielt den Pass zu Pope und der geht direkt zum Korb. Am Ende steht der spektakuläre Dunk.

    Ein schönes Beispiel dafür, dass ein Pick and Roll nicht zwingend mit einem klassischen Center gespielt werden muss. Entscheidend ist vor allem, wie die Verteidigung auf den Block reagiert und wie gut der abrollende Spieler den freien Raum attackiert.

    Ausblick

    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Eine lange Pause bleibt den Oldenburgern allerdings nicht, denn bereits am Freitag steht das nächste Spiel an. Dann geht es für die EWE Baskets nach Würzburg, wo um 20 Uhr der Tip-off erfolgt. Anschließend heißt es schnell zurück aus Bayern nach Oldenburg, denn bereits am Sonntag wartet um 16:30 Uhr das Heimspiel gegen die Hamburger.

    Damit steht den Oldenburgern ein intensives Wochenende bevor. Mit zwei Spielen innerhalb von drei Tagen können sie dabei einen wichtigen Grundstein für einen guten Start in die Liga legen.

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    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Am Sonntag um 15 Uhr startet für die EWE Baskets Oldenburg zuhause gegen den MBC die neue Saison. Für Milenko Bogićević ist es dabei ein besonderes Duell, denn es geht gegen seinen ehemaligen Verein, bei dem er im Februar das Traineramt übernommen hatte und anschließend zur neuen Saison 2026/27 nach Oldenburg wechselte.

    Ausgangslage

    Zur Ausgangslage lässt sich noch nicht allzu viel sagen, schließlich steht die Saison gerade erst in den Startlöchern. Zwei Punkte gibt es aber bereits. Beide Mannschaften haben ihre ersten beiden Spiele im BBL Pokal gewonnen. Die Oldenburger setzten sich mit 82:63 gegen Heidelberg durch, während der MBC noch deutlicher mit 113:83 gegen Göttingen gewann.

    Der zweite Punkt betrifft die vermeintlichen Schlüsselspieler beider Teams. Sowohl die EWE Baskets als auch der MBC müssen zum Saisonstart auf einen wichtigen Akteur verzichten. Bei den Oldenburgern traf es Le’tre Darthard, der sich beim Spiel gegen Hamburg nach einem Zusammenprall am Knie verletzte und mehrere Wochen ausfallen wird. Beim MBC erwischte es mit Spencer Reaves den Star des Teams. Der Guard zog sich im Testspiel gegen Chemnitz eine Sprunggelenksverletzung am linken Fuß zu und muss mindestens sechs Wochen pausieren.

    Spencer Reaves ist einer von vier Spielern, die aus der vergangenen Saison in Weißenfels geblieben sind. Neben ihm stehen auch Collin Welp, Krešimir Nikic und Jure Planinić weiterhin im Kader. Die übrigen Positionen wurden mit bekannten Gesichtern aus der BBL und sogar einem Vize-Weltmeister von 2023 besetzt.

    Mit Kris Clyburn kehrt beispielsweise ein bekanntes Gesicht in die BBL zurück. Zudem verpflichtete der MBC den deutschen Nationalspieler Kostja Mushidi zunächst für drei Monate. Noch prominenter ist die Verpflichtung von Boriša Šimanić. Der Serbe wurde 2023 mit seiner Nationalmannschaft Vize-Weltmeister.

    Auch auf der Trainerposition gab es in Weißenfels einen Wechsel. Wie bereits erwähnt, zog es Milenko Bogićević nach Oldenburg. Seine Nachfolge beim MBC übernahm mit Vladimir Jovanović erneut ein Serbe.

    Keys to win

    • Heimkulisse
    • Offensiver Flow
    • Guard-Duell Roach gegen Hunt

    Für viele Spieler wird es das erste Pflichtspiel in der EWE Arena. Ein guter Start könnte dabei schnell eine Verbindung zwischen Mannschaft und Publikum entstehen lassen. Die Energie von den Rängen kann der Mannschaft zusätzlichen Schub geben und gerade beim ohnehin stark ausgeprägten Einsatz für den einen oder anderen Extra-Hustle sorgen.

    Beim Baskets Day und auch im Pokal geriet die Offensive der Oldenburger immer wieder ins Stocken. Gegen den MBC wird es deshalb darum gehen, mehr Konstanz in die eigenen Angriffe zu bekommen und einen besseren offensiven Flow zu entwickeln.

    Besonders spannend könnte das Duell auf der Point-Guard-Position werden. Mit Jeremy Roach und DeLonnie Hunt treffen zwei Guards aufeinander, die für ihre Teams wichtige Rollen übernehmen sollen. Hunt kommt mit der Empfehlung einer starken Saison aus Kroatien nach Weißenfels. Dort legte er im Schnitt 14,9 Punkte, 4,1 Rebounds und 4,4 Assists auf.

    Ausblick

    Für die Oldenburger wäre es wichtig, positiv in die Saison zu starten und das am besten mit einem Erfolg. Nach den vergangenen Jahren könnte das Umfeld der EWE Baskets andernfalls schnell wieder unruhig werden. Ein erfolgreicher Auftakt wäre deshalb nicht nur sportlich wichtig, sondern könnte auch dabei helfen, die Fans von Beginn an mitzunehmen und eine positive Grundstimmung rund um die Mannschaft zu schaffen.

  • Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Gegen 20 Uhr stand im SNP Dome in Heidelberg fest, dass die Oldenburger ins Achtelfinale einziehen. Am Ende fiel das Ergebnis mit 82:63 für die EWE Baskets dann auch deutlich aus

    Das Spiel

    Lange Zeit machten es die Heidelberger den Oldenburgern schwer, obwohl die EWE Baskets als Favorit in das Duell gegangen waren. Zwar starteten die Oldenburger stark in die Partie und erspielten sich früh eine Führung von acht Punkten, doch diese sollte nicht lange Bestand haben. Anschließend entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, sodass Oldenburg mit einer knappen Zwei-Punkte-Führung in die Halbzeit ging.

    Nach der Pause kamen die Heidelberger deutlich besser aus der Kabine und die Oldenburger wirkten zeitweise etwas überfordert. Heidelberg schaffte es, das Spiel zu drehen und den Vorsprung sogar auf acht Punkte auszubauen.

    Dann folgten jedoch 15 starke Minuten der EWE Baskets. Vor allem in der Defensive zeigten die Oldenburger, dass in der Abstimmung bereits einiges funktioniert. Auch offensiv lief es nun deutlich besser. Heidelberg gelang im letzten Viertel nur noch acht Punkte, während Oldenburg das Spiel drehte und am Ende deutlich mit 82:63 gewann.

    Die Defensive

    Gerade die starke Defensive war am Ende des Spiels besonders auffällig. Die Baskets zeigten immer wieder starke Plays in der Verteidigung und zwangen die Heidelberger gleich mehrfach zu einer 24-Sekunden-Violation. Auch schon beim Baskets Day gegen Hamburg war zu erkennen, dass die Oldenburger gegen Ende des Spiels defensiv noch einmal zulegen konnten und so die Partie für sich entschieden. Vielleicht ist genau das eine der großen Stärken dieser Mannschaft in der neuen Saison?

    Spieler des Spiels

    Zwar erzielte Johnson in seinem ersten Pflichtspiel für die Oldenburger 28 Punkte, doch Demajeo Wiggins ist mit seinem Double Double aus 13 Punkten und 10 Rebounds sowie seinem starken Einsatz in der Verteidigung der Spieler des Spiels. Während er beim Baskets Day noch mit Foulproblemen zu kämpfen hatte, zeigte er gegen Heidelberg, was in ihm steckt und mit welchen Qualitäten in dieser Saison zu rechnen ist.

    Taktik Ecke

    In dieser Rubrik möchte ich künftig immer ein Play aus dem Spiel genauer hervorheben und den passenden Dyn-Zeitstempel dazu nennen. So könnt ihr euch die Szene noch einmal anschauen und nachvollziehen, was auf dem Feld passiert.

    Für die erste Taktik Ecke habe ich mir ein Pick and Roll zwischen Nate Johnson und Demajeo Wiggins am Ende des dritten Viertels ausgesucht. Den Dyn-Zeitstempel findet ihr bei 01:41:56.

    Zach Ensminger bringt den Ball nach vorne und bewegt sich zunächst in Richtung des linken Wings, wo er einen Block von Seth Hinrichs bekommt. Währenddessen läuft Johnson aus der linken Corner zunächst in die Zone und anschließend zum Top of the Key, um den Ball von Ensminger zu übernehmen.

    Jetzt beginnt das Pick and Roll. Wiggins stellt Johnson einen Block gegen dessen Gegenspieler Kevin McClain. Dieser kommt nicht gut um den Block herum, wodurch Heidelbergs Center Nick Muszynski zu Johnson helfen muss.

    Genau das nutzt Wiggins aus. Während Muszynski zu Johnson heraustritt, rollt Wiggins zum Korb ab und ist durch das Helfen seines Gegenspielers frei. Johnson spielt den Pass zu ihm und Wiggins kann den Angriff mit einem Dunk abschließen.

    Dazu passt der Artikel (Die Basics des Pick-and-Roll)

    Ausblick

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    Der Sieg bedeutet, dass die Oldenburger Mitte Oktober im Achtelfinale des Netto BBL Pokals auf die Telekom Baskets Bonn treffen werden. Und das Ganze auch noch zuhause in der EWE Arena. Doch vorher stehen erst einmal einige Ligaspiele auf dem Programm. Die Saison startet bereits am Wochenende mit dem Auftaktspiel, das ebenfalls in der EWE Arena stattfindet. Für Mladen Bogicevic geht es dabei direkt gegen seinen ehemaligen Verein, den MBC. Dort hatte er in der vergangenen Saison im Februar das Traineramt übernommen.

    Die Vorschau auf den Saisonauftakt folgt.

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    Foto: EWE Baskets

    Am Sonntag um 18 Uhr endet die Vorbereitung der EWE Baskets Oldenburg. Dann startet die Saison mit der ersten Pokalrunde gegen die MLP Academics Heidelberg im SNP Dome in Heidelberg.

    Ausgangslage

    Über die Ausgangslage beider Teams lässt sich vor dem ersten Pflichtspiel nur schwer etwas sagen. Beide Mannschaften haben bisher ausschließlich Testspiele absolviert und gehen damit ohne Pflichtspielrhythmus in die Partie.

    Heidelberg konnte dabei einen ProB-Ligisten besiegen, musste sich aber auch zweimal gegen BBL-Teams geschlagen geben. Die Oldenburger haben deutlich mehr Testspiele bestritten. Insgesamt standen vier Duelle gegen BBL-Mannschaften und drei Spiele gegen serbische Teams auf dem Programm. Dabei gab es zwei Unentschieden und vier Niederlagen. Besonders erfreulich waren jedoch die beiden Siege gegen Hamburg am vergangenen Wochenende. Mit diesen Erfolgserlebnissen dürften die Baskets mit einem positiven Gefühl nach Heidelberg reisen.

    Trotz der Vorbereitung sollte der ProA-Ligist keinesfalls unterschätzt werden. Heidelberg zählt zu den Favoriten auf den Aufstieg in die BBL und verfügt über eine siebenköpfige deutsche Rotation mit mehreren BBL-erfahrenen Spielern sowie drei internationalen Spots. Nach dem Abstieg aus der BBL im vergangenen Sommer konnten die Heidelberger zudem vier Spieler halten und ihren Kader unter anderem mit Joschka Ferner und Lorenz Brenneke verstärken. Die Mannschaft bringt damit einiges an Qualität und Erfahrung mit.

    Für Marcel Keßen wird die Partie zudem eine besondere sein. Nach dem Abstieg mit Heidelberg kehrt er ausgerechnet zu seinem ehemaligen Klub zurück. Sein erstes Pflichtspiel im Oldenburger Trikot findet damit direkt in Heidelberg statt.

    Keys to win

    • Start des Spiels
    • Duell der Center
    • Hustle

    Der Start ins Spiel wird dabei besonders wichtig sein. Wie kommen die EWE Baskets in die Partie? Für Heidelberg wäre es ein großer Vorteil, das Spiel möglichst lange eng zu halten. Ein guter Start der Oldenburger könnte daher schon früh für klare Verhältnisse sorgen und den Heidelbergern die Hoffnung auf eine Überraschung nehmen.

    Ein entscheidendes Duell wird es auf den Center-Positionen geben. Heidelberg ist mit Lorenz Brenneke und Nick Muszynski hier stark besetzt. Die beiden Oldenburger Center Marcel Keßen und Demajo Wiggins müssen daher aufpassen, nicht früh in Foulprobleme zu geraten. Das könnten die Heidelberger mit ihren beiden starken Centern sehr gut ausnutzen.

    Am Ende werden solche Pokalspiele auch darüber entschieden, wer es mehr will. Die Baskets sollten daher, wie schon am Baskets Day, um jeden Ball kämpfen, hustlen und von der ersten Minute an zeigen, dass sie unbedingt in die nächste Runde wollen.

    Ausblick

    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Das erste Pflichtspiel der Oldenburger hat es direkt in sich. Mit einem Do-or-die-Spiel geht es um den Einzug ins Achtelfinale. Gleichzeitig bietet die Partie der Mannschaft die erste große Gelegenheit zu zeigen, was in ihr steckt und in welche Richtung es in dieser Saison gehen kann. Gegen 20 Uhr wissen wir mehr. Dann steht fest, ob die Baskets mit einem ersten Erfolgserlebnis und dem Einzug ins Achtelfinale in die neue Saison starten.

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    Foto: EWE Baskets Oldenburg

    Ich habe mich am Anfang der Vorbereitung mit Zach Ensminger getroffen, um unteranderem über seine letzte Saison zu sprechen. Dabei ging es unter anderem um die Rollenverteilung im Team und die Bedeutung klarer Rollen. Anschließend haben wir darüber gesprochen, was ihm bei der Suche nach einem neuen Verein wichtig ist und wie er seine Entscheidung für Oldenburg getroffen hat. Zum Abschluss ging es um die aktuelle Vorbereitung und taktische Themen wie das Pick-and-Roll und Post-up-Spiel.

    Frage: Wie blickst du auf die letzte Saison zurück?

    Ensminger: Ja, die Saison war sehr ereignisreich und vor allem positiv. Als ich nach Bamberg gegangen bin, hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, dass wir als Team so erfolgreich sein würden. Ich kannte Anton [Gavel] und Bamberg und wollte einfach wieder in der BBL Fuß fassen und den nächsten Schritt machen. Aber die Chemie im Team hat von Anfang an gestimmt – sowohl menschlich als auch bei den Rollen und Charakteren. Deswegen, ja, das war eine sehr, sehr schöne Saison und sehr viele schöne Erinnerungen. War eine geile Saison einfach.

    Frage: Du hast die Rollenverteilung schon angesprochen. Wie war die bei euch im Team, und wie wichtig sind dir grundsätzlich klare Rollen?

    Ensminger: Die Rollenverteilung war bei uns sehr klar. Wir hatten zwölf Spieler im Kader und viele Spieler, die mehrere Positionen spielen konnten. Dadurch konnten wir viele verschiedene Line-ups aufs Feld bringen.

    Gleichzeitig wusste jeder, dass er seine Chance bekommen würde, dem Team zu helfen. Anton hat das sehr gut gemacht. Dadurch hatte jeder Selbstvertrauen und wusste, was von ihm erwartet wird – auch wenn niemand wusste, ob er heute 28 Minuten spielt oder vielleicht weniger.

    Bei mir war zum Beispiel klar, dass ich manchmal auf der Eins aushelfen musste. Wir hatten viele gute Scorer, deshalb wollte ich sie mit Struktur und guten Pässen in Szene setzen. Gleichzeitig musste ich auf der Zwei auch selbst aggressiv sein und meinen Wurf nehmen oder als zusätzlicher Ballhandler für andere Plays sorgen.

    Ich glaube, dass jeder seine Rolle kennt und weiß, was er zum Teamerfolg beitragen soll, ist enorm wichtig.

    Frage: Dann kommen wir zur aktuellen Saison. Wenn du nach einem neuen Verein suchst, was ist dir dabei besonders wichtig?

    Ensminger: In den letzten Jahren habe ich immer geschaut, was der nächste logische Schritt für meine Entwicklung sein könnte. Nach der Pro B wollte ich zunächst mehr Spielpraxis sammeln und bin deshalb nach Quakenbrück gegangen, wo ich mit 19 Jahren als Starter eingeplant war. Danach war für mich der nächste Schritt die BBL mit Bonn.

    Dort hatte ich zwar weniger Spielzeit, konnte aber viel lernen. Anschließend wollte ich wieder mehr spielen und bin nach Göttingen gegangen. Grundsätzlich habe ich immer versucht, die Schritte zu gehen, die für meine Entwicklung sinnvoll waren – sowohl sportlich als auch mit Blick auf das Potenzial des Vereins.

    Nach der vergangenen Saison war Oldenburg für mich deshalb eine sehr gute Option. Der Verein hat viel Potenzial und die Möglichkeit, wieder erfolgreichen Basketball zu spielen und langfristig etwas aufzubauen.

    Frage: Und wie läuft so ein Gespräch dann ab? Du hast ja gesagt, du magst, dass es eine klare Rollenverteilung gibt. Wird dir dabei auch schon eine bestimmte Rolle im Team aufgezeigt? Geht es da auch um Minuten?

    Ensminger: Versprochen wird natürlich nichts. Ein Trainer kann dir im Sommer nicht garantieren, wie viele Minuten du spielen wirst. Er weiß schließlich selbst noch nicht genau, wie sich die Mannschaft entwickelt. Wichtig ist mir aber, eine klare Vorstellung von meiner Rolle zu bekommen. Ich möchte merken, dass der Trainer mich kennt, Spiele von mir gesehen hat und ungefähr weiß, wie er mich einsetzen möchte – gerade weil ich mehrere Positionen spielen kann.

    Genauso wichtig ist es für mich, den Coach als Person kennenzulernen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie er Basketball spielen lassen möchte.

    Frage: Jetzt bist du hier und die Vorbereitung hat begonnen. Wie läuft so eine Vorbereitung normalerweise ab?

    Ensminger: Soll ich mit der Anreise anfangen?

    Aussage: Ja, gerne

    Ensminger: Im Sommer hält man sich natürlich fit, macht Pause und arbeitet individuell an sich. Dann kommt die Anreise. In den ersten Tagen stehen meist Medizin-Checks, erste Gespräche und das Kennenlernen der Mitspieler an, oft auch bei einem gemeinsamen Teamessen oder -Event.

    Danach startet man relativ entspannt ins Training, zunächst ohne viel Kontakt. In den ersten Einheiten geht es vor allem um Basics: Wie bewegen wir uns mit und ohne Ball und welche Grundlagen wollen wir als Team etablieren?

    Am Anfang geht es vor allem darum, die Offensiv- und Defensivkonzepte kennenzulernen, die Mitspieler und die Coaches kennenzulernen und sich als Team einzuspielen. Man beginnt mit einfachen Dingen wie Eins-gegen-Eins- und Zwei-gegen-Zwei-Defense. Die Grundlagen, die man im Non-Contact-Training erarbeitet, werden dann Schritt für Schritt ins Kontakttraining übertragen. Offensiv startet man häufig mit Transition, fügt danach erste Plays hinzu und baut das System nach und nach weiter aus.

    Frage: Mit wie vielen Spielzügen startet man normalerweise?

    Ensminger: Eher mit weniger. Man wirft nicht direkt 20 Spielzüge ins Training. Stattdessen baut man die Systeme Schritt für Schritt auf. Defensiv geht es zunächst um die Grundlagen: Wie stehe ich in der Help Side, wie verteidige ich im Deny oder am Ball und wie verteidigen wir den Ball Screen? Dazu kommen weitere Informationen, die gerade für neue Spieler erst einmal verarbeitet werden müssen. Mit acht neuen Spielern ist es besonders spannend zu sehen, wie schnell sich alle an die neuen Konzepte gewöhnen. Die ersten Wochen sind deshalb sehr intensiv, aber auch eine wichtige Zeit, um als Team zusammenzuwachsen.

    Mit dem ersten Spiel verändert sich dann noch einmal einiges. Fünf-gegen-Fünf im Training ist etwas anderes als ein echtes Spiel über viermal zehn Minuten gegen einen anderen Gegner. Die Vorbereitung ist deshalb nicht nur sportlich wichtig, sondern auch für die Teamchemie. Man verbringt schließlich acht, neun oder zehn Monate miteinander und muss als Mannschaft funktionieren.

    Frage: Du hast gerade die Teamchemie angesprochen. Das bringt mich zum Pick-and-Roll, das im Basketball über die Jahre immer wichtiger geworden ist. Gerade als Guard spielt man dabei eine große Rolle. Wie sehr ist das Pick-and-Roll mittlerweile in deinem Spiel verankert und die Verbindung zum Center?

    Ensminger: Ja, auf jeden Fall. Im modernen Basketball ist das Pick-and-Roll ein zentraler Bestandteil fast jeder Offense. Viele Aktionen entstehen aus Ball Screens. In Bonn zum Beispiel, da hab ich mit TJ Shorts sehr viele Pick-and-Rolls gespielt.

    Dabei geht es aber nicht nur um die Verbindung zwischen dem Ballhandler und dem Big Man. Auch die drei anderen Spieler sind wichtig. Sie müssen erkennen, wie die Defense das Pick-and-Roll verteidigt, und entsprechend reagieren. Gegen eine Hedge Defense müssen sie zum Beispiel Passwege öffnen, gegen eine Flat Defense kann sich ein Spieler entsprechend nach hinten bewegen.

    Ich hatte viele Trainer, die großen Wert darauf gelegt haben, dass die Spieler abseits des Ball Screens das Feld richtig breit machen und die Defense lesen. So entsteht letztlich ein Zwei-gegen-Zwei, bei dem die anderen drei Spieler durch ihr Spacing trotzdem eine wichtige Rolle spielen.

    Frage: Magst du das Spacing mal erklären?

    Ensminger: Beim Ball Screen geht es oft darum, dass die drei anderen Spieler für gutes Spacing sorgen und den beiden Spielern im Pick-and-Roll Raum geben. Wenn der Ballhandler und der Big Man auf einer Seite agieren, bleiben die anderen drei zunächst aus dem Weg und halten ihre Positionen.

    So kann zum Beispiel ein langsamer Big Man des Gegners gezielt attackiert werden. Gleichzeitig nimmt man die anderen drei Verteidiger weitgehend aus der Aktion und schafft eine Zwei-gegen-Zwei-Situation mit viel Platz, statt auf engem Raum ein Fünf-gegen-Fünf zu spielen.

    Aber es hat auch viel mit Cutten zu tun, zum Beispiel bei einem Middle Drive gegen eine Flat Defense. Die Verbindung zwischen den Spielern ist dabei sehr wichtig. Im Training arbeiten wir deshalb sehr viel am Ball Screen – wie bereitet man ihn vor, wie bewegt man sich ohne Ball und wie reagieren die anderen drei Spieler?

    Als Guard musst du vor allem die Defense lesen: Wie steht sie? Kommt der Big heraus? Darf ich weiter dribbeln oder muss ich schnell passen, um eine Überzahlsituation zu schaffen?

    Letztlich geht es beim Pick-and-Roll vor allem darum, eine Überzahlsituation zu kreieren und die Defense dadurch vor eine Entscheidung zu stellen.

    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Frage: Wie schwierig ist es für dich als Guard, die Defense in einer solchen Situation zu lesen?

    Ensminger: Mit dem Scouting weißt du in der Saison meistens schon, wie ein Team das Pick-and-Roll verteidigt – ob es zum Beispiel Hard Hedge oder Drop Defense spielt. Natürlich können Teams ihre Defense gegen bestimmte Spieler oder im Laufe eines Spiels anpassen.

    Dann musst du wissen, wie du die jeweilige Defense attackierst. Gegen eine Hard Hedge kann es zum Beispiel darum gehen, schnell zu dribbeln, direkt zu passen oder gar nicht erst weiter zu dribbeln. Du willst den Fünfer aus seiner Position ziehen und dadurch eine Überzahlsituation schaffen – entweder auf dem Flügel oder über den Short Roll des Bigs.

    Am Ende ist dabei aber auch viel Intuition gefragt. Manchmal wollen Teams eine bestimmte Defense spielen, bekommen sie aber nicht perfekt umgesetzt. Dann musst du die Situation einfach lesen und entsprechend reagieren.

    Frage: Geht am Ende also vieles über Read and React?

    Ensminger: Ja, auf jeden Fall. Vieles läuft über Read and React. Die Dinge, die man im Training immer wieder übt, sollen im Spiel irgendwann automatisch passieren. Das ist wichtig, weil man während eines Spiels ohnehin über viele Dinge nachdenken muss.

    Deshalb müssen bestimmte Bewegungen einfach sitzen – zum Beispiel, dass der Flügelspieler gegen eine Hard Hedge hochkommt und damit eine Anspielstation schafft, sodass du den Ball schnell weitergeben kannst.

    Frage: Das heißt, ihr trainiert diese Connection im Prinzip Schritt für Schritt: zunächst im Zwei-gegen-Zwei im Pick-and-Roll und später dann im Fünf-gegen-Fünf?

    Ensminger: Auch viel Drei-gegen-Null. Wir bauen die Situationen Schritt für Schritt auf: Zwei-gegen-Null, Drei-gegen-Null, Vier-gegen-Null, Fünf-gegen-Null und danach Zwei-gegen-Zwei bis hin zu Fünf-gegen-Fünf.

    Dann spielen wir zum Beispiel bestimmte Ball-Screen-Situationen gegen eine Hard Hedge und trainieren direkt die passende Reaktion. Ziel ist es, diese Situationen so oft zu wiederholen, dass sie im Spiel automatisch ablaufen.

    Wenn du den Ball bekommst und erst stehen bleibst, um darüber nachzudenken, ist der Vorteil der Situation meistens schon weg. Deshalb müssen diese Bewegungen und Entscheidungen sitzen.

    Frage: Letzte Saison gab es mit den EWE Baskets Oldenburg und dem FC Bayern München Basketball zwei Teams, die wieder häufiger Post-ups gespielt haben. Trainiert ihr das bei euch auch?
    Ensminger: Bisher haben wir relativ viel Defense und Ball-Screen-Offense trainiert, aber ich denke, dass wir auch Post-up spielen werden. Wir haben einige Spieler, die im Low Post agieren können – zum Beispiel Nicho [Tischler], Demajeo [Wiggins] oder Marcel [Keßen]. Auch Seth [Hinrichs] ist sehr clever und kann kleinere Verteidiger im Post gut attackieren.

    Frage: Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass das Pick-and-Roll immer wichtiger wird. Entstehen solche Post-up-Situationen auch häufig aus dem Pick-and-Roll?

    Ensminger: Wenn du nach einem Pick-and-Roll einen Switch bekommst, kann der Big Man seinen kleineren Gegenspieler im Post attackieren oder ihn für einen Pass in den Post versiegeln. Deshalb steckt in vielen unserer Aktionen ein Pick-and-Roll.

    Fast jedes Set Play startet oder endet letztlich in einem Pick-and-Roll. Dazu kommen einige Off-Screen-Aktionen, die ebenfalls häufig in einem Pick-and-Roll oder Post-up enden.

    Im Vergleich zu früher hat sich das deutlich verändert. Vor 30 Jahren wurde wesentlich häufiger im Post gespielt, während das Pick-and-Roll heute einen viel größeren Teil der Offense ausmacht.

    Aussage: Jetzt sind wir ein bisschen abgedriftet.

    Ensminger: Ja, alles gut.

    Frage: Wie lange dauert es ungefähr, bis du als Guard eine wirklich gute Verbindung mit deinem Center entwickelst – also zum Beispiel beim Timing des Screens oder beim richtigen Moment für den Roll?

    Ensminger: Ich kenne unsere beiden Center schon, aber natürlich muss man sich trotzdem erst aneinander gewöhnen. Man schaut, wie der andere die Screens stellt, ob er eher slipt oder den Screen länger hält und in welchem Winkel er ihn stellt.

    Auch beim Roll ist das Timing unterschiedlich. Manche Center rollen sehr schnell ab, andere bleiben kurz stehen. Darauf musst du dich als Guard einstellen. Vieles davon passiert irgendwann intuitiv, ohne dass du bewusst darüber nachdenkst.

    Ich würde sagen, nach ein bis zwei Wochen entwickelt sich schon ein gutes Grundverständnis. Aber diese Connection wächst über die gesamte Saison. Am Ende weißt du genau, wie sich dein Mitspieler bewegt und wo er auf dem Feld sein wird.

    Aussage: Damit sind wir auch schon am Ende. Vielen Dank für das spannende Interview!

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    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Während es im ersten Teil des Interviews vor allem um Max DiLeos Rückkehr nach Oldenburg und seinen Weg zum Coach ging, steht im zweiten Teil die Defense im Mittelpunkt – der Bereich des Basketballs, für den DiLeo besonders viel Leidenschaft hat. Dabei geht es vor allem um das Pick-and-Roll und die Frage, warum die Defense gewissermaßen vorgibt, was offensiv passiert. Außerdem sprechen wir über die Mentalität, die es für gute Defense braucht, und darüber, welchen Eindruck DiLeo von der Oldenburger Mannschaft in der frühen Vorbereitungsphase in diesem Bereich hat.

    Frage: Du hast vorhin gesagt, dass du als Spieler alle verschiedenen Pick-and-Roll-Defenses kennst. Das bringt mich zum nächsten Thema. Es ist kein Geheimnis, dass du die Defense liebst. Wie hat sich die Defense im Laufe deiner Karriere verändert? Ich denke, gerade durch die Entwicklung des modernen Basketballs hat sich einiges getan – zum Beispiel, weil heute auf fast allen Positionen Spieler werfen und kreieren können. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr?

    DiLeo: Jedes Team, bei dem ich gespielt habe, hat etwas anders verteidigt. Nach meinen ersten Jahren bin ich sieben Jahre lang Pedro Calles gefolgt. In dieser Zeit haben sich zwar Kleinigkeiten verändert, aber nichts Grundlegendes.

    Grundsätzlich glaube ich, dass jede Defense funktionieren kann, wenn man sie gut ausführt. Welche Defense du gegen einen bestimmten Spieler spielst, hängt aber stark vom Team und den individuellen Stärken des Gegners ab. Das lernt man mit zunehmender Erfahrung und durch das individuelle Scouting. Irgendwann weißt du genau, dieser Spieler macht besonders gerne das.

    Die grundsätzliche defensive Philosophie verändert sich also nicht unbedingt so stark, aber die Details schon. Als ich gesagt habe, dass ich als Spieler alle Pick-and-Roll-Defenses kannte, meinte ich nicht, dass ich alles über Defense weiß. Ich kenne die verschiedenen Systeme – Drop Coverage, Hedge Coverage, Flat, Quick Show und so weiter. Aber die Details dahinter kenne ich noch nicht unbedingt. Ich weiß zum Beispiel aus offensiver Sicht, wie man diese Defense attackiert. Aber ich lerne gerade erst, wie man all diese Dinge in eine eigene defensive Philosophie und Strategie integriert.

    Frage: Wie schwierig ist es, die Offense in solchen Situationen zu lesen? Du hast gerade Drop Coverage, Hedge Coverage und andere Pick-and-Roll-Defense erwähnt. Sie können alle effektiv sein, aber es hängt natürlich davon ab, wie der Gegner das Pick-and-Roll spielt. Wie schwierig ist es, zu erkennen, was die Offense macht, und dann entsprechend zu entscheiden, ob man Drop, Hedge oder eine andere Defense spielen sollte?

    DiLeo: Meiner Meinung nach – und ich glaube, das gilt für die meisten Teams – steht die Defense grundsätzlich fest, und die Offense reagiert darauf, wie die Defense verteidigt. Deshalb geht es aus meiner Sicht eher darum, dass die Offense das Spiel liest und erkennt, welche Defense der Gegner spielt. Als Spieler wusste ich genau, wie ich die Offense lesen muss. Die richtige Entscheidung daraus abzuleiten, ist dann aber natürlich deutlich schwieriger.

    Frage: Hält man sich grundsätzlich über das gesamte Spiel an den Gameplan, oder passt man die Defense an, je nachdem, wie der Gegner sie attackiert?

    DiLeo: Wenn du kannst, ja. Natürlich gibt es Spiele, in denen es anders läuft. Keine Defense ist perfekt. Die Gegner werden irgendwann eine Schwachstelle finden, und dann musst du vielleicht Anpassungen vornehmen. Aber wenn du deine Defense wirklich gut spielst, ist selbst diese Schwachstelle vielleicht gar nicht so groß. Dann kannst du weiterhin Anpassungen vornehmen und bestimmte Dinge wegnehmen.

    Grundsätzlich gehst du aber mit einem defensiven Gameplan ins Spiel und versuchst, diesen umzusetzen. Abhängig vom Scouting Report passt du vielleicht schon vor dem Spiel ein paar Dinge an, aber grundsätzlich hältst du an deinem Plan fest. Und die Offense kann – abgesehen von einigen bestimmten Situationen – nicht bestimmen, was du defensiv machst.

    Frage: Aber genau das ist interessant: Wenn du zum Beispiel ein Pick-and-Roll verteidigst, musst du je nach Situation – etwa bei einem Ghost Screen oder Pick-and-Pop – unterschiedlich verteidigen. Zu Beginn der Aktion weißt du aber noch gar nicht, was der Spieler machen wird. Wie triffst du als Verteidiger in Echtzeit die richtige Entscheidung?

    DiLeo: Dafür gibt es bestimmte Regeln. Beim Pick-and-Pop hast du zum Beispiel klare Vorgaben dafür, wie du mit einem effektiven oder nicht effektiven Screen umgehst. Auch bei einem Vierer im Pick-and-Roll gibt es entsprechende Regeln – je nachdem, ob er zum Korb abrollt oder eher ein guter Schütze ist und Pick-and-Pop spielt. Mit diesem Wissen gehst du dann ins Spiel.

    Du gehst also mit einem klaren Plan und bestimmten Regeln ins Spiel. Während der Aktion musst du dann erkennen, was passiert. War es ein effektiver Screen oder nicht? Ist es ein Transition-Ball-Screen oder ein Ball-Screen im Halbfeld? Diese Situationen musst du in Echtzeit lesen und entsprechend deiner Regeln reagieren.

    Aber genau das entwickelt sich, je länger du als Team zusammenspielst. Du lernst deine Mitspieler und eure Defense kennen und weißt, wo eure Stärken liegen. Dadurch kannst du Situationen immer besser lesen und die richtigen Entscheidungen treffen. Und natürlich ist auch die Kommunikation als Verteidiger entscheidend. Was du kommunizierst, bestimmt letztlich auch, was du machst.

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    Frage: Ist euer defensives Playbook also genauso umfangreich wie das offensive?

    DiLeo: Nein, überhaupt nicht. Die Defense funktioniert eher über bestimmte Regeln, die du befolgst. Diese Regeln geben dir für fast jede Situation vor, was du machen sollst. Wenn eine bestimmte Situation eintritt, wissen wir also, wie wir reagieren. Dann liegt es an den Spielern auf dem Feld, die Situation zu erkennen und die richtige Entscheidung zu treffen.

    Als Coaching Staff versuchen wir, den Spielern so viele Informationen wie möglich mitzugeben, damit sie auf dem Feld die richtigen Entscheidungen treffen können. Natürlich funktioniert nicht immer alles perfekt. Aber wir haben klare Regeln für die verschiedenen Situationen – zum Beispiel, wie wir ein Wing Pick-and-Roll oder ein Pick-and-Roll oben an der Dreierlinie verteidigen.

    Im Spiel müssen die Spieler diese Situationen erkennen und unsere Regeln entsprechend anwenden. Die Grundlage sind also unsere Regeln, und die Offense muss dann auf das reagieren, was wir defensiv machen.

    Auch offensiv wissen wir durch den Scouting Report, wie der Gegner bestimmte Situationen verteidigen wird und wie wir ihn entsprechend attackieren wollen. Natürlich können wir durch das Spacing manchmal beeinflussen, wie die Defense reagiert. Aber größtenteils passt sich die Offense daran an, wie die Defense verteidigt.

    Die Defense gibt also gewissermaßen vor, was passiert, und die Offense muss darauf reagieren.

    Frage: Das Pick-and-Roll ist im Basketball über die Jahre immer wichtiger geworden. Natürlich sind bei der Pick-and-Roll-Defense alle fünf Spieler beteiligt, aber die Hauptverantwortung liegt oft beim Einser und beim Fünfer. Wie trainiert ihr diese beiden Spieler, damit sie eine wirklich gute Verbindung entwickeln? Denn gerade in der Pick-and-Roll-Defense müssen sie sehr gut aufeinander abgestimmt sein.

    DiLeo: Wiederholungen. Wiederholungen. Genau dadurch lernst du. Ich war als Spieler Guard und – ich möchte nicht übertreiben – ein durchaus guter Verteidiger. Ich habe schon als Spieler mit den Big Men darüber gesprochen, wie wir die Pick-and-Roll-Defense spielen. Wenn ich gut über den Screen komme, können sie zum Beispiel etwas früher zurück in ihre Position. Genau diese Abstimmung ist entscheidend.

    Wir lernen uns momentan noch kennen, deshalb geht es vor allem um Wiederholungen. Wir trainieren die Pick-and-Roll-Defense zunächst isoliert und später in spielnahen Situationen. Dabei lernst du die Stärken deiner Mitspieler kennen und bekommst ein Gefühl dafür, wann du mehr helfen musst oder ihnen vertrauen kannst. So entwickelt sich mit der Zeit das Verständnis füreinander – durch viele Wiederholungen.

    Frage: Wie lange dauert es normalerweise, bis ein Guard und ein Big Man eine wirklich gute Verbindung in der Pick-and-Roll-Defense entwickeln?

    DiLeo: Das kommt wirklich darauf an. Ich glaube, diese Verbindung entwickelt sich bis zum letzten Spiel der Saison weiter. Sie wird nie perfekt sein, weil es immer Raum für Verbesserungen gibt.

    Gerade am Anfang lernst du sehr viel und sehr schnell. Wir fangen bereits an, die Tendenzen des jeweils anderen zu verstehen. Im Laufe der Saison wächst dieses Verständnis weiter und du gewinnst mehr Vertrauen in deine Entscheidungen. Es dauert aber ein paar Wochen, bis die Abläufe wirklich sicher und gefestigt sind.

    Frage: Du hast gesagt, dass du die Spieler mit jedem Training besser kennenlernst. Nutzt ihr die Preseason auch dazu, herauszufinden, welche defensive Variante am besten zu welchem Spieler passt – also zum Beispiel, ob für einen Spieler eher Switch oder Hedge geeignet ist?

    DiLeo: Ich denke, es ist eine Kombination aus beidem. Du gehst mit einem Plan in die Saison, stellst dann aber vielleicht fest, dass ein Spieler bestimmte Stärken hat, und passt deine Defense entsprechend an.

    Wenn du zum Beispiel einen großen Guard und einen beweglichen Vierer hast, der gut auf dem Perimeter verteidigen kann, kannst du mit ihm vielleicht häufiger switchen und den Gegner damit vor Probleme stellen.

    Oder du planst so etwas bereits beim Recruiting und holst einen Spieler, weil er alle fünf Positionen verteidigen kann. Dann weißt du schon vorher, mit ihm können wir switchen. Es ist also beides. Manchmal passt du die Defense im Laufe der Saison an, manchmal ist eine bestimmte Variante von Anfang an Teil des Plans.

    Frage: Okay, interessant. Das heißt, man hat einen Plan und geht mit diesem in die Saison, richtig?

    DiLeo: Ja, grundsätzlich geht man mit einem Plan in die Saison. Im Laufe der Zeit erkennt man dann die Stärken und Schwächen der Mannschaft und kann gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. Aber vieles ist bereits vor der Saison festgelegt und Teil des ursprünglichen Plans.

    Frage: Braucht man deiner Meinung nach einen bestimmten Charakter, um ein wirklich guter und harter Verteidiger zu sein, oder kann man das lernen?
    DiLeo: Ja, definitiv. Gute Defense erfordert eine bestimmte Mentalität. Ich habe mit Spielern gespielt, die vielleicht nicht die besten Verteidiger waren, aber die richtige Einstellung hatten – und dadurch trotzdem sehr gute Defense gespielt haben.

    Gleichzeitig habe ich großartige Verteidiger erlebt, denen diese Mentalität gefehlt hat, und das hat dem Team geschadet. Deshalb sind für mich die richtige Einstellung und der nötige Antrieb entscheidend. Gute Defense erfordert viel Einsatz, Opferbereitschaft und Hingabe.

    Foto: EWE Baskets Oldenburg

    Frage: Du hast gesagt, dass es manchmal Spieler gibt, denen die Mentalität fehlt. Was meinst du genau damit?

    DiLeo: Du musst mental immer voll konzentriert sein und die nächste Situation antizipieren.

    Manche Spieler sind vielleicht großartige Eins-gegen-Eins-Verteidiger. Ich kenne das aus meiner eigenen Erfahrung mit früheren Mitspielern. Aber sobald der Ball weg ist, schalten sie mental ab und verlieren ihre Position oder ihren Gegenspieler.

    Genau das ist ein Teil der Mentalität, von der ich spreche.

    Frage: Okay. Aber gibt es innerhalb eurer defensiven Philosophie Möglichkeiten, Spieler aufzufangen, die mit der mentalen Seite der Defense Schwierigkeiten haben?

    DiLeo: Natürlich. Aber meiner Meinung nach – und das ist wirklich nur meine persönliche Meinung – sollte man solche Schwächen nicht einfach akzeptieren. Natürlich gibt es Unterschiede bei Athletik, Größe und körperlichen Voraussetzungen. In bestimmten Situationen musst du darauf reagieren, aber ich würde nicht die gesamte Defense wegen eines einzelnen Spielers verändern.

    Vielleicht musst du bei einem Spieler einen zusätzlichen Schritt helfen oder etwas mehr Unterstützung geben. Aber grundsätzlich sollte die defensive Philosophie bestehen bleiben.

    Das beginnt schon beim Recruiting. Du weißt, welche Defense du spielen möchtest, und suchst die passenden Spielertypen dafür. Wenn ich aggressive Hedge Defense spielen möchte, hole ich keinen Fünfer, der sich kaum bewegen kann und bisher nur Drop Defense gespielt hat. Vielleicht sehe ich aber sein Potenzial und glaube, dass er ein guter Hedge-Verteidiger werden kann.

    Natürlich gibt es auch Situationen, in denen du aufgrund des Personals Anpassungen machen musst. Wenn du zum Beispiel einen sehr kleinen Guard hast, kannst du gegen bestimmte Gegner vielleicht bei Guard-to-Guard-Screens switchen oder eine andere Lösung finden.

    Solche Anpassungen gehören dann zum Scouting und zum Gameplan. Es gibt also Situationen, in denen du gegen einen bestimmten Spieler oder ein bestimmtes Team etwas anders verteidigen musst – aber die grundsätzliche Philosophie bleibt bestehen.

    Frage: Kommen wir zur letzten Frage. Um noch einmal auf deine Rolle im Coaching Staff zurückzukommen – ist es ein großer Teil deiner Aufgabe, den Spielern die richtige defensive Mentalität zu vermitteln?

    DiLeo: Ja. Das ist definitiv etwas, worauf ich achte. Aber Franjo [Borchers] und Milenko [Bogićević] machen einen großartigen Job dabei, den Spielern unsere defensive Mentalität zu vermitteln.

    Ich bin überzeugt, dass diese Mentalität ein großer Teil guter Defense ist. Deshalb versuche ich, sie vorzuleben und zu helfen, wo ich kann. Gleichzeitig ist das etwas, das sich nur schwer vermitteln lässt.

    Zum Glück haben wir diese Mentalität in unserer Mannschaft bereits. Alle sind hungrig und bereit, zusätzliche Arbeit zu investieren. Deshalb muss ich mich momentan gar nicht so sehr darauf konzentrieren – bisher sieht einfach alles sehr gut aus.

    Aussage: Perfekt. Ganz vielen Dank für das spannende Interview.

  • Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Ich habe mich letzte Woche mit Max DiLeo getroffen, um über seine Rückkehr nach Oldenburg, seine Entscheidung, Coach zu werden, und über das Thema Defense zu sprechen. Im ersten von zwei Teilen geht es um die Gründe für seine Rückkehr. Außerdem sprechen wir über seine Zeit an der Monmouth University, seine Stärken im Trainerteam und darüber, in welchen Bereichen er sich als Coach noch weiterentwickeln möchte. Im zweiten Teil geht es ausführlich um die Defense – insbesondere um das Pick-and-Roll, defensive Systeme und die Mentalität, die es für gute Defense braucht.

    Frage: Wie kam es dazu, dass du als Coach nach Oldenburg zurückgekehrt bist?

    DiLeo: Ich bin im Sommer nach Deutschland gekommen, weil ein Freund von mir in Italien geheiratet hat. Da ich sowieso in der Nähe war, wollte ich ein paar Leute wiedersehen. Zu dem Zeitpunkt war noch offen, wo ich in der kommenden Saison arbeiten würde. Dann kam die Möglichkeit in Oldenburg auf, und sie wollten mich gerne zurückholen. Das war für mich natürlich sehr interessant und aufregend.

    Aber erst ein paar Wochen später stand endgültig fest, dass ich zurückkommen würde. Ich war eigentlich davon ausgegangen, in Amerika zu bleiben, deshalb war es schon eine große Veränderung. Gleichzeitig habe ich mich aus vielen Gründen sehr darauf gefreut, wieder nach Oldenburg zurückzukommen.

    Frage: Welche Gründe waren das denn?

    Zum einen habe ich die EWE Arena einfach vermisst – die Atmosphäre und das Gefühl, dort zu sein. Als Coach ist es natürlich etwas anderes, aber wenn man aufhört zu spielen, vermisst man solche Dinge. Die Arena war für mich wie ein Zuhause. Ich habe auf dem Feld immer für diese Fans gekämpft. Deshalb bedeutet es mir viel, jetzt wieder für sie kämpfen zu können – nur auf eine andere Art und Weise. Darauf habe ich mich besonders gefreut.

    Der andere Punkt sind die Menschen, die ich hier kennengelernt habe. Ich war drei Jahre hier und habe enge Freundschaften aufgebaut – unter anderem mit Seth [Hinrichs] und Franjo [Borchers]. Auch die Leute im Verein und außerhalb des Basketballs sind mir sehr ans Herz gewachsen. Deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut, viele von ihnen wiederzusehen. Gerade in Oldenburg habe ich die längste Zeit verbracht, und die Menschen hier waren immer großartig zu mir. Auch deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut, wieder zurückzukommen.

    Frage: Wann hast du dich entschieden, eine Trainerkarriere einzuschlagen? War das schon während deiner aktiven Zeit als Spieler ein Thema oder erst nach deinem Karriereende?

    DiLeo: Als Spieler habe ich schon darüber nachgedacht, Trainer zu werden. Besonders in Vechta und später in Hamburg wurde mein Interesse daran größer. Ich hatte großen Respekt vor Pedro Calles und begann, Trainingsinhalte und meine Beobachtungen zu dokumentieren.

    In Hamburg habe ich als Kapitän außerdem für verletzte Spieler Trainingsabläufe und Regeln festgehalten, damit sie den Anschluss nicht verlieren. Das habe ich später auch in Oldenburg weitergeführt – mit Trainingsplänen, Videos und Clips. So habe ich mich schon früh mit dem Coaching beschäftigt, auch wenn damals noch nicht feststand, dass ich tatsächlich Trainer werden würde.

    Frage: Und ab wann stand es dann so richtig fest?

    Ich wusste nicht, wie lange ich noch spielen würde oder ob ich danach überhaupt noch Lust auf Basketball haben würde. Aber die Idee, Trainer zu werden, hatte ich schon länger im Hinterkopf. Mein Vater war lange Trainer und auch mein Bruder arbeitete bereits als Coach in der NBA. Dadurch wurde Coaching für mich immer mehr zu einer möglichen Perspektive, und ich habe mich immer häufiger mit meinem Bruder darüber ausgetauscht.

    In meiner letzten Saison hier war ich oft verletzt und habe dadurch mehr Zeit neben dem Feld als auf dem Feld verbracht. Ich habe angefangen, der Mannschaft und den Spielern zu helfen und ihnen bestimmte Dinge näherzubringen.

    Gleichzeitig war das für mich eine gute Vorbereitung, weil ich wusste, dass es meine letzte Saison sein würde. Ich wollte das Spiel mehr als Ganzes verstehen und zunehmend aus der Perspektive eines Trainers betrachten. Spätestens in dieser Saison wusste ich dann, dass ich Trainer werden wollte. Ich wusste zwar noch nicht, wo, aber die Liebe zum Basketball war noch da. Da mein Körper das Spielen nicht mehr mitgemacht hat, war Coaching für mich die beste Möglichkeit, dem Basketball verbunden zu bleiben.

    Frage: Deine Trainerkarriere begann dann letztes Jahr an der Monmouth University. Welche Rolle hattest du dort?

    DiLeo: Ich habe selbst an der Monmouth University gespielt. Nach meiner letzten Saison musste ich mich einer größeren Knieoperation unterziehen, weshalb ein direkter Einstieg ins NBA-Coaching nicht möglich war. Da ich aber bereits wusste, dass ich Trainer werden wollte, ging ich stattdessen regelmäßig zur Monmouth University und schaute mir das Training an.

    Mein ehemaliger Coach bot mir schließlich an, als Volunteer Assistant Coach mitzuarbeiten. Ich wollte von Anfang an alles geben und war deshalb jeden Tag dort. Nach ein paar Wochen bemerkten die Coaches das und gaben mir immer mehr Verantwortung.

    Frage: Was waren dann deine Verantwortungen?

    DiLeo: Ich half bei der Trainingsplanung und brachte meine Erfahrungen aus dem europäischen Basketball ein, zum Beispiel bei verschiedenen Übungen. College-Basketball unterscheidet sich in vielen Bereichen vom europäischen Basketball, und mein Coach war sehr daran interessiert, neue Dinge auszuprobieren. Darüber habe ich mich viel mit ihm ausgetauscht.

    Als die Saison begann, waren die Rollen im Staff bereits weitgehend festgelegt. Ich hatte kein eigenes Team für die Scouting Reports, weil diese Aufgaben schon verteilt waren. Stattdessen arbeitete ich mit einem anderen Coach daran.

    Frage: Was hast du dann genau gemacht?

    Nach jedem Spiel habe ich individuelle Clips für die Spieler zusammengestellt – sowohl gute als auch verbesserungswürdige Situationen. Am nächsten Tag habe ich sie mit den jeweiligen Spielern besprochen.Dabei wollte ich nicht nur Fehler zeigen, sondern auch positive Dinge hervorheben. So konnten wir gemeinsam konkrete Situationen besprechen und daran arbeiten. Für die Spieler war es hilfreich, weil viele Details während eines Spiels untergehen und sie Fragen stellen konnten, ohne sich vor den anderen rechtfertigen zu müssen.

    Die Spieler hatten viel Spaß daran, und für mich war es ebenfalls eine wertvolle Erfahrung. Es hat uns als Team besser gemacht und mich gleichzeitig als Coach weiterentwickelt.

    Frage: Und jetzt bist du wieder hier in Oldenburg. Wie fühlt es sich an, bei der Vorbereitung auf der anderen Seite zu stehen? Du hast das alles selbst als Spieler erlebt und bist jetzt als Coach in derselben Halle.

    DiLeo: In den ersten Tagen war es etwas ungewohnt, mittlerweile fühlt es sich aber ganz normal an. Anfangs habe ich mich gefragt, ob die Spieler mich als Coach ernst nehmen würden. Sie zeigen mir aber viel Respekt und hören mir zu, was für mich sehr wichtig ist.

    Die größte Umstellung ist für mich, dass ich als Spieler immer viel Energie auf dem Feld gebracht habe. Jetzt möchte ich als Coach etwas ruhiger auftreten und die Energie stärker vom Team selbst kommen lassen. Das war zunächst eine kleine Umstellung.

    Foto: EWE Baskets Oldenburg

    Frage: Wie ist die Zusammenarbeit mir Milenko Bogićević?

    Coach Milenko [Bogićević] macht einen großartigen Job, und ich bin wirklich sehr glücklich mit unserer Zusammenarbeit. Er stellt mir Fragen, möchte meine Meinung hören und nimmt mein Feedback ernst. Diese Beziehung ist für mich etwas ganz Besonderes und hilft mir sehr, mich als Coach weiterzuentwickeln.

    Ich denke, für einen Coaching Staff ist es wichtig, dass jeder etwas beiträgt. Natürlich trifft der Head Coach am Ende die Entscheidungen und hat den gesamten Plan im Kopf. Aber gleichzeitig sollte jeder seine Ideen einbringen und auch mal fragen: „Was wäre, wenn wir es so machen?“

    Frage: Was bringst du dann so ein?

    In den Gesprächen mit Milenko sage ich zum Beispiel oft: „Als Spieler hat mir das gut gefallen“ oder „Das hat mir auf dem Feld geholfen.“ Er schätzt diese Perspektive, weil ich selbst erst vor Kurzem Spieler war und weiß, wie die Spieler bestimmte Situationen wahrnehmen.

    Genau darin sehe ich einen Vorteil meiner Rolle im Coaching Staff. Ich kann einschätzen, wie die Spieler auf bestimmte Dinge reagieren. Zum Beispiel: „Als Spieler habe ich das gehasst“ oder „Im Training habe ich viel härter gespielt, wenn wir einen gewissen Wettbewerb hatten.“

    Ich glaube, das hilft der Mannschaft und dem Coaching Staff, die Spieler besser zu verstehen und dadurch bessere Trainingseinheiten zu gestalten.

    Gleichzeitig habe ich natürlich erst ein Jahr Erfahrung als Coach und möchte mich deshalb im Training nicht zu sehr einmischen. Gerade in bestimmten Bereichen der Defense muss ich selbst noch viel lernen. Gleichzeitig weiß ich, dass ich als Spieler darin gut war und kenne einige Details, die der Mannschaft helfen können – zum Beispiel bei den verschiedenen Pick-and-Roll-Defenses.

    In solchen Situationen bringe ich mich im Training oder in den Coaches Meetings ein. Viele der Dinge, die wir machen, sind mir bereits vertraut. Das gibt mir viel Selbstvertrauen im Training und mit Blick auf die kommenden Spiele.

    Frage: Du hast schon einiges über deine Stärken erzählt. In welchen Bereichen möchtest du dich noch weiterentwickeln?

    DiLeo: Ich kann noch unglaublich viel lernen. Milenko hat viel Erfahrung und Wissen, und durch unsere Gespräche vor und nach dem Training lerne ich jeden Tag dazu. Ich lerne seine Philosophie kennen, aber vor allem auch, warum er bestimmte Dinge so macht und wie man sie den Spielern vermittelt.

    Auch von Franjo lerne ich viel, besonders bei der Kommunikation mit den Spielern: Wie viele Informationen sind hilfreich und wann ist es zu viel?

    Nach dem Training sprechen wir darüber, wie es gelaufen ist und woran wir arbeiten müssen. Oft reden wir danach noch über Basketball, verschiedene Philosophien und Ansätze. Ich versuche, so viele Informationen wie möglich aufzusaugen und schreibe mir wichtige Dinge in ein Notizbuch.

    Ich stehe als Coach noch ganz am Anfang und lerne jeden Tag etwas Neues. Als Spieler dachte ich, ich wüsste alles. Als Coach habe ich schnell gemerkt, dass man niemals alles wissen kann – und wenn ich irgendwann denke, dass ich alles weiß, ist das wahrscheinlich der Moment, in dem ich gefeuert werden sollte.

    Foto: Ulf Duda / fotoduda.de

    Frage: Und wie sieht es mit der Rolle im Coaching Staff aus?

    Was meine Rolle angeht, arbeiten wir im Coaching Staff bisher relativ gleichberechtigt. Der Head Coach übernimmt natürlich den größten Teil der Planung, aber Franjo und ich bringen unser Feedback und unsere Ideen ein und wir besprechen alles gemeinsam.

    Ich sehe mich außerdem als eine Art Verbindung zwischen Spielern und Coaching Staff. Gerade durch meine Vergangenheit als Mitspieler kann es sein, dass manche Spieler mit bestimmten Themen zu mir kommen. Gerade mit Seth, unserem Kapitän, habe ich durch unsere gemeinsame Vergangenheit einen guten Draht. Deshalb kann er auf mich zukommen und bestimmte Dinge im Namen der Mannschaft ansprechen.

    Beim Scouting werden wir sehen, wie wir die Aufgaben verteilen, sobald die Spiele beginnen. Im Training höre ich momentan viel zu und konzentriere mich auf die Dinge, die ich besonders gut kenne. Ich möchte das Training nicht unnötig unterbrechen, bringe mich aber ein, wenn ich etwas sehe, das Milenko oder Franjo vielleicht entgeht.

    Die beiden erkennen solche Dinge aufgrund ihrer Erfahrung meistens schneller. Aber manchmal sehe ich ein Detail, das ihnen entgeht, und dann gebe ich diese Information an die Spieler weiter.

    Fortsetzung folgt